Deutschlands Grüne finden Kompromiss im Klima-Streit


News Redaktion
International / 21.11.20 14:37

Die Grünen in Deutschland haben offenen Streit und eine für den Vorstand riskante Abstimmung bei ihrem Bundesparteitag vermieden. Wie Parteichefin Annalena Baerbock am Samstag auf Twitter schrieb, kam es zu einem Kompromiss für die Formulierung im Grundsatzprogramm. Im Wortlaut: "Zentrale Grundlage unserer Politik ist das Klimaabkommen von Paris sowie der Bericht des Weltklimarates zum 1,5 Grad-Limit, der verdeutlicht, dass jedes Zehntelgrad zählt, um das Überschreiten von relevanten Kipppunkten im Klimasystem zu verhindern. Es ist daher notwendig, auf den 1,5 Grad-Pfad zu kommen. Dafür ist unmittelbares und substanzielles Handeln in den nächsten Jahren entscheidend."

Die Co-Vorsitzenden der Grünen, Robert Habeck und Annalena Baerbock, beim digitalen Bundesparteitag der Partei. Foto: Kay Nietfeld/dpa (FOTO: Keystone/dpa/Kay Nietfeld)
Die Co-Vorsitzenden der Grünen, Robert Habeck und Annalena Baerbock, beim digitalen Bundesparteitag der Partei. Foto: Kay Nietfeld/dpa (FOTO: Keystone/dpa/Kay Nietfeld)

Teile der Basis hatten gefordert, Klimaschutz-Ziele schärfer zu formulieren als der Bundesvorstand es in seinem Leitantrag zunächst vorgesehen hatte. Sprengkraft hat die Frage, ob das Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf 1,5 Grad zu begrenzen, zur Massgabe der Grünen-Politik gemacht werden soll - über einen solchen Änderungsantrag sollte eigentlich abgestimmt werden.

Der Bundesvorstand argumentiert ausdrücklich dagegen: Das entspreche nicht dem Ziel des Pariser Klimaabkommens, das deutlich unter zwei Grad als Ziel vorgibt, das 1,5 Grad aber als erstrebenswert erwähnt. In ihrer Eröffnungsrede am Freitagabend hatte Parteichefin Baerbock gewarnt: Am Pariser Vertrag zu rütteln – und sei es noch so gut gemeint, verhindert doch gerade, dass wir ihn gemeinsam endlich mit Leben füllen.

Die 1,5-Grad-Vorgabe hätte, wenn sie ernst genommen würde, drastische Folgen für das Tempo, in dem der Treibhausgas-Ausstoss reduziert werden müsste. Experten zufolge wären die Risiken für schwerste Schäden im Ökosystem bei 1,5 Grad deutlich geringer als bei 2 Grad Erderwärmung, allerdings halten viele das für kaum noch erreichbar.

Es geht dabei auch um ein strategisches Problem der Grünen: Teile ihrer Basis und der Klimaschutzbewegung finden, sie müssten beim Klimaschutz viel mehr Tempo machen - es droht Konkurrenz wie die der neuen Klimaliste, etwa bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Rotgrün holt vier von fünf Sitzen - CVP bleibt in Stadtregierung
Schweiz

Rotgrün holt vier von fünf Sitzen - CVP bleibt in Stadtregierung

Die Stadt Bern bleibt fest in rotgrüner Hand. Bei den Wahlen vom Wochenende verteidigte das Rot-Grün-Mitte-Bündnis (RGM) seine vier Sitze in der Stadtregierung.

Stadtzürcher Freibäder werden doch nicht gratis
Schweiz

Stadtzürcher Freibäder werden doch nicht gratis

Die Freibäder in der Stadt Zürich werden auch in Zukunft Eintritt kosten. Die Zürcherinnen und Zürcher haben den Gegenvorschlag des Gemeinderats zur "Sportstadt Züri"-Initiative mit 54,2 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.

Schwyzer SVP-Politiker Alex Kuprecht ist neuer Ständeratspräsident
Regional

Schwyzer SVP-Politiker Alex Kuprecht ist neuer Ständeratspräsident

Alex Kuprecht ist im kommenden Jahr Ständeratspräsident. Die kleine Kammer wählte den Schwyzer SVP-Politiker am Montag mit 43 von 43 gültigen Stimmen.

Diego Maradona war ein Teamplayer der Sonderklasse
Sport

Diego Maradona war ein Teamplayer der Sonderklasse

Über zehn Jahre lang spielt Gabriel Calderon an der Seite von Diego Maradona für Argentinien. Nun spricht der frühere Sion- und Lausanne-Spieler über seinen Captain, der letzte Woche gestorben ist.