Aktionstage gegen sexualisierte Gewalt


News Redaktion
Schweiz / 24.11.21 11:32

Mit der Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" wird dieses Jahr der Fokus auf das Thema sexualisierte Gewalt gelegt. Die Organisatorinnen fordern eine Anpassung des Sexualstrafrechts.

"Sexualisierte Gewalt betrifft uns alle", sagte Anna-Béatrice Schmaltz, Kampagnenleiterin und Expertin Gewaltprävention an einer Medienkonferenz zu den Aktionstagen gegen Gewalt an Frauen in Bern. (FOTO: Keystone/PETER SCHNEIDER)

Sexualisierte Gewalt hat nichts mit Sex zu tun. Sondern mit Macht, sagte Nationalrätin Tamara Funiciello (SP/BE) am Mittwoch bei der Vorstellung der Präventionskampagne vor den Medien. Um dieser Form von Gewalt ein Ende zubereiten, müsse das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern in der Gesellschaft bekämpft werden. An den Aktionstagen vom 25. November bis am 10. Dezember machen mehr als 150 Organisationen auf das Problem aufmerksam.

Sexualisierte Gewalt betrifft uns alle, sagte Kampagnenleiterin Anna-Béatrice Schmaltz. Mindestens jede zweite Frau in der Schweiz sei laut einer Studie davon betroffen. Trotzdem werde sexualisierte Gewalt zu wenig thematisiert.

Verbale Belästigung und andere Verhaltensweisen, die Frauen objektifizieren, bilden den Nährboden für grössere Übergriffe und werden doch meist als normal hingenommen, sagte Schmaltz. Darin liegt das Problem, das uns alle angeht.

Das Schweizer Sexualstrafrecht muss nach den Worten von Schmaltz dringend reformiert werden. Heute sei für den Straftatbestand einer Vergewaltigung nicht die fehlende Einwilligung der Person ausschlaggebend, sondern die angewandte Gewalt und wie stark sich das Opfer wehrte. Es sei höchste Zeit, dass das Konsensprinzip Nur Ja heisst Ja im Gesetz und in der Gesellschaft anerkannt werde.

2020 wurden laut den Organisatorinnen in der Schweiz 713 Vergewaltigungen und 683 Fälle sexueller Nötigung angezeigt. Die Dunkelziffer sei jedoch um ein Vielfaches höher. Nur 8 Prozent der Übergriffe würden angezeigt und in den wenigsten Fällen komme es zu einer Verurteilung.

Die Organisatorinnen der Kampagne, die von der feministischen Friedensorganisation cfd koordiniert wird, fordern weiter eine 24-Stunden-Beratungsstelle für Opfer von Gewalt. Das sei eine Forderung aus der Istanbul-Konvention gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt, die vom Parlament angenommen wurde und nun umgesetzt werden sollte, sagte Funiciello.

An den 16 Aktionstagen werden in der ganzen Schweiz mehr als 130 Veranstaltungen durchgeführt, von Podiumsdiskussionen, Lesungen, und Filmvorführungen bis zu Strassenaktionen. Die Lancierung findet am (morgigen) Donnerstag auf dem Bahnhofplatz in Bern statt.

www.16tage.ch

(sda)


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