Asylsuchende auf Lesbos müssen in Übergangslagern überwintern


News Redaktion
International / 27.11.21 05:05

Asylsuchende auf den griechischen Insel Lesbos und Chios können nicht wie geplant bis zum Winter in neue Flüchtlingslager ziehen.

ARCHIV - Geflüchtete Menschen stehen im Flüchtlingslager Kara Tepe in der Nähe von Mytilini auf Lesbos vor Zelten. Foto: Panagiotis Balaskas/AP/dpa (FOTO: Keystone/AP/Panagiotis Balaskas)
ARCHIV - Geflüchtete Menschen stehen im Flüchtlingslager Kara Tepe in der Nähe von Mytilini auf Lesbos vor Zelten. Foto: Panagiotis Balaskas/AP/dpa (FOTO: Keystone/AP/Panagiotis Balaskas)

Rund 2550 Menschen werden dort weiterhin in Zelten und Containern wohnen. Der Bau der Unterkünfte hat noch nicht einmal begonnen, wie aus einer Antwort der EU-Kommission auf Fragen der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht.

Immerhin: An diesem Samstag sollen die neuen Auffanglager auf Kos und Leros eröffnet werden. Das Zentrum auf der Insel Samos nahm bereits im September den Betrieb auf.

Schwierig ist die Lage im nahenden Winter vor allem auf Lesbos, wo weiterhin rund 2200 Migranten im Übergangs-Camp Kara Tepe (auch: Mavrovouni) leben. Das Lager war vor gut einem Jahr in Windeseile errichtet worden, nachdem ein Grossbrand das berüchtigte Auffanglager Moria fast vollständig zerstört hatte. Zwar kündigte der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis im Frühjahr an, dass bis zum Winter ein neues Lager fertiggestellt würde, aber dieses Lager existiert - genau wie auf Chios - weiterhin nur auf dem Papier.

Die Ausschreibungsverfahren für die Einrichtungen auf Lesbos und Chios laufen noch, heisst es aus der EU-Kommission. Derzeit gebe es noch einen Rechtsstreit, den die Gemeinde Chios auf der gleichnamigen Insel angestrengt habe. Auch auf Lesbos sind Klagen anhängig. Bevor die Bauarbeiten beginnen, muss der höchste griechische Verwaltungsgerichtshof entscheiden.

Die EU-Kommission betonte, dass sie in Zusammenarbeit mit den Behörden sicherstellen werde, dass alle Bedürfnisse der Menschen im Übergangslager erfüllt würden. Mitarakis habe zugesichert, dass niemand den Winter in Zelten verbringen müsse. Der Austausch aller Zelte durch Container und Wohneinheiten läuft und wird voraussichtlich in Kürze abgeschlossen.

Hilfsorganisationen bemängeln immer wieder, das Übergangslager auf Lesbos sei noch schlimmer als Moria. Athen bestreitet das und verweist darauf, dass letztes Jahr in Moria 20 000 Menschen unter schlechten Umständen ihr Dasein gefristet hätten, während das jetzige Lager mit einer Kapazität von 8000 Plätzen nur noch 2200 Menschen beherberge. Hintergrund dafür ist, dass die Regierung viele Kinder, Schwangere und Kranke aufs Festland geholt hat.

(sda)


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