Die letzten acht Anwärter auf den WM-Titel


News Redaktion
Sport / 08.12.22 06:03

Fünfmal Europa, zweimal Südamerika und die überraschenden Marokkaner spielen in Katar noch um den WM-Titel.

Wer schafft es am 18. Dezember ins Lusail Iconic Stadium? (FOTO: KEYSTONE/AP/Hussein Sayed)
Wer schafft es am 18. Dezember ins Lusail Iconic Stadium? (FOTO: KEYSTONE/AP/Hussein Sayed)

Es wurde neu gerechnet. Neue Faktoren mussten in der Formel berücksichtigt werden, Variablen wie die Schweiz verschwanden. Topfavorit ist auch nach den Achtelfinals Brasilien vor Argentinien. Portugal machte dank dem Kantersieg gegen die Schweiz nach den Berechnungen der Sportanalysten von Gracenote einen Sprung auf Platz 3 der Liste der wahrscheinlichsten Turniersieger.

Für die Fans ist es seit dem Beginn der WM vor zweieinhalb Wochen die erste Atempause. Zwei Ruhetage stehen zwischen den Achtel- und den Viertelfinals Brasilien - Kroatien und Argentinien - Niederlande am Freitag sowie Portugal - Marokko und Frankreich - England am Samstag. Ein Blick auf die acht verbliebenen Anwärter auf den Pokal.

Kroatien (5 Prozent Siegchancen gemäss Gracenote/FIFA-Ranking: 12.): Mit Ausnahme des sicheren Sieges gegen Kanada in der Vorrunde überzeugte der WM-Finalist von 2018 bisher noch nicht, auch nicht im Achtelfinal. Das 1:1 gegen Japan nach 120 Minuten war schmeichelhaft. Der Sieg im Penaltyschiessen dann dank Goalie Dominik Livakovic umso deutlicher. Wie weit knappe Siege tragen können, weiss Kroatien nur zu gut. Vor vier Jahren gewann die Mannschaft von Zlatko Dalic auf dem Weg in den Final zweimal nach Elfmeterschiessen und einmal nach Verlängerung. Vor dem Duell gegen Brasilien sagt Dalic: "Die Chancen stehen nicht 50:50, aber wir sind auch keine Aussenseiter."

Marokko (6 Prozent/22.): Als erst vierte afrikanische Mannschaft steht Marokko an einer WM unter den besten acht. "Es ist historisch für Marokko, es ist historisch für Afrika", freute sich Trainer Walid Regragui nach dem Coup gegen Spanien. Kamerun (1990), Senegal (2002) und Ghana (2010) waren im Viertelfinal gescheitert. Für Marokko, das vor dem Turnier wenige Experten auf der Rechnung hatten, spricht vor dem Duell mit Portugal vor allem die überragende Defensive, die bisher an dieser WM erst einen Treffer hinnehmen musste.

England (10 Prozent/5.): Der Trend spricht für England: Halbfinal bei der letzten WM, Final an der EM im letzten Jahr, und im laufenden Turnier scheint alles fast perfekt zu laufen. Der 19-jährige Jude Bellingham mausert sich zum Lenker und Antreiber der Three Lions. Für die vordersten Positionen rund um Mittelstürmer Harry Kane gibt es eine grosse Auswahl. Der Zusammenhalt und die Freude am Wettbewerb scheinen bei den Engländern zudem gross. "Wir lieben unser Camp und die Menschen dort. Das sind fabelhafte Menschen, wir könnten nicht glücklicher sein", sagte Trainer Gareth Southgate zum Quartier südlich von Doha.

Niederlande (11 Prozent/8.): Effizient und diszipliniert tritt die Niederlande nach acht Jahren WM-Zwangspause bei diesem Turnier auf. Trainer Louis van Gaal hat in seiner dritten Amtszeit als Bondscoach, die nach der EM im letzten Jahr begann, noch keinen Match verloren. "Ich sage es seit einem Jahr: Wir können Weltmeister werden. Ich sage nicht, dass wir es werden, aber wir können es werden", so der 71-Jährige, der nach der WM seinen Platz räumen wird. Mit Argentinien hat Van Gaal noch eine Rechnung offen. 2014 scheiterte er mit der Niederlande im WM-Halbfinal an den Südamerikanern.

Frankreich (11 Prozent/4.): Den Weltmeister-Fluch, der besagte, dass der Titelträger die Vorrunde nicht übersteht, haben die Franzosen schon mal überwunden. Trotz vielen Verletzten wie Karim Benzema oder Paul Pogba geriet Frankreich noch nicht ins Zittern und übersprang die Hürden ziemlich souverän. Der grosse Trumpf der Franzosen ist Kylian Mbappé, der mit fünf Treffern nach den ersten vier Partien der beste Torschütze dieser WM ist. "Ich bin besessen von der WM", warnte der 23-Jährige die Konkurrenz.

Portugal (13 Prozent/9.): Nach dem 6:1 gegen die Schweiz ist Portugal der Favorit der unteren Tableauhälfte. Ohne Cristiano Ronaldo zauberte der Europameister von 2016. Mit Gonçalo Ramos tauchte ein unerwarteter Matchwinner auf. Trainer Fernando Santos ging ein Risiko ein und bekam auf der ganzen Linie recht. "Ich wollte diesen Spielfluss. Wir haben als Einheit agiert", sagt der Coach.

Argentinien (20 Prozent/3.): Es flossen schon Tränen bei den Argentiniern. Der Druck, der auf dem zweifachen Weltmeister lastet, ist riesig. Nach dem 1:2 gegen Saudi-Arabien im ersten Gruppenspiel brach eine kleine Welt zusammen. Die erste Niederlage nach über drei Jahren überwanden Lionel Messi und Co. aber eindrücklich. Jetzt sind sie nicht nur wieder auf Kurs, sondern auch gestählt. Zudem geniesst die Albiceleste riesige Unterstützung. "Ganz Argentinien wäre am liebsten hier", freut sich Messi.

Brasilien (25 Prozent/1.): Der Rekordweltmeister brillierte im Achtelfinal gegen Südkorea und zementierte damit seine Favoritenstellung. Ohne Sorgen ist die Seleção zwar nicht, weil speziell auf den Aussenpositionen viele Spieler angeschlagen sind. Aber die Rückkehr von Neymar hat dem Team nochmals Auftrieb gegeben. "Es ist der ideale Zeitpunkt, um die Europäer zu entthronen", bemerkte der frühere Aussenverteidiger und Weltmeister von 2002 Cafu. Sicher ist, dass es keinen rein südamerikanischen Final gibt. Brasilien und Argentinien würden schon im Halbfinal aufeinander treffen.

(sda)


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