Credit Suisse will Greensill-Anlegern Sonderkonditionen gewähren


News Redaktion
Wirtschaft / 13.10.21 09:54

Die Credit Suisse geht nach dem Debakel mit den Greensill-Fonds in die Offensive. Mit Sonderkonditionen will die Grossbank bei den Anlegern der aufgelösten Fonds punkten.

Die CS will bei ihren Kunden, die in die Greensill-Fonds angelegt haben, mit Sonderkonditionen punkten. (FOTO: KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER)
Die CS will bei ihren Kunden, die in die Greensill-Fonds angelegt haben, mit Sonderkonditionen punkten. (FOTO: KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER)

Als Zeichen der Wertschätzung für diese wichtigen Kundenbeziehungen können wir nun, beginnend in der Schweiz, Sonderkonditionen gewähren, erklärte ein Banksprecher am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP.

Die Bank mache weiterhin gute Fortschritte bei der Rückforderung der Vermögenswerte bei den Schuldnern und durch Versicherungsansprüche. In den Schwerpunktbereichen wird dies jedoch noch Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Sprecher.

Reuters hatte zuvor mit Verweis auf Insider berichtet, die Credit Suisse plane, den Kunden quartalsweise die Gebühren auf den meisten Produkten und Dienstleistungen zurückzuerstatten. Ausgenommen seien Dachfonds von anderen Anbietern. Zu diesen Details wollte sich die Bank gegenüber AWP nicht äussern.

Credit Suisse hatte Anfang März die Abwicklung von vier zusammen mit Greensill Capital betriebenen Lieferketten-Finanzierungs-Fonds mit einem Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden Dollar eingeleitet. Auslöser war, dass ein Versicherer neue Anlagen des Fonds nicht mehr versichern wollte. Die britisch-australische Greensill stellte daraufhin Insolvenzantrag.

Inzwischen hat die Bank zwar rund sieben Milliarden Dollar des Gesamtvolumens gesichert und davon 6,3 Milliarden an die Anleger zurückgezahlt. Doch die tief hängenden Früchte hat das Institut gepflückt, die Rückzahlung der verbleibenden Gelder dürfte mehr Zeit in Anspruch nehmen. Viele Kunden reagierten verärgert, einzelne haben bereits rechtliche Schritte eingeleitet. Analysten schätzten die möglichen Rechtskosten auf zwei Milliarden Dollar.

Die Bank startet das Gebührenbefreiungs-Programm laut Reuters am (heutigen) Mittwoch. In einem ersten Schritt seien die Kunden mit Konten in der Schweiz an der Reihe. Danach werde das Angebot auf andere Regionen ausgedehnt. Das Programm laufe vorerst in den Divisionen Schweiz, Asien-Pazifik und Internationale Vermögensverwaltung. Die Laufzeit sei noch nicht festgelegt worden.

Kunden, die an dem Programm teilnehmen, müssten nicht auf mögliche rechtliche Schritte verzichten. Aber sie müssten sich damit einverstanden erklären, dass jeder Gewinn, den sie aus einem Rechtsstreit ziehen würden, um den Betrag der erhaltenen Rückerstattung gekürzt werde. Ausgeschlossen von dem Programm seien Kunden, die bereits ein Rechtsverfahren eingeleitet hätten.

Die Fonds-Anteile verteilen sich auf rund 1000 Profi-Anleger und Superreiche, die zur Kernkundschaft des Instituts zählen. Credit Suisse hat laut Reuters die Finanzmarktaufsicht Finma über den Plan informiert, den Kunden die Gebühren zu erlassen.

Die Finma leitete in Zusammenhang mit Greensill bereits im März ein formelles Verfahren gegen Credit Suisse ein. Ende September hatte die Polizei Büros der Bank durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Das Verfahren richte sich nicht direkt gegen das Geldhaus, so das Institut. Credit Suisse hat zudem eine eigene Untersuchung zu den Greensill-Vorfällen in Auftrag gegeben. Wann der entsprechende Bericht veröffentlicht wird, ist nicht bekannt.

(sda)


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