Bürgerlicher Appell an Bundesrat für offene Skigebiete


News Redaktion
Schweiz / 02.12.20 17:05

Eine überparteiliche bürgerliche Allianz warnt den Bundesrat davor, Skigebiete und Bergregionen während der Festtage mit einschneidenden Massnahmen zu belasten. Im Nationalrat soll am Donnerstag eine entsprechende Erklärung verabschiedet werden.

Die Skigebiete in der Schweiz sollen auch im
Die Skigebiete in der Schweiz sollen auch im "Corona-Winter" ohne grössere Massnahmen geöffnet bleiben. Das fordert eine bürgerliche Allianz vom Bundesrat. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

Parlamentarierinnen und Parlamentarier von SVP, FDP und CVP haben am Mittwochnachmittag an einem kurzfristig organisierten Medienanlass den Bundesrat in die Pflicht genommen. Die Vertreterinnen und Vertreter aller wichtigen Tourismusorganisationen und -regionen warnten den Bundesrat, hinsichtlich neuer Corona-Massnahmen in Berggebieten vorsichtig zu sein. Die Regierung solle die Führung den betroffenen Kantonen überlassen.

Stein des Anstosses ist ein Verordnungsentwurf des Bundesrats, den dieser vor einigen Tagen bei den Kantonen und anderen Kreisen in die Anhörung geschickt hat. Die Tamedia-Zeitungen berichteten am Montag darüber. Demnach sollen die Skigebiete in der Schweiz zwar grundsätzlich offen bleiben. Um einen Grossandrang zu vermeiden, sollen aber Massnahmen wie Kapazitätseinschränkungen oder eine frühe Sperrstunde für Gastronomiebetriebe gelten.

Hintergrund ist die epidemiologische Lage in der Schweiz, die nach wie vor angespannt ist. Zudem haben verschiedene Länder im umliegenden Ausland harte Massnahmen für Skigebiete beschlossen. Vielerorts dürfen Anlagen über die Festtage nicht in Betrieb gehen.

So weit dürfe es in der Schweiz nicht kommen, sagte der Berner SVP-Nationalrat Albert Rösti. Es darf nicht sein, dass geltende Schutzkonzepte jetzt durch Kapazitätseinschränkungen übersteuert werden. Er wolle zwar keine Laissez-faire-Politik, aber auch keine unnötigen und unfairen Massnahmen für Berggebiete.

Die Berggebiete seien angewiesen auf den Wintertourismus, gab die bürgerliche Allianz zu bedenken. Sie hätten sich zudem intensiv auf die spezielle Situation vorbereitet, sagte der Bündner FDP-Ständerat Martin Schmid. Zudem gebe es schlicht keine Evidenz, dass in diesem Bereich Ansteckungen vorgekommen sind. Die Schweiz dürfe nicht in vorauseilendem Gehorsam und auf Druck der umliegenden Länder eine einschränkende und zentralistische Verordnung verabschieden.

Vertrauen wir auf die Bergbahnen und die Gastronomie, dass sie die Schutzkonzepte umsetzen, plädierte Nationalrat Philipp Matthias Bregy (CVP/VS). Die Wintersaison müsse stattfinden, sonst habe das grosse wirtschaftliche Konsequenzen, ergänzte sein Oberwalliser Ratskollege Franz Ruppen (SVP).

Laut dem Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter hat die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK-N) am Mittwochmittag entschieden, eine Erklärung zuhanden des Nationalrats zu verabschieden. Diese Erklärung fordert den Bundesrat dringlichst auf, auf weitere Massnahmen in den Wintersportregionen zu verzichten und die Gleichbehandlung der Branchen in allen Regionen sicherzustellen.

Die Erklärung soll schon am (morgigen) Donnerstag im Nationalrat behandelt werden. Der Bundesrat entscheidet voraussichtlich am Freitag über ein Festtagspaket, das die Corona-Massnahmen zum Jahreswechsel definieren soll.

Auch die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats (SGK-N) richtete am Mittwochabend einen Appell an den Bundesrat. So solle dieser auf die Beschränkung der Gästezahlen in Skigebieten verzichten.

Die Kapazitätsbeschränkung in geschlossenen Bergbahnen soll nicht auf zwei Drittel, sondern auf 80 Prozent der Gesamtkapazität festgelegt werden. Grundsätzlich sollen alle Skigebiete ihren Betrieb bis zum Entscheid der zuständigen kantonalen Behörde aufnehmen beziehungsweise weiterführen dürfen.

Die SGK-N empfiehlt der Regierung weiter, auf die Vorgabe, wonach die Personen einer Gästegruppe in Restaurants, Bar- und Clubbetrieben bis 23. Dezember 2020 aus höchstens zwei verschiedenen Haushalten stammen dürfen, zu verzichten. Auch im privaten Rahmen sollen sich mehr als zwei Haushalte treffen dürfen. Schliesslich sollen Präsenzveranstaltungen in Bildungseinrichtungen erlaubt sein.

Laut der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) unterstützt eine Mehrheit der Kantone die Vorschläge des Bundesrats im Grundsatz, wobei auch zahlreiche differenzierte Positionen und Minderheitsanträge eingegangen sind.

(sda)


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