Die Corona-Krise wird Mobilitätsverhalten nachhaltig verändern


News Redaktion
Schweiz / 02.06.20 09:00

Wegen des Coronavirus wollen Schweizerinnen und Schweizer in Zukunft weniger häufig öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Unternehmen und Behörden sollen nun flexible Lösungen ausarbeiten, die Klimaschutz und neue Mobilitätsbedürfnisse unter einen Hut bringen.

Laut einer Umfrage wird der Individualverkehr zunehmen. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)
Laut einer Umfrage wird der Individualverkehr zunehmen. (Symbolbild) (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Wie eine Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte Schweiz zeigt, gibt es eine Verlagerung zu mehr Individualverkehr. Grund dafür sei die Angst, man könnte sich im öffentlichen Verkehr mit dem Virus anstecken. Deshalb wollen viele Menschen auf Velos, E-Bikes oder auch Autos umsteigen sowie vermehrt im Home-Office arbeiten, wie es in der am Dienstag veröffentlichten Umfrage heisst.

So glaubt rund ein Drittel der Befragten, dass sie in Zukunft vermehrt zu Fuss, mit dem E-Scooter oder dem Velo unterwegs sein werden. Rund ein Viertel der Befragten plant, weniger häufig in Zügen, Bussen, Trams oder Taxis unterwegs zu sein.

Vor der Corona-Krise verbrachte jede Person in der Schweiz gemäss Bundesamt für Statistik durchschnittlich rund 90 Minuten pro Tag im Verkehr, etwa die Hälfte davon war Freizeitverkehr, schreiben die Autoren. Nun soll mehr Raum für den Individualverkehr geschaffen werden.

Auch beim motorisierten Individualverkehr dürfte es eine leichte Zunahme geben, vor allem bei jungen Personen. Jede vierte (26 Prozent) unter 30-jährige Person geht davon aus, dass sie öfter Auto fahren wird, und 29 Prozent geben an, häufiger das Motorrad benutzen zu wollen. Dies könne einen Realitätscheck für die klimafreundliche Schweizer Verkehrspolitik bedeuten.

Die Umfrage zeige, dass vor allem der Fuss- und Veloverkehr in den Städten stärker zunehmen werde. So würden die Forderungen nach einer fussgänger- und velofreundlicheren Infrastruktur bereits lauter. Ein weiterer Ansatz könnte auch Road-Pricing sein, um den motorisierten Individualverkehr in den Städten zu regulieren.

Die Corona-Krise habe auch das Arbeiten der Menschen in der Schweiz verändert. Die Umfrage zeigt, dass viele Menschen auch in Zukunft an gewissen Tagen im Homeoffice arbeiten möchten.

Laut einer Studie des Forschungsunternehmens Ecoplan können flexiblere Arbeitsplatzkonzepte und Stundenpläne zu einer erheblichen Entlastung der öffentlichen Verkehrsmittel beisteuern. Die potenzielle Entlastung an den Hauptverkehrszeiten liege in der Grössenordnung von 24 Prozent am Morgen und bei 10 Prozent am Abend.

Die Behörden müssten nun den Trend zu mehr Homeoffice bei der Verkehrsplanung berücksichtigen. Pläne über milliardenschwere Verkehrsinfrastrukturprojekte sollen überdacht oder den neuen Umständen angepasst werden.

Die Menschen in der Schweiz gehen gemäss der Umfrage zudem tendenziell davon aus, dass sie in den kommenden Jahren weniger fliegen werden. Von den Befragten, die gelegentlich per Flugzeug verreisen, rechnen 27 Prozent mit weniger Flugreisen, 13 Prozent hingegen gehen von einer Zunahme aus.

Um den sich verändernden Mobilitätsbedürfnissen Rechnung zu tragen, seien Behörden und Wirtschaft gefordert, Verkehrsflüsse flexibler zu gestalten und Mobilitätskonzepte wie den Verleih von E-Bikes, das Teilen von Autos oder den einfachen Zugang zu E-Scootern zu fördern und die Verkehrsmittel zu vernetzen.

Der Trend zur individuellen Mobilität sollte die Schweiz aber nicht davon abhalten, die CO2-Reduktion wie geplant voranzutreiben und eine wirkungsvolle Lenkungsabgabe einzuführen.

Deloitte führte die repräsentative Umfrage Mitte April unter 1500 in der Schweiz lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter durch.

(sda)


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