Deutsche Wirtschaft leidet unter Lieferengpässen


News Redaktion
Wirtschaft / 24.11.21 10:50

Die Stimmung von Top-Managern in Deutschland hat sich im November den fünften Monat in Folge eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank auf 96,5 Punkte von 97,7 Zählern im Oktober, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte.

Die Bestellbücher sind zwar voll, doch den deutschen Unternehmen fehlen aktuell die Rohstoffe, um den Bestellungen nachzukommen. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/DPA Staatskanzlei des Landes Nordrhe/MARK HERMENAU)
Die Bestellbücher sind zwar voll, doch den deutschen Unternehmen fehlen aktuell die Rohstoffe, um den Bestellungen nachzukommen. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/DPA Staatskanzlei des Landes Nordrhe/MARK HERMENAU)

Fachleute hatten einen Rückgang auf 96,6 Punkte erwartet. Lieferengpässe und die vierte Coronawelle machen den Unternehmen zu schaffen, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die 9000 befragten Chefinnen und Chefs bewerteten die Lage ihrer Firmen skeptischer als zuletzt und blickten auch wieder pessimistischer nach vorn.

In der Industrie trübte sich die Stimmung ein, da die Betriebe ihre laufenden Geschäfte merklich weniger gut bewerteten. Die Erwartungen hingegen hellten sich etwas auf, was laut Ifo vor allem auf die Entwicklung der Automobilindustrie zurückzuführen war.

Lieferengpässe bei Vorprodukten und Rohstoffen lassen die Industrie nicht los, betonte Fuest. Es sei hier keine Entspannung zu sehen, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe im Reuters-Interview. Die Situation ist paradox: Die Auftragsbücher sind voll, aber trotzdem sinkt wegen der Lieferengpässe die Produktion. Eine deutliche Mehrheit der Unternehmen plane, die Preise zu erhöhen.

Im Dienstleistungssektor verschlechterte sich das Geschäftsklima spürbar. Einen stärkeren Rückgang der Erwartungskomponente gab es zuletzt im November 2020. Die vierte Infektionswelle hat die Erwartungen insbesondere im Tourismussektor und dem Gastgewerbe einbrechen lassen.

Auch im Handel ging es bergab. Die Stimmung im Detailhandel wird weiter durch Lieferprobleme belastet, erläuterte der Ifo-Chef. Dort ist in den kommenden Monaten verstärkt mit Preiserhöhungen zu rechnen. Am Bau verschlechterte sich die Stimmung nur leicht.

Die Zeichen stehen mittlerweile auf ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Die Industrieproduktion leidet unter den Materialknappheiten, mit der heftigen vierten Corona-Welle gesellt sich nun ein altbekannter Belastungsfaktor für den Dienstleistungssektor hinzu.

Auch DekaBank-Experte Andreas Scheuerle äusserte sich skeptisch: Selbst ohne Lockdown wird die Wirtschaft schon jetzt geschädigt, denn die Konsumenten ziehen sich immer mehr in ihre eigenen vier Wände zurück. Der Konsum von Dienstleistungen beginne zu sinken, Käufe würden zunehmend aufgeschoben. Leicht kann der Herbststurm zu einem Wintergewitter werden.

Für das laufende Quartal erwarten Ökonomen eine langsamere Konjunkturerholung und einige Experten sogar ein Schrumpfen der Wirtschaft, während Wohlrabe und die Bundesbank weitgehend mit Stagnation rechnen. Als Konjunkturbremse gelten vor allem die Lieferengpässe, steigende Corona-Infektionen und höhere Energiepreise.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Abgebrochenes Lakers-Heimspiel neu terminiert
Sport

Abgebrochenes Lakers-Heimspiel neu terminiert

Das Mitte September wegen eines defekten Scheinwerfers abgebrochene Meisterschaftsspiel zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und den ZSC Lions wird am Dienstag, 7. Dezember, ab 19.45 Uhr nachgeholt.

Fraktionen wollen bei Steuersenkung unterschiedlich weit gehen
Schweiz

Fraktionen wollen bei Steuersenkung unterschiedlich weit gehen

Die Thurgauer Regierung will den Steuerfuss im kommenden Jahr um fünf Prozentpunkte auf historisch tiefe 112 Prozent senken. Der Grosse Rat sprach sich am Mittwoch mehrheitlich für eine Senkung aus. FDP, GLP und SVP wollen noch weiter gehen als die Regierung.

Selbst beigebrachte Schussverletzungen enden mehrheitlich tödlich
Schweiz

Selbst beigebrachte Schussverletzungen enden mehrheitlich tödlich

Eine Schussverletzung, die sich jemand selbst beigebracht hat, endet in zwei Drittel der Fälle tödlich, wie aus einer Analyse des Schweizer Traumaregisters (STR) hervorgeht. Generell überlebt die Hälfte der hospitalisierten Patienten eine schwere Schussverletzung.

Macron und Johnson beraten nach Bootsdrama auf Ärmelkanal
International

Macron und Johnson beraten nach Bootsdrama auf Ärmelkanal

Nach dem Untergang eines Migrantenbootes im Ärmelkanal mit mindestens 27 Todesopfern haben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Boris Johnson über Schritte zur Verhinderung weiterer solcher Dramen beraten.