Grosses Minergie-Eco-Schulgebäude "zu optimistisch kalkuliert"


News Redaktion
Schweiz / 26.05.20 10:46

Der Kanton Bern hat ein grosses, komplett aus Holz bestehendes Minergie-P-Eco-Gebäude für die Berner Fachhochschule von Anfang an zu optimistisch kalkuliert. Unter anderem deshalb liefen die Kosten für das Projekt in Biel aus dem Ruder.

Auf dem Gelände des geplanten Campus der Fachhochschule in Biel dürfte noch einige Zeit ein Loch klaffen. Das Projekt ist in Verzug geraten. (FOTO: KEYSTONE/ADRIAN REUSSER)
Auf dem Gelände des geplanten Campus der Fachhochschule in Biel dürfte noch einige Zeit ein Loch klaffen. Das Projekt ist in Verzug geraten. (FOTO: KEYSTONE/ADRIAN REUSSER)

Der bernische Grosse Rat hatte 2017 einen Baukredit von 233,5 Millionen Franken bewilligt. Im vergangenen September brach der Kanton die Ausschreibung für den Totalunternehmer-Auftrag ab. Das billigste Angebot überschritt diesen Kredit um 19 Prozent. Danach liess der Kanton Bern die Gründe dafür extern untersuchen.

Nun liegen die Ergebnisse vor. Am Dienstag wurden sie von der Basler Firma und den Berner Behörden in Bern vor den Medien präsentiert.

Weitere Gründe für die Kostenüberschreitungen sind hohe Ansprüche ans Gebäude, kostentreibende Projektänderungen, enge Termine und rechtliche Unsicherheiten. Beispielsweise wehrt sich der Eigentümer einer Parzelle, welche für das Fachochschulgebäude benötigt wird, gegen seine Enteignung. Sein Haus steht immer noch auf dem Areal.

Auch fehlt immer noch die Baubewilligung, weil die Überbauungsordnung noch nicht rechtskräftig ist. Bereits 2018 hatte der Kanton Bern den ersten Spatenstich fürs Grossprojekt gefeiert. Damals wurde mit dem Aushub der Baugrube begonnen. Nun klafft mehrere Jahre lang eine grosse Baugrube südöstlich des Bahnhofs Biel.

Wie die Berner Kantonsregierung am Dienstag bekanntgab, lässt sie nun das Projekt bis Mitte 2021 weiter durchleuchten. Wünschbares soll von Notwendigem getrennt werden. Beispielsweise wird untersucht, ob tragende Elemente nicht durch Beton ersetzt werden könnten.

Vermutlich wird die Kantonsregierung dem bernischen Grossen Rat einen Zusatzkredit vorlegen müssen. Berns Baudirektor Christoph Neuhaus wollte zu dessen Höhe vor den Medien keine Schätzung abgeben. Auf seiner Internetseite gibt der Kanton Bern heute die Kosten mit 259 Millionen Franken an.

Der Kanton Bern geht davon aus, dass bis Mitte 2021 die Enteignung über die Bühne gebracht ist und die Baubewilligung vorliegt. 2022 soll der Bau beginnen, 2025 der Campus Biel der Berner Fachhochschule (BFH) eingeweiht werden. Ursprünglich sollte er 2022 bereit stehen, dann hiess es, es werde 2023.

Der Bau des BFH-Campus Biel gehört zur Standortkonzentration der Berner Fachhochshule. Sie ist heute auf über 20 Gebäude in drei Städten aufgeteilt. In Biel sollen die zwei Departemente Technik und Informatik sowie Architektur, Holz und Bau konzentriert werden. Teile davon befinden sich heute in Burgdorf.

Die Verzögerung in Biel wirkt sich nun auch auf ein Projekt des Kantons Bern in Burgdorf aus. 2016 hatte sich die Berner Politik nach einem zähen regionalpolitischen Ringen darauf geeinigt, die BFH auf Bern und Biel zu beschränken und die technische Fachschule Bern nach Burgdorf zu verlegen. Burgdorf sollte auch etwas bekommen.

In Burgdorf soll ein Bildungscampus bestehend aus der genannten Schule und dem erweitertem Gymnasium entstehen. Vorher muss aber die BFH ausziehen. Der Kanton Bern prüft nun, ob und wie sich die nötige Erweiterung des Gymnasiums Burgdorf terminlich vom restlichen Bildungscampus-Projekt abkoppeln lässt.

(sda)


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