Coronazahlen im Kanton St. Gallen: Eine Stabilisierung - aber noch keine Trendwende


Roman Spirig
Regional / 10.11.20 17:04

Mitglieder der St. Galler Regierung haben am Dienstag über die aktuelle Corona-Situation informiert. Eine Stabilisierung zeichnet sich ab, es ist aber noch zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen.

Coronazahlen im Kanton St. Gallen: Eine Stabilisierung - aber noch keine Trendwende (Foto: KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER)
Coronazahlen im Kanton St. Gallen: Eine Stabilisierung - aber noch keine Trendwende (Foto: KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER)

Die Lage sei weiterhin ernst, aber stabil auf hohem Niveau, sagte Gesundheitschef Bruno Damann (CVP) vor den Medien. Die Entwicklung bis zum Wochenende müsse noch abgewartet werden. Sollten die Zahlen erneut ansteigen, werde die St. Galler Regierung über weitere Massnahmen diskutieren müssen.

Seit Beginn der zweiten Welle seien im Kanton St. Gallen 95 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus registriert worden, gab Kantonsärztin Danuta Zemp bekannt. Das Durchschnittsalter liege bei 82 Jahren.

In den Spitälern bleibe die Situation angespannt. Dies wirke sich vor allem durch eine enorme Beanspruchung des hochqualifizierten Personals aus. Wie im Frühjahr geplant, würden nun 20 bis 25 Prozent der nicht dringenden Eingriff zurückgefahren. Dies sei momentan in allen Ostschweizer Spitälern der Fall.

Beim Contact Tracing könne garantiert werden, dass die Information der Betroffenen innerhalb von 24 Stunden erfolge. In einer ersten Phase würden die neuen Schnelltests vor allem in den Spitälern eingesetzt. Nun folgten die Hausarztpraxen. Die Apotheken seien noch in der Vorbereitungsphase.

Die zweite Welle der Corona-Pandemie hat auch die St. Galler Betagten- und Pflegeheime erfasst. Aktuell sind zwölf Heime betroffen. Es gibt 174 bestätigte Fälle unter den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie 140 beim Personal. Seit Oktober sind 22 Heimbewohner gestorben.

Während der ersten Welle im Frühling waren 15 Bewohnerinnen und Bewohner am Coronavirus gestorben, verglich Regierungsrätin Laura Bucher (SP). Leider würden sich nicht alle Besucherinnen und Besucher an die Abstandsregel und an die Maskenpflicht halten, zeigte sich die Regierungsrätin besorgt.

Die Personalsituation in den Heimen sei teils angespannt, vereinzelt sogar kritisch. Das Gesundheitsdepartement habe deshalb einen Pool mit über 400 diplomierten Pflegefachpersonen, Pflegerinnen, Pflegern und Pflegehelfern eingerichtet. Bisher wurden daraus 16 Personen vermittelt. Deutlich geringere Infektionszahlen gibt es laut Bucher in den Behinderteneinrichtungen.

Mit kantonalen Härtefall-Massnahmen will die St. Galler Regierung Firmen helfen, die wegen der Pandemie in Schwierigkeiten sind. Wie Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner (FDP) sagte, bereitet die Regierung derzeit die gesetzlichen Grundlagen vor. Geprüft wird auch Dringlichkeitsrecht, damit die Unterstützung besonders betroffener Branchen noch in diesem Jahr wirksam wird.

Die möglichen Hilfen reichen von Darlehen über Bürgschaften und Garantien bis zu A-fonds-perdu-Beiträgen. Im Fokus stehen Gastronomie und Hotellerie, Reisebüros, Carunternehmen und touristische Betriebe, Marktfahrer und Schausteller, die Event- und Veranstaltungsbranche sowie Tierparks. Geprüft würden auch Hilfen für Zulieferer.

Eine Herausforderung besteht laut Tinner darin, dass nur überlebensfähige Unternehmen unterstützt werden sollen. Die Massnahmen sollen nicht strukturerhaltend wirken. Die Regierung will die Unternehmen, denen geholfen wird, anhand eines Kriterienkatalogs bestimmen.

Die vom Bundesrat am 4. November in die Vernehmlassung geschickte Härtefallverordnung begrüsst die St. Galler Regierung in der grundsätzlichen Stossrichtung. Das weitere Vorgehen und die Ausgestaltung der kantonalen Massnahmen will sie am Dienstagabend mit den Fraktions- und Parteileitungen besprechen.

(sda)


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