Denis Zakaria bleiben zwei Monate für Eigenwerbung


News Redaktion
Sport / 23.09.22 06:03

Warum sich Denis Zakaria in der Premier League besser aufgehoben sieht als in der Serie A. Und warum die anstehenden Partien in der Nations League für den Mittelfeldspieler besonders wichtig sind.

Denis Zakaria im Element: schneller Vorwärtsgang nach Balleroberung (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)
Denis Zakaria im Element: schneller Vorwärtsgang nach Balleroberung (FOTO: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER)

War es eine glückliche Fügung? Noch steht die Frage unbeantwortet im Raum. Aber Denis Zakaria weiss: "Vielleicht ist es eine neue Chance für mich." Die Rede ist von seinem Wechsel von Juventus Turin zu Chelsea, der sich erst kurz vor der Schliessung des Transferfensters ergeben hat.

Es scheint, als hätte sich Zakarias Position im Kampf um einen WM-Startplatz im Nationalteam durch den Neustart in England zumindest nicht verschlechtert. Zu wenig Vertrauen genoss er bei Juventus, zu wenig Gefallen fand er an dem defensiv orientierten, von der Taktik geprägten italienischen Fussball, zu schlecht passte er ins System von Trainer Massimiliano Allegri.

Ohne den Abgang forciert zu haben, wechselte Zakaria kurz vor Transferschluss in einer Hauruck-Aktion von Turin nach London. Beim Champions-League-Sieger von 2021 ist die Konkurrenz nicht kleiner, dazu wurde sein grösster Fürsprecher, Trainer Thomas Tuchel, kurz nach seiner Ankunft entlassen. Doch Zakaria sieht in Chelsea einen entscheidenden Vorteil: "In England finde ich einen Fussball mit mehr Räumen und mehr Intensität vor. Das sollte passen für mich."

Es war bereits Zakarias zweiter Klubwechsel in diesem Jahr. In der Winterpause hatte ihn Borussia Mönchengladbach zu Juventus Turin ziehen lassen, um ihn am Saisonende nicht ablösefrei abgeben zu müssen. Der italienische Rekordmeister hätte der nächste Karriere-Schritt sein sollen, nachdem sich Zakaria in Deutschland von einer längeren Phase mit Verletzungen und anhaltenden körperlichen Problemen erholt hatte. Und die Geschichte lief auch wunderbar an: Gleich bei seinem Debüt am 6. Februar gegen Verona steuerte Zakaria seinen ersten Treffer zum 2:0-Erfolg bei.

Doch so bilderbuchmässig ging es nicht weiter. Erneut verpasste Zakaria Spiele verletzungsbedingt, andere Mal wurde er nur eingewechselt. Bei Chelsea will sich der Mittelfeldspieler nun wieder in WM-Form bringen. Wobei er wiederum auf starke teaminterne Konkurrenz trifft: N'Golo Kanté zählt zu den besten defensiven Mittelfeldspielern der Welt, Jorginho führte Italien 2021 sensationell zum EM-Titel. Mateo Kovacic, Ruben Loftus-Cheek, Connor Callagher und Carney Chukwuemeka sind weitere zentrale Mittelfeldspieler im Kader.

Kommt hinzu, dass der Mann, der sich am stärksten für seinen Wechsel eingesetzt hatte, bereits nicht mehr bei Chelsea ist. Tuchel wurde entlassen - wenige Tage, nachdem Zakaria zum Team gestossen war. "Ich wollte mit ihm zusammenarbeiten. Er war einer der Gründe, warum ich dieses Leihgeschäft angenommen habe", sagt Zakaria. Jetzt heisst sein Trainer Graham Potter.

Noch ist Zakaria von Juventus Turin nur ausgeliehen und gibt sich der Mittelfeldspieler in Bezug auf eine mögliche Rückkehr diplomatisch. Doch wer zwischen den Zeilen liest, kann sich schwer vorstellen, dass Zakaria seinen noch vier Jahre gültigen Vertrag beim italienischen Rekordmeister erfüllen wird. Vor allem, weil er seine grösste Stärke, das schnelle Umschaltspiel, in Italien nicht ausspielen kann. "Der Fussball-Stil war nicht meiner. Die Mannschaften stehen in der Serie A sehr weit hinten und machen die Räume eng. Ich bin aber einer, der Platz braucht, um schnell von Box zu Box zu spielen. Ich glaube, ich werde in London glücklicher sein als in Turin."

In London geht es für Zakaria um Eigenwerbung für den Platz neben Granit Xhaka und Remo Freuler. Djibril Sow, sein interner Konkurrent, hat sich in den letzten Monaten mehr aufgedrängt. Umso wichtiger sind auch die beiden bevorstehenden Länderspiele und die Trainings mit dem Nationalteam während des letzten Zusammenzugs zwei Monate vor der Winter-WM in Katar.

Noch geniesst der 25-Jährige im Nationalteam einen gewissen Kredit, weil er in der WM-Qualifikation bei den beiden Remis gegen Italien aufgetrumpft hat. In den nächsten Wochen und Monaten muss Zakaria aber nachlegen.

(sda)


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