Der Giro-Bergkönig nimmt Alaphilippe das Maillot jaune ab


Roman Spirig
Sport / 11.07.19 22:35

Keiner der Favoriten, sondern der Italiener Giulio Ciccone übernahm in der ersten Bergetappe der 106. Tour de France das Maillot jaune. Ciccone wurde in den Vogesen hinter dem Belgier Dylan Teuns Etappen-Zweiter und löste Julian Alaphilippe als Leader ab.

Der Giro-Bergkönig nimmt Alaphilippe das Maillot jaune ab (Foto: KEYSTONE / AP / Christophe Ena)
Der Giro-Bergkönig nimmt Alaphilippe das Maillot jaune ab (Foto: KEYSTONE / AP / Christophe Ena)

Der steile Schlussanstieg zur Planche des Belles Filles - der Planke der schönen Mädchen - stand erst zum vierten Mal im Programm der Tour. Noch immer hatte er in der Vergangenheit einen Wechsel an der Spitze der Gesamtwertung bewirkt. Wer hier das Maillot jaune übernahm, war letztlich auch am Ende der Gesamtsieger in Paris. 2012 löste Bradley Wiggins den Berner Fabian Cancellera als Leader ab, 2014 übernahm hier Vincenzo Nibali Gelb, 2017 entthronte Chris Froome seinen Teamkollegen Geraint Thomas.

Dass aber auch Giulio Ciccone das gelbe Leader-Emblem bis nach Paris bringen wird, erscheint wenig realistisch, wenngleich der 24-Jährige aus Chieti, der seine erste Tour de France bestreitet, ein starker Bergfahrer ist. Dies offenbarte er zuletzt im Giro d'Italia mit dem Gewinn der Bergpreis-Wertung. Zudem gewann er Ende Mai in Ponte di Legno die Königsetappe, nachdem er schon in der Saison zuvor ein Giro-Teilstück für sich entschieden hatte.

Ciccone schlüpfte ziemlich unverhofft ins gelbe Trikot: "Das Maillot jaune zu tragen ist der Traum eines jeden Fahrers." Minuten zuvor hatte er noch enttäuscht die Ziellinie gekreuzt. Ciccone hatte sich im Kampf um den Tagessieg an der bis zu 24 Prozent steilen Schlussrampe dem Belgier Dylan Teuns um 11 Sekunden geschlagen geben müssen, doch dies reichte dennoch, um Alaphilippe um 6 Sekunden das Leadertrikot abzunehmen. "Ich glaubte, auch in der Gesamtwertung nur Zweiter zu sein."

Mitentscheidend war letztlich die Passage am Col des Chevrères, dem letzten Hindernis vor dem Schlussaufstieg. Dort hatte Ciccone als Erster passiert, was ihm acht Sekunden an Bonifikation eintrug. Ohne diese Zeitgutschrift hätte es für den 24-jährigen Italiener nicht gereicht. Sowohl er wie auch Teuns und der Etappen-Dritte Xandro Meurisse hatten einer ursprünglich 14 Fahrer umfassenden Ausreissergruppe angehört, die sich schon vor dem ersten der insgesamt sieben Anstiege vom Feld verabschiedet hatten.

Ciccone konnte es so verschmerzen, dass er im Kampf um den Tagessieg gegen Dylan Teuns den Kürzeren zog. Der 27-jährige Belgier hatte in der Vorbereitung auf die Tour am Critérium du Dauphiné eine Etappe für sich entschieden, doch an einer der drei grossen Rundfahrten war er noch nie siegreich geblieben.

Der Schlagabtausch unter den Favoriten konzentrierte sich auf das Finale, welches offensichtlich fast allen Respekt abverlangte. Die Schlussrampe war noch schwerer als in den Vorjahren. Die Organisatoren hatte das Ziel um gut einen Kilometer nach oben verlegt, und dieses kurze letzte Stück war eines der ganz fiesen Art: Bis zu 24 Steigungsprozente galt es zu bewältigen, teils auf Naturstrasse.

Auf diesem Terrain machte der Waliser Geraint Thomas einen starken Eindruck. Der Vorjahressieger, zuletzt in der Tour de Suisse gestürzt, fuhr zwei Sekunden vor dem Franzosen Thibaut Pinot und Alaphilippe als Vierter der Etappe über die Ziellinie. Eine herbe Niederlage kassierte indes mit Vincenzo Nibali ausgerechnet ein Teamkollege von Etappensieger Teuns. 51 Sekunden büsste der Italiener alleine auf Thomas ein.

Schweizer Meister Sébastien Reichenbach hatte sich als einziger Schweizer lange in der Gruppe mit den Favoriten gehalten, erreichte aber letztlich mit gut fünf Minuten Rückstand lediglich den 32. Platz.

Die Etappe vom Freitag, die von Belfort nach Chalon-sur-Saône führen wird, bietet einen weiteren Superlativ. Mit 230 km steht der längste Abschnitt der aktuellen Tour an, dafür ist das Profil auf der zweiten Streckenhälfte fast ausschliesslich flach. Die Sprinter werden wohl den Tagessieg unter sich ausmachen.

(sda)


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