50 Millionen Franken, aber nicht aus der Spritzkanne


News Redaktion
Sport / 24.03.20 00:02

Der Bund spricht in der Coronakrise 50 Millionen Franken für den Breitensport. Die Begünstigten müssen das Geld nicht zurückzahlen. Aber es können sich nicht alle am Topf bedienen.

Breitensport im besten Sinne: Der Engadin Skimarathon könnte ein Beispiel für die Nothilfe des Bundes sein (FOTO: Keystone/ENNIO LEANZA)
Breitensport im besten Sinne: Der Engadin Skimarathon könnte ein Beispiel für die Nothilfe des Bundes sein (FOTO: Keystone/ENNIO LEANZA)

Das Coronavirus legt die Sportaktivitäten nicht nur lahm, es frisst auch Löcher in die Kassen von Vereinen, Trägervereinen, Veranstaltern und Verbänden. Einige von ihnen führt die Krise an den Rand des Bankrotts - oder sogar in den Bankrott, falls keine Hilfe von aussen oder von oben kommt.

Einem Golfclub beispielsweise, als Amateurorganisation aufgestellt, entgehen in der Corona-Zeit 100000 Franken an Einnahmen, weil nicht gespielt werden kann und weil folglich keine Gästespieler kommen, die Tageskarten lösen. An sich floriert der Klub. Aber er könnte die Ausfälle geltend machen.

Kann dieser Club den Schaden anmelden und ihn aus der Kasse von 50 Millionen decken lassen? Ein eindeutiges Nein. Der Bundesrat wie auch die mit dem Umgang mit dem Fonds betrauten Organisationen Swiss Olympic und Bundesamt für Sport (BASPO) stellen die Kriterien für die Verteilung des Batzens unter ein übergeordnetes Ziel: Der Schweizer Sport soll nach der Coronakrise in der gleichen Form weiterbestehen wie davor. Das heisst: Kein Verband, kein Verein, keine jährlich wiederkehrende Sportveranstaltung sollen infolge des Virus zugrunde gehen. Insofern sind die 50 Millionen à fonds perdu als Nothilfe zu sehen - und eben nicht als Instrument für den Ausgleich für entgangene Einnahmen.

Ein Beispiel für Organisationen und Veranstaltungen, deren Existenz bedroht sein könnte und die dank einer Finanzspritze gerettet werden sollen, sind Trägervereine von jährlich wiederkehrenden Anlässen. Im Schwingen etwa werden die sechs Bergkranzfeste immer an den gleichen historischen Stätten ausgetragen. Die Trägervereine können unterschiedlich liquid sein. Der Ausfall eines einzigen Festes könnte das Weiterbestehen des traditionsreichen Anlasses gefährden. Es wäre ein Beispiel für die sinnvolle Anwendung der Bundeshilfe.

Wer Hilfe beansprucht, muss diese in jedem Fall bei Swiss Olympic beantragen. Im Gesuch muss die Organisation auch ihre finanzielle Situation offenlegen. Gesuche, die am Schluss berücksichtigt werden könnten, leitet Swiss Olympic an das BASPO weiter. Eine unabhängige, von Swiss Olympic beauftragte Revisionsstelle durchleuchtet das Gesuch. Geht alles mit rechten Dingen zu, zahlt das BASPO der Organisation den für die Liquidität benötigten Betrag ohne weitere Bürokratie aus.

Christof Kaufmann, Leiter Public Affairs bei Swiss Olympic, rechnet nicht damit, dass Swiss Olympic und BASPO in den nächsten Wochen und Monaten mit Anträgen und Eingaben überflutet werden. Die Kriterien für eine Auszahlung werden bis Ende Woche durch das BASPO definiert. Da es sich um klare und kategorische Kriterien handeln wird, werden die meisten unter dem Coronavirus leidenden, aber in der Existenz nicht bedrohten Vereine und Verbände von Vornherein auf eine Eingabe verzichten.

Wie für den Breitensport stellt der Bund auch für den Schweizer Profisport 50 Millionen Franken zur Verfügung. Nicht à fonds perdu, sondern als zinslose Überbrückungskredite. Wo aber hört der Breitensport auf, und wo fängt der Profisport an? Dies im Einzelnen klar zu definieren ist, wie Christof Kaufmann einräumt, eine heikle Aufgabe, mit der sich Swiss Olympic und das BASPO aktuell beschäftigen. Es soll fair zugehen. Für Mischorganisationen und Mischveranstaltungen müssen sie festlegen, welcher Seite diese zuzuordnen sind. Kaufmann nennt als Beispiel den in diesem Jahr abgesagten Engadin Skimarathon. An der Spitze laufen Profis, das Gros der Teilnehmer jedoch sind Hobby- und Gesundheitsläufer. Wir werden darauf achten, sagt Kaufmann, welche Seite bei welcher Veranstaltung überwiegt. Der Engadin Skimarathon werde deshalb dem Amateur- und Breitensport zugerechnet. Genau gleich verhält es sich beispielsweise mit der grossen Laufveranstaltung Grand Prix Bern.

(sda)


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