Clariant baut nach Gewinnrückgang 500 bis 600 Arbeitsplätze ab


News Redaktion
Schweiz / 13.02.20 07:42

Der Spezialchemiekonzern Clariant weist nach einem turbulenten Jahr einen drastischen Gewinnrückgang aus. Und weil der kurzfristige Ausblick eingetrübt bleibt, baut das Unternehmen in den kommenden zwei Jahren 500 bis 600 Stellen ab.

Clariant-Konzernchef Hariolf Kottmann greift nach dem Gewinnrückgang im vergangenen Jahr durch: Weltweit sollen bis Ende 2021 500 bis 600 Stellen abgebaut werden. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/WALTER BIERI)
Clariant-Konzernchef Hariolf Kottmann greift nach dem Gewinnrückgang im vergangenen Jahr durch: Weltweit sollen bis Ende 2021 500 bis 600 Stellen abgebaut werden. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/WALTER BIERI)

Wie Clariant am Donnerstag mitteilte, stagnierte der Umsatz bei 4,40 Milliarden Franken und der Reingewinn brach um 90 Prozent auf 38 Millionen ein. Es war vor allem einem eine Rückstellung über 231 Millionen Franken, welche die Rechnung belastet hat. Den Betrag hatte Clariant im Sommer für eine wettbewerbsrechtliche Untersuchung der EU-Kommission verbucht.

Doch auch diese Rechnung, und die Kosten für den Firmenumbau ebenfalls ausgeklammert, blieb die Profitabilität verhalten. Der Betriebsgewinn EBITDA vor Einmaleffekten stieg um eine Millionen auf 740 Millionen Franken und die operative Marge lag mit 16,8 Prozent auch auf Vorjahresniveau. Der operative Cashflow sank um 4 Prozent auf 509 Millionen Franken.

Die Zahlen beziehen sich auf die von Clariant als fortgeführte Geschäfte definierten Bereiche. Als Kerngeschäfte gelten seit Sommer nur noch die Care Chemicals (etwa Substanzen für die Kosmetikindustrie), Katalysatoren und Natural Resources (Produkte für den Erdölsektor und den Bergbau).

Der Rest wird verkauft. Zuletzt hatte Clariant kurz vor Weihnachten das Geschäft mit Farbgranulaten (Masterbatches) losgeschlagen - für 1,56 Milliarden Dollar. Wie versprochen sollen daher die Aktionäre eine ausserordentliche Bar-Dividende von 3 Franken je Anteil erhalten. Die ordentliche Dividende bleibt bei 55 Rappen.

Stellenabbau geplant

2019 sind wir einen wesentlichen Schritt in unserer Strategie vorangekommen, uns auf unsere Geschäfte mit Spezialitäten zu fokussieren, lässt sich der interimistische Konzernchef Hariolf Kottmann in seinem Statement zitieren. Und die geplante Veräusserung des Bereichs Pigmente werde noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

Mit dem dann fokussierten Portfolio werde Clariant ein überdurchschnittliches Wachstum, eine höhere Profitabilität und eine stärkere Cashflow-Generierung erzielen. Dies gelte jedoch noch nicht für 2020: Das Wachstum werde angesichts der schwachen Wirtschaftslage und der anhaltend ungünstigen Wechselkursbedingungen stärker eingeschränkt sein.

Clariant habe daher Effizienzmassnahmen definiert, um die Kostenbasis um 50 Millionen Franken zu senken und die Margen entsprechend zu verbessern. Diese würden in den nächsten zwei Jahren zum Abbau von etwa 500 bis 600 Arbeitsplätzen führen. Ende 2019 beschäftigte Clariant rund 17200 Mitarbeitende.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

FDP scheitert in Hamburg doch an Fünf-Prozent-Hürde
International

FDP scheitert in Hamburg doch an Fünf-Prozent-Hürde

Die FDP ist bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg doch an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Die Freien Demokraten hätten bei der Wahl am Sonntag 4,9 Prozent der Stimmen bekommen, teilte das Statistik-Amt am Montagabend mit.

Frankreichs Ex-Premier Fillon wegen Scheinbeschäftigung vor Gericht
International

Frankreichs Ex-Premier Fillon wegen Scheinbeschäftigung vor Gericht

Unter grossem Medienecho hat in Frankreich der Prozess gegen den früheren Premierminister François Fillon begonnen. Der 65-Jährige muss sich seit Montag in Paris wegen des Vorwurfs der Scheinbeschäftigung und der Unterschlagung öffentlicher Gelder verantworten.

Rapperswil-Jona Lakers verlängern mit Tomlinson
Sport

Rapperswil-Jona Lakers verlängern mit Tomlinson

Die Rapperswil-Jona Lakers haben den Ende Saison auslaufenden Vertrag mit ihrem Trainer Jeff Tomlinson um ein Jahr verlängert. Der Deutsch-Kanadier betreut den NLA-Letzten seit der Saison 2015/2016. 2018 stieg er mit den Lakers in die höchste Liga auf.

Borkenkäferbefall erreicht zweithöchsten je registrierten Wert
Schweiz

Borkenkäferbefall erreicht zweithöchsten je registrierten Wert

Der extreme Sommer 2018 wirkt nach: Die durch die Trockenheit geschwächten Fichten hatten dem Borkenkäfer wenig entgegen zu setzen. 2019 erreichte der Befall in der Schweiz mit 1,4 Millionen Kubikmetern Käferholz den zweithöchsten je registrierten Wert.