Aleksander Kilde startet trotzt gebrochenem Handwurzelknochen


News Redaktion
Sport / 20.01.23 04:04

Aleksander Kilde erlebt im abschliessenden Training für die Weltcup-Abfahrten vom Freitag und Samstag in Kitzbühel einen Schreckmoment. Eine Handverletzung stellt sich als nicht gravierend heraus.

Da ist die Hand noch ganz: Aleksander Kilde schiesst in Kitzbühel aus dem Starthaus. (FOTO: KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA)
Da ist die Hand noch ganz: Aleksander Kilde schiesst in Kitzbühel aus dem Starthaus. (FOTO: KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA)

Dieser eine Moment genügte, um selbst diesen Fels von Mann ins Wanken zu bringen, diesen Kraftprotz von Skirennfahrer, der es wie kein Zweiter versteht, die Limiten nach eigenem Gutdünken zu verschieben. Diesen einen Moment gabs im letzten Abfahrtstraining auf der Streif, als Kilde zweimal mit der rechten Hand in den Schnee greifen musste, um das Gleichgewicht zu wahren und einen möglichen Sturz zu vermeiden.

Vor allem der erste Griff in den harten Untergrund war nicht schön anzusehen. Kilde knickte mit dem Handgelenk ein, die zweite Berührung brachte vorab weitere Schmerzen. Im Zielraum setzten Spekulationen über die Schwere der Verletzung ein. Die Befürchtungen nahmen zu, weil sich Kilde mit bandagierter Hand für Abklärungen und Untersuchungen unverzüglich Richtung Spital aufmachte.

Auf die Ungewissheit folgte nach vier Stunden die Erleichterung. Kilde kam verhältnismässig glimpflich davon. Er zog sich den Bruch eines Handwurzelknochens zu. Die verletzte Stelle wurde mit einem Tape-Verband stabilisiert. Kilde wird die Abfahrten am Freitag und am Samstag bestreiten können.

Hätte Kilde eine ernsthaftere Verletzung erlitten und deshalb eine Pause einlegen müssen, wäre ein Athlet in absoluter Topform betroffen gewesen, ein Fahrer, der sich nach eigener Einschätzung in so guter Verfassung befindet wie nie, dessen Leistungsausweis in der laufenden Saison mit sechs Siegen, vier in der Abfahrt, zwei im Super-G, aussergewöhnlich gut ist.

Die Zwischenbilanz erhält zusätzliche Aufwertung durch den Vergleich relevanter Zahlen aus vergangenen Wintern. In den Statistiken für die Sparte Abfahrt muss bis ins Jahr 2003 zurückgeblättert werden, um einen Athleten zu finden, der in einem Winter mehr als vier Rennen in der schnellsten Disziplin gewonnen hat.

Der Österreicher Stephan Eberharter hatte damals in sechs Weltcup-Abfahrten gesiegt. Seither hat es lediglich vier Vierfach-Gewinner gegeben - Eberharter selber in der folgenden Saison, Kildes Landsleute Kjetil Jansrud vor acht und Aksel Svindal vor sieben Jahren sowie den Italiener Dominik Paris vor vier Jahren. Kilde hat in diesem Jahr in der Abfahrt noch fünf Möglichkeiten, um seine beeindruckende Quote noch imposanter zu gestalten.

Kildes Leistungen in dieser und auch in der vergangenen Saison gewinnen an zusätzlichem Wert in Erinnerung daran, dass der Nordländer vor noch nicht allzu langer Zeit bei einem Zwischenfall weniger Glück als nun in Kitzbühel hatte. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren erlitt er im Training auf der Reiteralm in der Steiermark einen Kreuzbandriss im rechten Knie. Die Saison war für Kilde selbstredend vorzeitig zu Ende, die Weltmeisterschaften in Cortina d'Ampezzo fanden ohne ihn statt.

"Es gibt keinen guten Zeitpunkt für eine Verletzung. Aber wenn du siehst, dass du dich in der Form deines Lebens befindest, ist es besonders bitter", sagte Kilde nach dem verhängnisvollen Sturz. Zu jener Zeit hatte er nicht nur im Speed-Bereich nach einer weniger erfolgreichen Phase, bedingt unter anderem durch einen zwischenzeitlichen Markenwechsel, wieder zu den Besten gehört. Er näherte sich auch im Riesenslalom den Spitzenkräften an.

Er werde noch stärker zurückkommen, versprach Kilde damals - und hielt Wort. Bereits im dritten Rennen nach seiner Wiederkehr siegte er im letzten Winter wieder, Ende Saison hatte er sieben erste Plätze vorzuweisen. Wie ihm dies gelungen war? "Ich wünschte, ich hätte eine Antwort darauf", sagte er kürzlich - um dann doch die Monate der Rekonvaleszenz zu schildern.

"Ich nahm Schritt für Schritt. Nach der Verletzung war alles neu für mich. Es war deshalb auch eine neue Art von Motivation, leistungsmässig dorthin zu gelangen, wo ich zuvor noch nie war." Kilde half auch, dass er in der Knieverletzung nicht nur das Schlechte sah. "Zu sehen, dass der Körper nur noch daran arbeitet, eine Stelle gesund zu bekommen, war eine schmerzhafte, aber sehr interessante Erfahrung."

Den Glauben an das Gute trägt Kilde seit jeher in sich. Er wird ihm auch jetzt helfen und seine Zuversicht stärken, dass ihm mit dem Knochenbruch an der rechten Hand kein allzu grosser Nachteil entstanden ist. Seine Überzeugung, auch unter den besonderen Umständen um den Sieg mitfahren zu können, lässt er sich nicht nehmen. So schnell gerät Kilde nicht mehr ins Wanken.

(sda)


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