Bayern München trennt sich von Trainer Kovac


Roman Spirig
Sport / 03.11.19 22:02

Bayern München hat sich einen Tag nach der 1:5-Niederlage bei der Eintracht Frankfurt von seinem Coach Niko Kovac getrennt. Bis auf weiteres betreut Co-Trainer Hans Flick die Mannschaft.

Bayern München trennt sich von Trainer Kovac (Foto: KEYSTONE / EPA / PHILIPP GUELLAND)
Bayern München trennt sich von Trainer Kovac (Foto: KEYSTONE / EPA / PHILIPP GUELLAND)

Am Samstag hatten die Münchner Entscheidungsträger, Uli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge, das Frankfurter Stadion nach der höchsten Bundesliga-Niederlage seit über zehn Jahren noch genauso wortlos wie Sportdirektor Hasan Salihamidzic verlassen. Am nächsten Tag liess sich Rummenigge in einer Mitteilung wie folgt zitieren: "Die Leistungen unserer Mannschaft in den vergangenen Wochen und auch die Resultate haben uns gezeigt, dass Handlungsbedarf bestand." Die Folge war die Trennung vom Trainer, der schon fast seit Beginn seiner Amtszeit in der Kritik stand.

Kovac hatte den Trainerposten bei den Bayern im Sommer 2018 übernommen. Der frühere Bayern-Spieler kam als Cupsieger von Eintracht Frankfurt nach München. Schon nach wenigen Wochen geriet er erstmals unter Druck und im Herbst musste er bereits um seinen Job bangen. Zu defensiv denke der frühere kroatische Nationaltrainer, so der wiederkehrende Vorwurf.

Nicht zuletzt dank der Unterstützung des in zwei Wochen aus dem Amt scheidenden Bayern-Präsidenten Uli Hoeness durfte Kovac bleiben. In der Rückrunde machten die Münchner den Rückstand auf Borussia Dortmund wett und holten sich den siebten Meistertitel in Serie. Im Cupfinal wurde mit dem 3:0 gegen RB Leipzig das Double perfekt gemacht. Als Makel blieb nur das Aus im Achtelfinal der Champions League gegen den FC Liverpool (0:0, 1:3).

Trotz der nationalen Erfolge hatte Kovac auch in seinem zweiten Jahr als Trainer der Bayern nie Ruhe. Nach dem Glanzpunkt der letzten Monate, dem 7:2 in der Champions League gegen Tottenham, ging es bergab. Es folgten eine Niederlage gegen Hoffenheim, ein Remis in Augsburg sowie glanzlose Erfolge über Olympiakos Piräus, Union Berlin und den VfL Bochum. Bis schliesslich das Debakel in Frankfurt das Ende von Kovacs Amtszeit bedeutete.

Der 48-Jährige erhielt in München nicht viel Rückendeckung. Auch weil einige seiner Aussagen bei seinen Spielern und den Fans schlecht ankamen. Zur Situation von Thomas Müller sagte er etwa: "Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen." Und einmal erklärte er die Fans von Eintracht Frankfurt zu den besten der Liga.

Wann der Nachfolger von Kovac bekannt gegeben wird, ist noch offen. Am Mittwoch steht Bayern München in der Champions League gegen Olympiakos Piräus im Einsatz. Am kommenden Wochenende folgt das Bundesliga-Spitzenspiel gegen Dortmund. Der erst im Sommer gekommene Hans Flick steht nun bis auf weiteres in der Pflicht.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Kein Petkovic-Nachfolger: Favre will nicht Nati-Trainer sein
Sport

Kein Petkovic-Nachfolger: Favre will nicht Nati-Trainer sein

In regelmässigen Abständen wird Lucien Favre als möglicher Trainer der Schweizer Nationalmannschaft ins Spiel gebracht. Gegenüber der "Tribune de Genève" wählte der Dortmunder Coach nun klare Worte: "Nationalcoach zu sein, hat mich nie interessiert!"

Mourinho übernimmt bei Tottenham
Sport

Mourinho übernimmt bei Tottenham

Tottenham hat nur zwölf Stunden nach der Entlassung von Mauricio Pochettino mit José Mourinho einen namhaften Nachfolger gefunden.

Kirchensteuern in Glarus für gesellschaftliche Tätigkeiten
Regional

Kirchensteuern in Glarus für gesellschaftliche Tätigkeiten

Im Kanton Glarus sollen die Kirchensteuern der juristischen Personen nicht mehr für kultische Zwecke verwendet werden, sondern für Tätigkeiten im Dienste der Gesellschaft. Das schlägt die Regierung in einer Revision des kantonalen Steuerrechts vor.

Zürcher Obergericht vertagt Entscheid zu Galeristensohn
Regional

Zürcher Obergericht vertagt Entscheid zu Galeristensohn

Der 34-Jährige, der Ende Dezember 2014 im Drogenrausch einen guten Freund getötet hat, soll nach dem Willen des Staatsanwalts mit 16 Jahren Freiheitsentzug bestraft werden. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch aufgrund vollständiger Schuldunfähigkeit.