Bundesliga sucht den Weg aus der Corona-Krise


News Redaktion
Sport / 16.03.20 07:28

Notfallplan, Solidarfonds, EM-Verschiebung. Die Bundesliga-Klubs beraten bei der Mitgliederversammlung in Frankfurt über notwendige Massnahmen in der Coronavirus-Krise.

Leer: Wegen des Coronavirus steht das Milliardengeschäft Fussball auch in Deutschland still (FOTO: KEYSTONE/EPA/FRIEDEMANN VOGEL)
Leer: Wegen des Coronavirus steht das Milliardengeschäft Fussball auch in Deutschland still (FOTO: KEYSTONE/EPA/FRIEDEMANN VOGEL)

Der Profi-Fussball steht unter enormem Druck. Die Coronavirus-Pandemie bedroht mittlerweile das milliardenschwere Geschäftsmodell. Bei einer Krisensitzung in einem Frankfurter Flughafenhotel wollen die 36 Klubs aus Bundesliga und 2. Liga am Montag (11.30 Uhr) gemeinsam beraten, wie sie mit der prekären Situation umgehen.

- Wann kann wieder gespielt werden?

Das ist die grosse Frage und im Moment kann sie niemand seriös beantworten. Die bislang avisierte Saisonunterbrechung bis zum 2. April mit der Streichung nur eines weiteren Spieltages vor der Länderspielpause reicht ziemlich sicher nicht aus. In Berlin sind die Stadien von Hertha BSC und Union schon bis zum 19. April gesperrt. Womöglich erkennen die Klubs die Lage und verlängern von sich aus die Zwangspause, um dann ohne ständigen aktuellen Druck nach Lösungen für die Restsaison suchen zu können. Die Realität überholt uns in diesen Tagen regelmässig und innerhalb von Minuten, sagte Bayer Leverkusens Vereinschef Fernando Carro. Grosses Ziel ist es, Zeit zu gewinnen, weshalb auch über internationale Themen wie die EM und die Champions League gesprochen werden wird.

- Was passiert, wenn in der Bundesliga gar nicht mehr gespielt werden kann?

Das ist das schlimmste Szenario für die Bundesliga, sportlich, aber vor allem auch ökonomisch. Rund 85 Millionen Euro gehen den Klubs pro ausgefallenen Spieltag an Einnahmen aus TV-, Sponsoren, und Eintrittsgeldern verloren. Das macht bei neun Spieltagen rund eine dreiviertel Milliarde Euro. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und BVB-Chef Hans-Joachim Watzke warnten schon vor möglichen Insolvenzen mittlerer und kleinerer Klubs. Ein Solidarfonds wird dennoch skeptisch bewertet, kleinere Klubs dürften aber sicher das Thema zur Sprache bringen.

Um sportliche Lösungen im Falle einer Komplett-Absage wird es auch am Montag schon gehen. Hier gibt es wohl zwei Optionen:

Die Saison wird für beendet erklärt, aber es gibt sportliche Entscheidungen nach dem aktuellen Stand der Tabelle. Der FC Bayern wäre wieder Meister, Werder und Paderborn würden absteigen, Bielefeld und Stuttgart aufsteigen. Dagegen gibt es aber schon Widerstand aus Paderborn. Ein solches Szenario sei undenkbar. Tatsächlich ist dies unwahrscheinlich, da nicht einmal alle Klubs gleich viele Spiele bestritten haben und der DFL eine Klagewelle drohen könnte.

Wahrscheinlicher wäre daher:

Die Saison wird für beendet erklärt, es gibt keinen Meister, keine Auf- und Absteiger. In die Europacup-Wettbewerbe werden die gleichen Klubs wie im Vorjahr entsandt. Grosser Gewinner wären Werder Bremen und der SC Paderborn, grosser Verlierer der FC Bayern, der nicht Meister würde und vor allem die potenziellen Bundesliga-Aufsteiger aus Bielefeld, Stuttgart und Hamburg, die weiter zweitklassig blieben.

- Was passiert mit EM und Europacup?

Hier sind sich alle Klubs einig. Die EM kann nicht vom 12. Juni bis 12. Juli stattfinden. Bei einer Verschiebung hätte die Bundesliga möglicherweise bis zum 30. Juni Zeit, die Saison zu beenden. Ein entsprechender Auftrag wird an die deutschen Teilnehmer der UEFA-Videokonferenz am Dienstag, DFB-Vize Rainer Koch und BVB-Chef Watzke, gehen. Möglicherweise gibt es unterschiedliche Ansichten über einen neuen EM-Termin. Der Sommer 2021 klingt logisch. Die grossen Klubs könnten aber auch für den Dezember sein, damit sie sich weiter Hoffnung auf eine Teilnahme an der lukrativen Premiere der FIFA-Klub-WM im kommenden Jahr machen können.

(sda)

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