Altes Zuger Kantonsspital: Kantonsrat für Baurechtsvertrag


Roman Spirig
Regional / 27.10.22 15:54

Der Zuger Kantonsrat hat sich am Donnerstag in erster Lesung für den Baurechtsvertrag für das Grundstück des ehemaligen Kantonsspitals Zug ausgesprochen. Von links bis rechts war Erleichterung hörbar, dass es an dieser prominenten Lage mit Blick auf den See endlich vorwärts gehen soll.

Süd-?See Zug heisst das Siegerkonzept, das aus dem Ideen-? und Investorenwettbewerb für das ehemalige Kantonsspitalareal in Zug hervorging. (FOTO: Kanton Zug)
Süd-?See Zug heisst das Siegerkonzept, das aus dem Ideen-? und Investorenwettbewerb für das ehemalige Kantonsspitalareal in Zug hervorging. (FOTO: Kanton Zug)

Mehr als 14 Jahre sind verstrichen, seit das letzte Spitalbett von der Artherstrasse in Zug in den Neubau an die Landhausstrasse in Baar gezügelt wurde. 2008 scheiterte der erste Anlauf, das Areal zu überbauen an der Urne. Seit 2016 besteht ein rechtsgültiger Bebauungsplan. Das Grundstück wird nicht verkauft, sondern gestützt auf die Immobilienstrategie des Kantons Zug im Baurecht abgegeben.

Das Team, das sich beim Ideen- und Investorenwettbewerb durchsetzte, nennt sich "Süd-See Zug" und besteht aus der Credit Suisse Asset Management (Schweiz) AG und der HRS Real Estate AG. Es übernimmt, nach der Genehmigung des Baurechtsvertrags durch den Kantonsrat, die Verantwortung für die Durchführung des Architekturwettbewerbs. Läuft alles nach Plan, wäre ein Baustart ab 2027 möglich.

Die Baurechtsnehmerin wird dem Kanton einen Baurechtszins von mindestens 83'000 Franken pro Jahr bezahlen. Diesem Zins liegen ein Basislandwert von 29,7 Millionen Franken sowie ein Verzinsungssatz von 2,8 Prozent zugrunde.

Das Areal ist in verschiedene Bereiche gegliedert, die gemeinsam entwickelt werden sollen. Ein Baubereich soll der Kanton weiterhin für Eigennutzungen beanspruchen. Ein "publikumsattraktiver Nutzungsmix" soll das das Herzstück des Areals bilden, Wohnungen sind auch vorgesehen.

Die FDP-Fraktion sage überzeugt Ja zum Baurechtsvertrag, wie Sprecherin Cornelia Stocker sagte. Es sei Zeit, dass das "Sammelsurium" auf diesem Areal an bester Lage endlich ein Ende nehme. "20 Jahre lang mussten wir dieses Geschachtel an prominentester Lage dulden", sagte Stocker. Diese Leidensgeschichte müsse eine Ende nehme. "Hoffen wir, dass es zügig vorwärts geht."

Auch die Mitte-Fraktion sprach sich für den Baurechtsvertrag aus, Sprecher Patrick Röösli würdigte die Wahl des Investors nach den Qualitätskriterien vor dem Preiskriterium.

Andreas Hürlimann (ALG) sagte, die 50 Prozent Wohnungen im preisgünstigen Segment anstelle der ursprünglich angedachten "Luxuswohnungen" seien eine klare Verbesserung für diesen Standort. Die ALG hätte sich aber erhofft, dass auch dem Thema "Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft" mehr Beachtung geschenkt und von Anfang an Vorgaben für nachhaltige Bauweisen mit Holz festgeschrieben worden wären.

Auch wenn der Baurechtszins von aussen "relativ tief" erscheine, sei er marktkonform, sagte Alois Gössi (SP). Seine Fraktion stimme dem Baurechtsvertrag ebenfalls zu.

Philip C. Brunner (SVP) bezeichnete die Geschichte dieses Grundstückes als "Tragödie". In diesem Sinne stimme er diesem Baurechtsvertrag zu. "Damit endlich etwas geht." Dieses Projekt sei für die Entwicklung von Zug-Süd von grosser Bedeutung.

Sein Fraktionskollege Karl Nussbaumer sagte, die Fraktion sei gespannt auf den Entwicklungsplan und ob ein neuer Kantonsratssaal auf diesem Areal eingeplant werde.

Denn: Einen Platz für einen neuen Kantonsratssaal auf diesem Areal hatten verschiedene Kantonsrätinnen und Kantonsräte vor einem Jahr im Postulat für eine "grosszügige, neue multifunktionale Infrastruktur für den Zuger Kantonsrat mit publikumsattraktiver, öffentlicher Nutzung mit Ausstrahlungskraft" gefordert.

Daraufhin klärte die Baudirektion ab, ob dieses Anliegen noch in die bereits ausgearbeiteten Konzept-Vorschläge einfliessen könne. Das Konzept-Team "Süd-See Zug" aber schliesse eine eigentumsmässige Abtretung des Kantonsratssaals und der Nebenräume aus, heisst es in der Vorlage. Aus diesem Grund verbleibe noch die Möglichkeit der Miete.

Und darüber will die Regierung im Rahmen der Beurteilung der Machbarkeitsstudie über die Optimierungs- und Erweiterungsmöglichkeiten des heutigen Regierungsgebäudes, welche kurz vor der Finalisierung steht, beraten, wie sie in der Vorlage schreibt.

(sda)


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