Alle gegen YB, zuerst Luzern


Roman Spirig
Sport / 05.10.18 16:13

Für das zweite Viertel der Super League müssen sich neun Teams gegenseitig den Auftrag geben, YB Punkte abzuknöpfen. Gelingt dies nicht, wird es im Frühling nur noch um die weiteren Plätze gehen. Den Beginn des Feldzugs gegen YB macht am Samstag der FC Luzern in Bern.

Alle gegen YB, zuerst Luzern  (Foto: KEYSTONE / PETER SCHNEIDER)
Alle gegen YB, zuerst Luzern (Foto: KEYSTONE / PETER SCHNEIDER)

  • Aus dem Radio Central Liveprogramm: Central Reporter war diese Woche im Training beim FC Luzern. Hören Sie im Beitrag wie René Weiler über die aktuelle Lage beim FC Luzern denkt und wie sein Team auf YB losgehen will.

Der Tessiner Golfprofi Paolo Quirici sagte nach seiner recht erfolgreichen Karriere, er habe oftmals auf den Runden Mitspieler mit klangvollen Namen bewundert. Diese Haltung habe ihn eine ganze Reihe guter Resultate gekostet.

Bewunderung ist eine Spielart der Unterwürfigkeit. Im Sport führt sie zum Misserfolg und in die Niederlage. Auch im Mannschaftssport.

Die Young Boys haben am Dienstag in der Champions League in Turin ein Beispiel abgeliefert. Vor dem Match träumte ein Spieler öffentlich vom Leibchentausch mit Cristiano Ronaldo. Ein anderer sprach vom absoluten Höhepunkt seiner Karriere. Wieder ein anderer sagte, er wolle das Spiel auskosten, geniessen. Die unverhohlene Vorfreude der in diesem Wettbewerb nicht erprobten YB-Spieler war einerseits verständlich. Andererseits mündete sie in eine matte Darbietung und in eine Niederlage (0:3), die noch höher hätte ausfallen können.

In der Schweizer Meisterschaft haben die Young Boys längst die Rolle von Juventus übernommen. Die Rolle, die im heimischen Fussball jahrelang der FC Basel innegehabt hatte. Ob Trainer oder Spieler oder Vorstände - die Klubs von Sitten bis St. Gallen schwärmen in diesen Wochen vom unwiderstehlichen Fussball, den die Schweizer Meister zelebrieren. Sie sprechen davon, dass in ihrer Mannschaft alles stimmen und alles zusammenpassen müsse, wenn sie die Berner schlagen oder gegen sie zumindest nicht verlieren wollen. Nicht selten ist das Ergebnis eine dürftige Leistung und eine klare Niederlage.

Für die Young Boys selbst ist diese Haltung der Gegner kommod. Wegen anstehender Aufgaben im Europacup verzichtete Trainer Gerardo Seoane in den Meisterschaftsspielen gegen Neuchâtel Xamax, St. Gallen und Thun darauf, mit der stärksten Formation zu beginnen. Er gönnte verschiedenen Leistungsträgern zumindest bis weit in die zweite Halbzeit hinein eine Pause. Trotzdem gewann YB diese Partien - mit insgesamt 11:3 Toren.

Nachdem nun alle einmal gegen YB gespielt haben, ist die Bilanz der Gegner beschämend. Die Young Boys waren in den neun Partien ungefähr 850 Minuten auf dem Platz. In Rückstand waren sie in der ganzen Zeit nur einmal, und dies auch nur für fünf Minuten. Das einzige Führungstor gegen YB gelang jedoch nicht Zürich oder Basel; diese verloren im Stade de Suisse 0:4 respektive 1:7. Es gelang vielmehr dem Aufsteiger Neuchâtel Xamax. Verteidiger Mustafa Sejmenovic erzielte in der 11. Minute das 1:0, Roger Assalé glich in der 16. Minute aus. Auch Tore zum zeitweiligen Ausgleich gelangen den Gegnern höchst selten. Sie glückten nur Luzern (zum 1:1, Schlussresultat 2:3), Xamax (zum 2:2, Schlussresultat 2:5) und Thun (zum 1:1, Schlussresultat 1:4). Nach den Ausgleichstoren dauerte es durchschnittlich zehn Minuten, bis YB erneut und definitiv in Führung ging. Ein derart einseitiges Geschehen war nicht einmal im Herbst 2003 auszumachen, als Basel in 18 Spielen 52 Punkte sammelte.

Ob sich die Young Boys schon am Samstag bremsen lassen, ist fraglich. Denn sie spielen daheim gegen den FC Luzern, den sie zuletzt sechsmal in Folge besiegen konnten und der seinerseits dreimal am Stück verloren hat. Die letzte Leistung der Luzerner beim 1:3 gegen Sion war dürftig. Die letzten Ergebnisse und die insgesamt sechs Niederlagen in den neun Runden scheinen auf die Gemütsverfassung von Trainer René Weiler abgefärbt zu haben. Er kritisierte gegenüber Medien die Spieler und bemängelte die generelle Qualität des Kaders. In den meisten Fällen richtet der Trainer die Kritik nur nach innen.

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(sda)


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