4,5 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung


Roman Spirig
International / 12.02.20 15:12

Die Luftverschmutzung führt weltweit zu 4,5 Millionen vorzeitigen Todesfällen pro Jahr. Zugleich verursacht sie jährliche Kosten von 2,9 Billionen Dollar.

4,5 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung (Foto: KEYSTONE / GAETAN BALLY)
4,5 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung (Foto: KEYSTONE / GAETAN BALLY)

Zu diesem Ergebnis kommen am Mittwoch veröffentlichte Berechnungen des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) und Greenpeace Südostasien.

Bei den Pro-Kopf-Kosten liegt die Schweiz gemäss CREA-Bericht mit 1900 Dollar auf Platz zwei ex aequo mit den USA, hinter Luxemburg mit 2600 Dollar. Der hohe Betrag widerspiegelt das hohe Bruttosozialprodukt. Setzt man die Kosten aber in ein Verhältnis zum Bruttosozialprodukt, fungiert die Schweiz nicht unter den ersten 25. Dann gibt China mit 6,6 Prozent am meisten für die Folgen der Luftverschmutzung aus.

Bei der Berechnung der Zahl der Todesfälle wird von der Wirkung von Partikeln und anderen Schadstoffen ausgegangen, die bei der Nutzung fossiler Brennstoffe entstehen. Dabei werden bereits zuvor veröffentlichte wissenschaftliche Erkenntnisse einbezogen. Allein für China wird die Zahl der Toten mit 1,8 Millionen angegeben, für Indien mit einer Million Menschen.

In der Schweiz sterben gemäss dem Bundesamt für Umwelt jährlich 2200-3000 Personen den vorzeitigen Tod wegen der Luftverschmutzung. Für die Europäische Union gibt der CREA-Bericht 398000 Tote jährlich an, für die USA 230000. Berücksichtigt ist jeweils der mittlere Wert von drei errechneten Szenarien.

Die Zahlen liegen leicht über Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die von 4,2 Millionen Todesfällen jährlich aufgrund von Luftverschmutzung ausgeht. Als konkrete Todesursachen werden in diesen Fällen Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Lungenkrebs sowie Atemwegserkrankungen vor allem bei Kindern angegeben. Wer in Neu Delhi lebe, habe eine Belastung durch Luftverschmutzung als würde er täglich zehn Zigaretten rauchen, heisst es in der Studie.

Die weltweiten Kosten durch Luftverschmutzung pro Tag wurden mit acht Milliarden Dollar beziffert. Dies entspreche etwa 3,3 Prozent der Weltwirtschaftsleistung. Besonders hoch sind die Kosten in China mit 900 Milliarden Dollar jährlich, in den USA mit 610 Milliarden Dollar und in Indien mit 150 Milliarden Dollar.

Luftverschmutzung durch fossile Brennstoffe bedroht unsere Gesundheit und unsere Wirtschaft, erklärte dazu Greenpeace-Experte Minwoo Son. Dabei sei die Lösung einfach: Wechsel zu erneuerbaren Energien, Abkehr von Diesel- und Benzinmotoren und Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel.

Die mit Abstand schwerwiegendsten Gesundheitsfolgen ergeben sich der Studie zufolge aus Feinstaub, der durch die Verbrennung fossiler Energieträger entsteht. Weitere Schadstoffe seien Stickstoffdioxid und Ozon.

29 Prozent aller Fälle von Lungenkrebs weltweit werden auf Luftverschmutzung zurückgeführt, zitieren die Autoren Schätzungen der WHO, zudem jeweils etwa ein Viertel der Todesfälle durch Herzerkrankungen und Schlaganfälle.

Wann wird es nicht länger hinnehmbar sein, das Leben von Menschen durch die Nutzung fossiler Brennstoffe zu verkürzen?, sagte der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Johan Rockström, dazu der Nachrichtenagentur AFP.

https://tinyurl.com/pollution-sda

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Selbstfahrende Autos: Ohne staatliche Lenkung droht mehr Verkehr
Schweiz

Selbstfahrende Autos: Ohne staatliche Lenkung droht mehr Verkehr

Selbstfahrende Autos werden die Schweiz erobern, darüber sind sich Fachleute einig. Wie genau sie sich ins Verkehrssystem einfügen könnten und welche Rolle dem Staat dabei zukommt, fasst die Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzungen in einem Bericht zusammen.

Deutsche Richter kippen Verbot der geschäftsmässigen Sterbehilfe
International

Deutsche Richter kippen Verbot der geschäftsmässigen Sterbehilfe

Das 2015 in Deutschland eingeführte Verbot der geschäftsmässigen Sterbehilfe verstösst gegen die Verfassung. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden.

Drei Spielsperren für Rowe
Sport

Drei Spielsperren für Rowe

Die Disziplinarkommission von Swiss Ice Hockey hat Andrew Rowe von den Rapperswil-Jona Lakers wegen eines Checks gegen den Kopf von Fabian Heldner in der Partie am 22. Februar gegen Lausanne (3:2 n.V.) für drei Spiele gesperrt und mit 5300 Franken gebüsst.

Lady Gaga kündigt neue Single
International

Lady Gaga kündigt neue Single "Stupid Love" an

In ihren sozialen Medien postete US-Popstar Lady Gaga am Dienstag (Ortszeit) ein Foto von einem Plakat mit rosa Kussmund und der Aufschrift Love. Dazu der Hinweis, dass ihre neue Single "Stupid Love" um Mitternacht am Freitag (US-Ostküstenzeit) erscheinen würde.