Bleibt Juan Carlos doch weiter in Abu Dhabi? Ermittlungen verlängert


News Redaktion
International / 03.12.21 19:51

Der von Korruptionsvorwürfen bedrängte Altkönig Juan Carlos muss wohl zum zweiten Mal in Folge das Weihnachtsfest fern seiner spanischen Heimat verbringen.

ARCHIV - Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien, kommt in die Diplomatische Akademie Chiles. Foto: Francisco Flores Seguel/Agencia Uno/dpa (FOTO: Keystone/Agencia Uno/Francisco Flores Seguel)
ARCHIV - Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien, kommt in die Diplomatische Akademie Chiles. Foto: Francisco Flores Seguel/Agencia Uno/dpa (FOTO: Keystone/Agencia Uno/Francisco Flores Seguel)

Die Ermittlungen gegen den 83 Jahre alten Vater von König Felipe VI. (53) würden entgegen der Erwartungen doch nicht bald eingestellt werden, berichteten spanische Medien unter Berufung auf Justizkreise. Generalstaatsanwältin Dolores Delgado habe ein Dekret zur Verlängerung der Ermittlungen um sechs Monate unterzeichnet, hiess es. Die Behörden bestätigten diese Berichte am Freitag auf Anfrage. Die Ermittlungsfrist wäre sonst am 17. Dezember abgelaufen. Es wird dennoch weiterhin erwartet, dass keine Anklage erhoben wird.

Juan Carlos lebt bereits seit fast eineinhalb Jahren fern von Frau Sofía (83) und dem Rest der Familie im Emirat Abu Dhabi im Exil. Er hatte am 3. August 2020 seine Heimat heimlich verlassen, um - wie es in einem später veröffentlichten Brief hiess - die Arbeit Felipes vor dem Hintergrund der Vorwürfe zu erleichtern. In Abu Dhabi wurde er laut Medien bisher nur von seinen Töchtern Elena (57) und Cristina (56) besucht. Aussagen und Fotos des Mannes, der zwischen 1975 und 2014 Staatsoberhaupt Spaniens war, gibt es kaum. Zur Lage von Juan Carlos gibt auch das Königshaus keine Stellungnahmen ab.

Spanische Medien hatten in den vergangenen Wochen immer wieder berichtet, Juan Carlos vermisse Spanien und seine Familie immer mehr und sei aber zuversichtlich, dass er Weihnachten in Madrid werde verbringen können. Eines steht nun fest, vorerst kann er nicht zurückkehren, kommentierte am Freitag die Königshausexpertin der Zeitung La Vanguardia, Mariángel Alcázar. Es heisst, König Felipe widersetze sich einer Rückkehr vor Ende der Ermittlungen.

Die spanische Behörden leiteten gegen Juan Carlos insgesamt drei Ermittlungen ein. Es geht unter anderem um den Verdacht der Geldwäsche und des Steuerbetrugs, um mutmassliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke in Saudi-Arabien, um angeblich nicht deklarierte Spendeneinnahmen und auch um geheime Bankkonten im Ausland. Zur Abwendung eines Strafverfahrens wegen Steuerbetrugs zahlte Juan Carlos Ende 2020 zunächst gut 678 000 Euro, im Februar dieses Jahres weitere knapp 4,4 Millionen an Steuerschulden nach, wie sein Anwalt bestätigte.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Zuger Bauernhaus Schochenmühle wird nach Brand abgerissen
Regional

Zuger Bauernhaus Schochenmühle wird nach Brand abgerissen

Das historische Bauernhaus Schochenmühle in der Stadt Zug wird abgerissen. Ein Wiederaufbau des Hauses aus dem Jahre 1799, das 2018 brannte, werde nicht bewilligt und ein alternativer Standort sei nicht sinnvoll, hält die Stadt fest.

René Walther (FDP) will Arboner Stadtpräsident werden
Schweiz

René Walther (FDP) will Arboner Stadtpräsident werden

Der Gemeindepräsident von Münsterlingen, René Walther (FDP), will Stadtpräsident in Arbon werden. Er sei bereit, in Arbon als Nachfolger für Dominik Diezi (Mitte) zu kandidieren, teilte die FDP mit. Diezi hat gute Chancen, am 13. Februar in die Thurgauer Regierung gewählt zu werden.

St. Galler Stadtrat beteiligt sich an neuem Einsatzleitsystem
Schweiz

St. Galler Stadtrat beteiligt sich an neuem Einsatzleitsystem

Die Einsatzleitsysteme von Stadt und Kanton St. Gallen sind bald technisch veraltet. Geplant ist eine grössere Aktion mit der Beschaffung eines Ersatzes samt Umzug in ein Provisorium. Der St. Galler Stadtrat beteiligt sich mit 2,2 Millionen Franken an den Kosten.

IATA-Direktor übt Kritik an den hohen Preisen für PCR-Tests
International

IATA-Direktor übt Kritik an den hohen Preisen für PCR-Tests

Die hohen Preise für PCR-Tests, die an Flughäfen erhoben werden, sind laut dem Direktor des Weltluftfahrtverbandes IATA, Willie Walsh, ein grosses Problem für die Branche. Sie hielten viele davon ab, zu fliegen, sagte Walsh in einem Interview mit der CH-Media.