Corona als Störfaktor in Spaniens Trainingscamp


News Redaktion
Sport / 14.06.21 05:58

EM-Mitfavorit Spanien hat turbulente Tage hinter sich. Die positiven PCR-Tests von Captain Sergio Busquets und Diego Llorente sorgten für Unruhe.

Die spanische Mannschaft liess sich drei Tage vor Beginn der EM gegen Schweden gegen das Coronavirus impfen (FOTO: KEYSTONE/AP/Pablo Garcia)
Die spanische Mannschaft liess sich drei Tage vor Beginn der EM gegen Schweden gegen das Coronavirus impfen (FOTO: KEYSTONE/AP/Pablo Garcia)

Die Bilder ähnelten einer Generalstabsübung, als am Freitagmorgen eine militärische Sondereinheit dem spanischen Trainingscamp in Las Rozas vor den Toren Madrids einen Besuch abstattete. Ziel der Operation war die Impfung der Seleccion, die am Montag in Sevilla gegen Schweden in ihr EM-Abenteuer startet.

43 Dosen wurden laut dem englischen Guardian verabreicht, die bereits einmal Geimpften erhielten ihre zweite Dosis Pfizer, die restlichen Spieler und Staff-Mitglieder eine Dosis Janssen, bei dem nur eine Spritze nötig ist. In den Wochen vor dem Turnier hatte die spanische Regierung eine bevorzugte Impfung der Fussballer noch abgelehnt, was innerhalb des Verbandes für Ärger sorgte. Nun drängte die Zeit.

Die Impfung der Nationalmannschaft war der Höhepunkt einer turbulenten Woche, in der die Chancen auf ein erfolgreiches Abschneiden der Spanier an einem seidenen Faden hing. Ausgelöst wurde das Chaos durch den positiven Corona-Test bei Captain Sergio Busquets am Sonntag, der die Verantwortlichen zum Handeln zwang.

Trainer Luis Enrique bot am Montag weitere fünf Spieler auf, die sich parallel zum A-Team fit halten sollten. Diese Gruppe wurde in der Folge durch Keeper Kepa Arizabalaga ergänzt sowie elf Spieler aus der U21, die am Dienstag anstelle des A-Teams gegen Litauen antrat - und 4:0 siegte.

Der nächste Schock folgte nach der Partie, als auch Diego Llorente ein positives Ergebnis erhielt, das sich später allerdings als falsch erwies. In der Seleccion selbst war an einen regulären Trainingsbetrieb nicht mehr zu denken. Die Spieler wurden in zwei separate Blasen eingeteilt, diejenigen, welche dieselbe Position besetzen getrennt - für den Fall der Fälle.

Erinnerungen an 2018 wurden wach, als ein Trainerwechsel kurz vor dem Eröffnungsspiel gegen Portugal für massive Unruhe im Camp sorgte und die Chancen auf ein erfolgreiches Abschneiden stark kompromittierte. Real Madrid hatte drei Tage vor Beginn der WM in Russland bekanntgegeben, dass Nationaltrainer Julen Lopetegui nach dem Turnier zu den Königlichen wechseln wird. Der Verband reagierte betupft und ersetzte Lopetegui per sofort durch Sportdirektor Fernando Hierro. Die Eintracht war zerstört, die sportliche Quittung folgte bald: das Ausscheiden in den Achtelfinals, als Spanien im Penaltyschiessen am Gastgeber scheiterte.

Auch drei Jahre später wurde die Vorbereitung massiv gestört. Es waren keine idealen Bedingungen, sagte Luis Enrique. Aber dies ist keine Entschuldigung. Wir gehören noch immer zu den sechs, sieben Favoriten. Der Trainer ist sich Widrigkeiten gewohnt. Der Verzicht auf Sergio Ramos sorgte in den Medien ebenso für Unverständnis wie die Tatsache, dass kein Spieler von Real dem EM-Kader angehört. Beim 0:0 im Testspiel gegen Portugal in Madrid wurde Enrique ausgepfiffen.

Wie stark die jüngsten Ereignisse in Las Rozas die Leistungen der Mannschaft nachhaltig beeinflussen werden, bleibt abzuwarten. Die Partie gegen Schweden, das auch Corona-Fälle zu beklagen hatte, wird einen ersten Anhaltspunkt liefern. Auf den ersten Blick scheint Spanien mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Am Freitag kehrte Llorente in den Kreis seiner Kollegen zurück, am Samstag wurde das Trainingscamp des Ersatzteams aufgelöst. Und auch für Busquets ist die EM noch nicht vorbei. Der Captain zeigt keine Symptome und könnte im Lauf des Turniers doch noch zum Einsatz kommen.

(sda)


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