Auf Kantersieg folgt Ladehemmung - Niederlage gegen England


Roman Spirig
Sport / 11.09.18 23:23

Das Schweizer Nationalteam bleibt in England sieglos. In einem weitgehend unspektakulären Test in Leicester unterlag die SFV-Auswahl dem nahezu neu formierten WM-Halbfinalisten 0:1. Der Erkenntnisgewinn hält sich in engen Grenzen.

Auf Kantersieg folgt Ladehemmung - Niederlage gegen England  (Foto: KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS)
Auf Kantersieg folgt Ladehemmung - Niederlage gegen England (Foto: KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS)

Sie müssten auf einem hohen Niveau bleiben, hatte Vladimir Petkovic nach dem rauschenden Auftakt zur Nations League gefordert. Zu 100 Prozent erfüllten die Protagonisten die Vorgaben ihres Taktgebers nicht. Sie erlaubten sich eine defensive Unebenheit zu viel und kamen offensiv gegen den prominenten Kontrahenten zu wenig auf Touren.

Eine tiefgründige Bewertung der Leistung ist hingegen kaum möglich. Nach einer torlosen ersten Hälfte flachte der Rhythmus beidseits ab, die Coaches ordneten innerhalb von 35 Minuten zwölf Wechsel sowie diverse Systemumstellungen an - ein Spielfluss war nicht mehr erkennbar, der Unterhaltungswert sank gegen null, die Aussagekraft solcher Vergleiche ist nur um eine Nuance grösser.

Für seine persönliche Bilanz als Coach Englands interessiere er sich nicht, behauptete Gareth Southgate im medialen Vorspiel. Die Entwicklung sei prioritär - und entsprechend seiner Ankündigungen stellte der Hoffnungsträger an der Linie auch auf: Von der Stammformation der WM-Halbfinalisten gehörte gegen die Schweiz einzig Leicester-Verteidiger Harry Maguire zur Startelf.

Die zweite Garde löste im geschichtsträchtigen Stadion der lokalen Tigers vor über 30'000 Zuschauern keine Wellen der Begeisterung aus. Obschon auf Rasen Spieler standen, die im überhitzten Markt der Premier League gegen 350 Millionen Pfund wert sind, fiel den Engländern in den ersten 45 Minuten erstaunlich wenig ein. Keeper Yann Sommer hatte kaum einen gefährlichen Angriff zu entschärfen.

Eine erhebliche Unachtsamkeit des Aussenseiters genügte dann allerdings, nach drei Fehltritten in Serie die längste Negativserie der englischen Verbandsgeschichte abzuwenden: Unmittelbar nach der Pause verschaffte Marcus Rashford England mit der ersten seriösen Chance einen entscheidenden Vorteil.

Derweil sich der imposante WM-Hype der Three Lions in diesen ersten Herbsttagen bereits etwas zu verflüchtigen drohte und die Kommentatoren wieder vermehrt die englischen Defizite in den Mittelpunkt rücken, hat die SFV-Auswahl nach einem unruhigen Sommer auch in Leicester angedeutet, wieder zur gewohnten Stabilität zurückfinden zu können.

Dem bezaubernden Abend gegen die Isländer (6:0) folgte auf dem Terrain eines Kontrahenten der erweiterten europäischen Spitzenklasse zunächst ein wohltuend strukturierter und gelassener Auftritt. Nach kurzzeitigen Anpassungsschwierigkeiten prägte nicht etwa die Nummer 4 der letzten Endrunde die Partie, sondern vorübergehend die ebenfalls auf diversen Positionen umformierten Schweizer.

Vladimir Petkovic rotierte auf verschiedenen Ebenen. Captain Stephan Lichtsteiner kehrte zurück, Johan Djourou durfte sich noch einmal auf grosser Bühne präsentieren, Remo Freuler assistierte Xhaka im linken Mittelfeld, und Mario Gavranovic erhielt eine weitere Chance, sich als erster Back-up für Stürmer Haris Seferovic zu empfehlen.

Mit personellen Rotationen begnügte sich der Schweizer Selektionär nicht, Petkovic setzte erstmals von Beginn weg auf ein 3-5-1-1-System. Das Experiment funktionierte relativ lange gut, erst bei einer Standardsituation in der 54. reagierten die Gäste ein erstes Mal konfus - Manchester Uniteds Talent Marcus Rashford schob unbedrängt zum 1:0 ein.

Enttäuscht hat die SFV-Auswahl nicht, Eindruck hingegen hinterliess sie im offensiven Abschnitt indes auch nicht. Ausser Xherdan Shaqiri beschäftigte die Engländer kaum einer nachhaltig. Der Liverpooler entfachte als Spielmacher Bewegung und näherte sich seinem 23. Tor im rotweissen Dress mehrfach. Mehr als er hatte im Ensemble Petkovics keiner zu bieten: einen Pfostenschuss und einen in letzter Sekunde abgeblockten Schussversuch.

Die Stimmen zum Spiel: 


(Foto: KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS)
(Foto: KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS)

Vladimir Petkovic: "Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Leider haben wir einige Chancen, die wir gut vorbereitet haben, nicht genutzt. Ich hatte das neue System schon seit einer Weile im Kopf. Ich bin zufrieden. Wir haben jetzt noch eine Möglichkeit mehr."


(Foto: KEYSTONE / AP / Rui Vieira)
(Foto: KEYSTONE / AP / Rui Vieira)

Yann Sommer: "Es ist schade. Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, mit einem neuen System. Wir hätten unsere Chancen in der ersten Halbzeit nutzen sollen. Das Gegentor ist unglücklich. Wir hatten das neue System gut im Griff, wir hatten viel Bewegung im Spiel. Wir gehen mit einem guten Gefühl aus den letzten Tagen. Schade, dass wir uns heute nicht belohnt haben für eine sehr gute Halbzeit."

Für mehr News - hier klicken

(sda / Central Redaktion)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Ambri-Piotta - Zug 1:2
Sport

Ambri-Piotta - Zug 1:2

Ambri-Piotta - Zug 1:2 (0:0, 1:1, 0:1)

Neuverhandlung des Maassen-Deals - Brief von SPD-Chefin Nahles
International

Neuverhandlung des Maassen-Deals - Brief von SPD-Chefin Nahles

Der Fall des umstrittenen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maassen wird nach einem Vorstoss von SPD-Chefin Andrea Nahles in der Koalition neu aufgerollt. Dabei drückt Kanzlerin Angela Merkel aufs Tempo.

Drei Jugendliche brennen Feuerwerk in Werkhof in Arth SZ ab
Regional

Drei Jugendliche brennen Feuerwerk in Werkhof in Arth SZ ab

Drei Jugendliche haben Anfang Juli im alten Werkhof im Zwygarten in Arth SZ ihr Unwesen getrieben. Sie brannten Feuerwerk ab und beschädigten verschiedene Gegenstände.

Heissluftballon vom Wind nach Schindellegi verweht
Regional

Heissluftballon vom Wind nach Schindellegi verweht

Die Sicherheitslandung eines Heissluftballons mit 13 Personen im Korb hat am Freitag in Schindellegi SZ in einer Baumgruppe geendet. Verletzt wurde niemand, Ziel der Fahrt wäre eigentlich Einsiedeln gewesen.