Aufbruchstimmung mit Paris 2024 als erstem hochgesteckten Ziel


News Redaktion
Sport / 16.01.23 09:23

Die Premiere des Dressur-Weltcups am CHI Basel zeigte aus Schweizer Sicht primär eines: Die Breite für ein olympiataugliches Team fehlt (noch).

Hohe Ambitionen: Dressurreiterin Estelle Wettstein auf West Side Story (FOTO: KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA)
Hohe Ambitionen: Dressurreiterin Estelle Wettstein auf West Side Story (FOTO: KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA)

Mit den Plätzen 10 und 11 unter 15 Paaren boten Gilles Ngovan mit Zigzag und Estelle Wettstein im Sattel von Quaterboy am Sonntag in der Kür für ihr Potenzial solide Leistungen. Aber eben: Im internationalen Vergleich reicht dies nur für die hinteren Regionen.

"Wir haben noch viel Entwicklungspotenzial", lautete der Kommentar von Ruth Haas, der Equipenchefin der Schweizer Dressur-Elite zum Auftritt ihres Teams in der St. Jakobshalle am Rheinknie. Das brachliegende Potenzial liess sich allein schon an der Nomination ablesen. Die Quote von fünf Schweizer Startplätzen konnte nicht ausgeschöpft werden. Und weil auch noch ein Pferd verletzt ausfiel, ritt letztlich nur ein Trio ins Viereck ein.

Ruth Haas hält allerdings am Ziel einer Olympia-Qualifikation für Paris 2024 fest. "Die Chance ist da, auch wenn die Leistungen von Basel keinen Quotenplatz einbringen würden. Da muss noch einiges gehen." Die letzten drei Tickets für die Olympischen Spiele werden im September an den Europameisterschaften im deutschen Riesenbeck vergeben. Primär Belgien, Finnland, Portugal, Belgien und die Schweiz gelten als erste Anwärter. "Wir haben noch Pferde, die jetzt verletzt sind. Und die Saisonplanung ist klar auf die EM ausgerichtet. Unmöglich ist es nicht", betonte die Equipenchefin.

Die Voraussetzungen für einen Coup scheinen auf den ersten Blick nicht schlecht zu sein. Ausser Carla Aeberhard, die als Apothekerin morgens um 6 Uhr trainiert und dann das Geschäft führt, kann die restliche Crew mit Ngovan, Estelle Wettstein, Delia Eggenberger, Charlotte Lenherr oder den Nachwuchskräften Andrina Suter und Charlotta Rogerson den Dressursport nahezu professionell betreiben. Und dies in einem Land, in dem es an Geld für den Reitsport nicht fehlen sollte.

Doch in den vergangenen zwei Jahrzehnten prägte das Einzelkämpfertum das Schweizer Dressurwesen, es gab viel Knatsch und keine Einheit im Dressursport. Nicht alle zogen am selben Strick. Diesbezüglich scheint nun ein neues Klima Einzug zu halten, wie mehrere Akteure bestätigen. Aber Aufbauarbeit im Dressurreiten braucht Zeit. Im Schnitt acht Jahre dauert die Ausbildung, bis ein Vierbeiner auf höchstem Level mithalten kann. Und das Geld der Sponsoren fliesst auch nur, wenn ein Plan ersichtlich ist, die Ziele definiert werden und sich erste Fortschritte einstellen.

25 Medaillen wurden bis heute von Schweizer Pferdesportlerinnen und -Sportlern an den Olympischen Spielen gewonnen. Davon stammen deren 15 aus der Dressur (8 Springreiten, 2 Concours Complet). Um wieder an die erfolgreichen Zeiten anzuknüpfen, wurde im Rahmen des CHI Basel verkündet, dass die Suisse Youth Jumping Academy, ein 2019 lanciertes Förderprogramm für junge Schweizer Springtalente, ab 2024 auch für die Nachwuchshoffnungen der Disziplinen Dressur und Concours Complet offensteht.

Unter dem neuen Dach werden die Talente, die in den Genuss des Förderprogramms kommen, von Fachleuten nach strengen Kriterien ausgewählt. Sie absolvieren ein festgelegtes Programm, das aus mehreren Modulen in verschiedenen Bereichen besteht, von Reitunterricht über Sport- und Mentalcoaching bis hin zu Kommunikation und Marketing. Die Academy soll es der neuen Generation ermöglichen, sich nicht nur als Reiterinnen und Reiter, sondern auch als Athletinnen und Athleten im Leistungssport weiterzuentwickeln.

(sda)


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