Als die Schweizer Unihockey-Frauen in Singapur ihr Glück fanden


News Redaktion
Sport / 05.06.20 04:33

Vor 15 Jahren gewann das Unihockey-Nationalteam der Frauen in Singapur den bis heute einzigen Schweizer WM-Titel. Es war ein spezielles Turnier in vielerlei Hinsicht. Mirca Anderegg blickt zurück.

Mit Blumenkranz und Nationalflagge: Mirca Anderegg (Mitte links) und die Schweizerinnen feiern den WM-Titel (FOTO: KEYSTONE/EPA/HOW HWEE YOUNG)
Mit Blumenkranz und Nationalflagge: Mirca Anderegg (Mitte links) und die Schweizerinnen feiern den WM-Titel (FOTO: KEYSTONE/EPA/HOW HWEE YOUNG)

Mirca Anderegg muss kurz innehalten, um die Bilder aus einer hinteren Ecke des Gehirns hervorzukramen. Lange sei es her, meint die heute 38-jährige Exil-Bündnerin, die 2005 Teil der Schweizer Weltmeister-Equipe war und mit 126 Skorerpunkten aus 106 Länderspielen zu den Unihockey-Grössen des Landes zählt. 15 Jahre mögen eine lange Zeit sein, zumal in der jungen Sportart Unihockey, die sich um die Jahrtausendwende so rasend entwickelte. Einiges jedoch ist unvergessen - welcher Sportler vergisst schon den Gewinn eines WM-Titels? Und welche Nationalspielerin jener Zeit vergisst schon die Bilder einer Unihockey-WM in den exotischen Gefilden Singapurs, den Moment des Triumphs, die Titelfeier mit den asiatischen Blumenketten, das Dinner unter Palmen auf der Schweizer Botschaft?

Ja, die WM 2005 war in vielerlei Hinsicht speziell und gewöhnungsbedürftig. Vieles war anders als an den früheren Weltmeisterschaften, die in klassischen Unihockey-Gefilden von Nord- über Osteuropa bis zur Schweiz stattgefunden hatten: die fremde Kultur, die lange Reise, die spezielle Atmosphäre und vor allem das Klima. Während einige den Kopf schüttelten über die WM bei einem Unihockey-Exot, nutzten die Schweizerinnen die Gegebenheiten zu ihrem Vorteil. Trotz des Ungewohnten gab es im Schweizer Lager keine negativen Überraschungen. Ich behaupte, wir waren am besten vorbereitet, sagt Mirca Anderegg, deren Erfahrungsschatz fünf Weltmeisterschaften und sieben Schweizer Meistertitel mit Dietlikon (4) und Piranha Chur (3) beinhaltet.

Tatsächlich liess Nationaltrainer Felix Coray in der Planung zwei Jahre nach dem bitteren 1:8 im WM-Final in Bern gegen Schweden kein Detail ausser Acht. Bereits eine Woche vor Turnierstart waren die Schweizerinnen angereist. Das half nicht nur bei der Akklimatisierung an die Temperaturen über der 30-Grad-Marke und die hohe Luftfeuchtigkeit, sondern erwies sich auch als Schlüssel für die Teambildung. Die gemeinsame Zeit schweisste uns extrem zusammen. Wir unternahmen viel gemeinsam und wurden zu einer richtigen Einheit. Alles harmonierte, von der Mannschaft mit all den unterschiedlichen Charakteren bis zum Staff, schildert Anderegg.

Es passte dann auch im Turnier im Schweizer Team. Die Leistungsträgerinnen um Captain Simone Berner erfüllten die Erwartungen, andere wuchsen über sich hinaus. Insbesondere die Linie mit Petra Kundert, Andrea Benz und Tanya Ertürk präsentierte sich von Beginn weg in Hochform. Diese Spielerinnen haben das ganze Team mitgezogen, meint Anderegg, die sich nach langer Verletzungspause in einer ungewohnten Nebenrolle wiederfand, diese aber akzeptierte.

Die Basis zum Titelsturm legten die Schweizerinnen im ersten Spiel gegen Finnland mit zwei späten Toren zum 7:6, dank dem sie erst im Final auf Favorit Schweden treffen konnten. Danach lief es fast wie von selbst. Gegen Tschechien (5:0), Lettland (4:0) und Norwegen (5:1) kassierte die Schweiz auf dem Weg ins Endspiel gerademal noch ein Tor. Im Final wartete dann überraschend nicht Schweden, sondern Finnland, das sich im Halbfinal 3:2 durchsetzte. Dort setzten sich die Schweizerinnen ein zweites Mal mit einem Tor Differenz durch (4:3), bezeichnenderweise dank Treffern von Kundert (2), Benz und Ertürk.

Ich kann mich noch erinnern, wie wir mit dem Pokal, der Schweizer Fahne und den Blumenketten um den Hals zur Ehrenrunde ansetzten und wir in dem Moment richtig realisierten, dass wir Weltmeisterinnen sind, erzählt Anderegg. Wer damals davon ausging, dass der Titel der Dosenöffner für weitere grosse Schweizer Unihockey-Erfolge war, sah sich getäuscht. Während die Schwedinnen wieder einen Zacken zulegten und sämtliche Titel nach 2005 holten, setzte es für die Schweizerinnen wieder 2. und 3. Plätze ab. Mit der vielleicht bis heute nominell stärksten Schweizer Equipe resultierte 2011 in St. Gallen der enttäuschende 4. Platz.

(sda)


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