Corona-Update: 274 neue Fälle. Bundesrat lässt Grossveranstaltungen wieder zu


Roman Spirig
Schweiz / 12.08.20 19:03

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) heute 274 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus innerhalb eines Tages gemeldet worden. Am Dienstag waren es 187, am Montag 105, am Sonntag 152 und am Samstag 182 gewesen. 

Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie bisher laut den neuesten BAG-Zahlen 37'169 laborbestätigte Fälle. Gleichzeitig meldete das BAG am Mittwoch im Vergleich zum Vortag 12 neue Spitaleinweisungen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung stieg um 1 auf 1714.

In Isolation aufgrund der Kontaktrückverfolgung befanden sich 1331 infizierte Personen, wie das BAG weiter mitteilte. In Quarantäne waren 4446 Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren. Die Zahlen stammen aus 26 Kantonen und aus Liechtenstein. 18'244 weitere Menschen waren nach der Rückkehr aus einem Risikoland in Quarantäne.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19, beläuft sich bisher auf insgesamt 854'885. Bei 5,2 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus. (sda)


Bedingt grünes Licht für Grossanlässe ab Oktober

Die Schweizer Sportklubs und Organisatoren von Grossanlässen können teilweise aufatmen. Der Bundesrat erlaubt ab dem 1. Oktober wieder Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern - allerdings unter strengen Auflagen.

Der Beschluss des Bundesrats, die 1000er-Regel zu lockern, sorgt in der hiesigen Sportlandschaft für Erleichterung. "Ein wichtiger Entscheid für den Schweizer Sport", schrieb der Dachverband Swiss Olympic. Ein Freibrief für Veranstaltungen vor Tausenden Zuschauern ist das grüne Licht von höchster Stelle indes nicht. Voraussetzung für die Durchführung grösserer Anlässe ist das Einhalten strenger Schutzmassnahmen. Zudem gilt eine Bewilligungspflicht durch den jeweiligen Kanton. Beim Contact Tracing, das wie die Kontrolle bei den Kantonen liegt, drohen Engpässe.

Die neue Direktive bedeutet, dass die aktuelle Einschränkung auf 1000 Personen um einen Monat bis Ende September verlängert wird. Das ist darum eine gute Nachricht für den Sport, weil auch eine Ausweitung der 1000er-Regel bis März 2021 zur Debatte stand. Die Lage sei unter Kontrolle, bleibe aber angespannt, betonte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Gesundheitsminister Alain Berset sagte: "Nach sechs Monaten Pandemie müssen wir lernen, mit dem Virus zu leben." Ziel sei es, Grossanlässe wieder zu ermöglichen, ohne dass die Corona-Zahlen deswegen in die Höhe schnellen.

Die Veranstalter werden schweizweit einheitliche Anforderungen erfüllen müssen, deren Details bis am 2. September vom Bund ausgearbeitet sein sollen. Wo wie viele Zuschauer zugelassen werden, ist derzeit völlig offen. Der Bundesrat will die unterschiedlichen Voraussetzungen stärker berücksichtigen. "Nicht alle Grossveranstaltungen bergen dieselben Risiken", erklärte Berset. Beim Bewilligungsverfahren sind die jeweiligen Kantone angehalten, auch ihre epidemiologische Lage und die Kapazitäten für das Contact Tracing zu berücksichtigen.

Entlastung für Profiklubs mit einem Aber

Insbesondere für die Schweizer Profiklubs im Fussball und Eishockey verspricht die Lockerung ungeachtet der offenen Fragen eine wichtige finanzielle Entlastung in der angespannten Situation. Verschiedene Klub- und Verbandsvertreter hatten in den letzten Tagen darauf hingewiesen, dass eine Ausweitung der 1000er-Regel bis März 2021 viele Klubs vor existenzielle Probleme stellen würde. Denis Vaucher, der Direktor der National und Swiss League, zog für diesen Fall eine Absage der Eishockey-Meisterschaft in Erwägung. Nun befand er: "Wir sind zufrieden und glücklich, dass unsere Anliegen erhört und verstanden worden sind."

Doch Sorgen bleiben. Für Peter Zahner, den Geschäftsführer der ZSC Lions, sind die neuen Vorgaben derzeit noch zu wenig konkret. "Noch wissen wir nicht, wie viele Zuschauer ins Stadion dürfen. Um einigermassen kostendeckend zu sein, benötigen wir in unserem Fall eine Zwei-Drittel-Auslastung." Und auch Marc Lüthi, der CEO des SC Bern, zeigte sich nur ansatzweise zufrieden. "Ich sehe im Moment noch viel Ungewissheit. Dass es beim Tracing zu Engpässen kommen könnte und die Kantone unterschiedliche Handhabungen haben könnten, löst bei mir Bedenken aus. Mit der Verantwortlichkeit bei den Kantonen scheint mir die Rechtsunsicherheit grösser als vorher mit der 1000er-Regel."

Saisonstart im Eishockey wohl erst im Oktober

Die bevorstehende Lockerung dürfte bedeuten, dass der für Mitte September geplante Saisonstart im Eishockey am Freitag um zwei Wochen nach hinten verschoben wird. "Davon gehe ich aus", sagte Vaucher. Ob die neue Spielzeit der Super League wie vorgesehen am 12. September beginnt, also noch mit maximal 1000 Leuten in den Stadien, so wie sie Anfang August aufgehört hat, oder ob im gedrängten Kalender ebenfalls eine Verschiebung in den Oktober angestrebt wird, wird laut Liga-CEO Claudius Schäfer in den nächsten Tagen ausgelotet. Bis zum Monatsende stehen nach jetzigem Stand drei Runden im Programm.

Ungeachtet der unerfüllten Hoffnung auf eine Lockerung bereits im September bezeichnete Schäfer den Bundesrats-Beschluss vom Mittwoch als "sehr wichtigen Entscheid für den Schweizer Sport und den Schweizer Profifussball insbesondere". Der Rad-WM in Aigle und Martigny half das teilweise Entgegenkommen des Bundes derweil nicht. Die vom 20. bis 27. September geplanten Titelkämpfe wurden abgesagt.


Corona-Update: 274 neue Fälle. Bundesrat lässt Grossveranstaltungen wieder zu (Foto: KEYSTONE / LAURENT GILLIERON)
Corona-Update: 274 neue Fälle. Bundesrat lässt Grossveranstaltungen wieder zu (Foto: KEYSTONE / LAURENT GILLIERON)

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