Bolivien: Morales-Kandidat gewinnt Wahl laut offizieller Auszählung


News Redaktion
International / 24.10.20 02:19

Der linke Kandidat Luis Arce hat die Präsidentenwahl in Bolivien auch laut der offiziellen Stimmauszählung gewonnen. Das teilte das Oberste Wahlgericht des Andenstaats am Freitag (Ortszeit) mit.

ARCHIV - Luis Arce, ehemaliger Wirtschaftsminister von Bolivien, spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: Florencia Martin/dpa (FOTO: Keystone/dpa/Florencia Martin)
ARCHIV - Luis Arce, ehemaliger Wirtschaftsminister von Bolivien, spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: Florencia Martin/dpa (FOTO: Keystone/dpa/Florencia Martin)

Der damalige Wirtschaftsminister des 2019 zurückgetretenen Staatschefs Evo Morales vereinte der Wahlbehörde zufolge nach Auszählung aller Stimmen 55,1 Prozent der Stimmen auf sich, gefolgt von dem liberalen Kandidaten und Ex-Präsidenten Carlos Mesa mit 28,8 Prozent. Gegen seine Wahl kam es zu vereinzelten Protesten.

Für einen Sieg in der ersten Runde sind mehr als 50 Prozent der Stimmen oder mindestens 40 Prozent sowie zehn Prozentpunkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten nötig. Zwei Nachwahlbefragungen waren bereits zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Arce erreichte ein besseres Ergebnis als Morales 2005; damals gewann der frühere Koka-Bauer und Gewerkschafter seine erste Wahl und wurde erster indigener Präsident Boliviens. Unsere grosse Herausforderung besteht jetzt darin, das Land wieder aufzubauen, die Stabilität und Hoffnung für alle Bolivianer wiederherzustellen, twitterte der neue Präsident. Mesa gratulierte auf Twitter und wünschte Arce und Vizepräsident David Choquehuanca Erfolg. Gegner der linken MAS-Partei hatten das vorläufige Ergebnis in Frage gestellt und in verschiedenen Städten demonstriert, wie die staatliche Nachrichtenagentur ABI und die Tageszeitung La Razón berichteten.

Bei den Unruhen nach der Präsidentenwahl im Oktober 2019 waren laut Amnesty International 35 Menschen ums Leben gekommen. Morales musste damals auf Druck des Militärs zurücktreten. Ihm wurde Wahlbetrug vorgeworfen, auch wenn manche Studien inzwischen zu anderen Ergebnissen kommen. Morales setzte sich ins Ausland ab - eine Interimsregierung übernahm. Seine Anhänger und Verbündeten in der Region sprechen von einem Putsch. Bolivien war seitdem nicht mehr zur Ruhe gekommen.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Schauspieler und Autor Peter Radtke gestorben
International

Schauspieler und Autor Peter Radtke gestorben

Der deutsche Schauspieler und Autor Peter Radtke ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Das teilte die Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien (abm), deren Mitbegründer Radtke war, am Montag in München mit. Zuvor hatte der Bayerische Rundfunk darüber berichtet.

Thurgau schafft trotz
Schweiz

Thurgau schafft trotz "Corona-Defizit" über 40 neue Stellen

Der Thurgauer Grosse Rat hat am Mittwoch das Budget 2021 mit einem Defizit von 27 Millionen Franken gutgeheissen. Wegen der Coronakrise wird ein Einbruch der Steuereinnahmen erwartet. Trotzdem schafft der Kanton über neue 40 Stellen.

Schweizer Bischöfe in Sorge wegen der Nicht-Wahl in Chur
Schweiz

Schweizer Bischöfe in Sorge wegen der Nicht-Wahl in Chur

Die Schweizer Bischöfe machen sich Sorgen wegen der aktuellen Situation im Bistum Chur. Sie bedauern, dass es vergangene Woche nicht zur Wahl eines neuen Bischofs gekommen ist.

CS nominiert Lloyds-Chef António Horta-Osório als Präsidenten
Wirtschaft

CS nominiert Lloyds-Chef António Horta-Osório als Präsidenten

Bei der Grossbank Credit Suisse steht nun fest, wer in die Fusstapfen von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner treten soll. Den Aktionären wird an der kommenden Generalversammlung Ende April Lloyds-Chef António Horta-Osório für das Amt vorgeschlagen.