Aus Frust Feuer bei Gemeindehaus gelegt: 3,5 Jahre für Brandstifter


News Redaktion
Regional / 08.06.21 23:59

Weil er mit dem Sozialamt verkracht sowie frustriert war, hat ein 44-jähriger Schweizer in Wolhusen LU unter anderem beim Gemeindehaus Feuer gelegt. Er ist deswegen vom Kriminalgericht Luzern zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt worden.

Das Kriminalgericht Luzern spricht einen Mann für Brandstiftung in elf Fällen schuldig. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Das Kriminalgericht Luzern spricht einen Mann für Brandstiftung in elf Fällen schuldig. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Zu der unbedingten Freiheitsstrafe verhängte das Gericht eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 30 Franken (5400 Franken). Ferner muss der Beschuldigte eine Busse von 200 Franken zahlen. Das Urteil, das am Dienstag veröffentlicht wurde, ist noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht sprach den damaligen Cannabiskonsumenten wie vom Staatsanwalt beantragt der Brandstiftung, der versuchten Brandstiftung, der Sachbeschädigung und Drogendelikten schuldig. Der Staatsanwalt hatte ebenfalls eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren und eine Busse, aber keine Geldstrafe beantragt. Der Verteidiger plädierte für 16 Monate bedingt.

Die Staatsanwaltschaft legte dem Beschuldigten vom Oktober 2018 bis Februar 2019 total zwölf Brandstiftungen und versuchte Brandstiftungen in Wolhusen zur Last. Vier Vorwürfe gab der Beschuldigte zu. Bis auf einen Fall, stufte das Gericht jedoch auch die nicht eingestandenen Taten als erwiesen ein.

Das Gericht begründete seine Überzeugung an der Schuld des Mannes in elf Fällen mit einem ähnlichen Tatmuster und mit der geografischen Nähe der Vorfälle. Zudem habe es zuvor und danach in Wolhusen während längerer Zeit keine ungeklärten Brandfälle gegeben.

Der Beschuldigte handelte offenbar aus Frust, teilweise auch aus fremdenfeindlichen Motiven, wie aus dem Urteil hervorgeht. Er bezog bereits seit Jahren Sozialhilfe und war mit dem Sozialamt zerstritten. Ihm wurde sogar die Sozialhilfe gekürzt.

Im Oktober 2018 brannte es innerhalb weniger Tage zwei Mal in der Nähe des Gemeindehauses und schliesslich bei diesem selbst. Der Beschuldigte hatte, wie er selbst zugab, beim Hintereingang Benzin ausgeschüttet und angezündet. Die Flammen griffen ins Innere über. Der Sachschaden belief sich auf 30000 Franken.

Einige Monate später, im Februar 2019, zerstach der Beschuldigte gemäss Gericht ferner mehrmals die Reifen von Autos, die vor dem Hause der Sozialvorsteherin parkiert waren. Insgesamt wurde er für rund ein Dutzend Pneustechereien schuldig gesprochen.

Zudem soll der Beschuldigte im Februar 2019 im Haus seiner Nachbarn Feuer gelegt haben. Nur weil der Zeitungsverträger am frühen Morgen den Brand entdeckte, kam es nicht zu einem Vollbrand.

Für das Gericht ist dies das gravierendste Delikt. Der Beschuldigte habe aus purem Frust gehandelt, sein Tun sei nicht ansatzweise nachvollziehbar, heisst es dazu im Urteil. Seine Nachbarn würden für seine damalige Lebenssituation keine Verantwortung tragen.

Weitere Brandstiftungen beging der Beschuldigte gemäss Kriminalgericht auf der Burg. Zudem soll er einmal bei einer Tankstelle den Schlauch angeschnitten haben, um das auslaufende Benzin anzuzünden. Das Feuer erlosch aber selbstständig.

Ein krankhafter Brandstifter ist der Beschuldigte nicht. Das Gericht verzichtete deswegen auf die Anordnung einer Massnahme. Positiv bewertete es, dass der Beschuldigte seither nicht mehr delinquierte, einen Entzug machte und wieder einer Arbeit nachgehe.

(sda)


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