Die Milliarden-Frage des IOC: Was kostet die Olympia-Verschiebung?


Roman Spirig
Sport / 24.03.20 20:24

Der Entscheid des IOC, die Sommerspiele in Tokio ins Jahr 2021 zu verschieben, hat gravierende finanzielle Folgen - auch für die mehr als 11'000 Athletinnen und Athleten.

Die Milliarden-Frage des IOC: Was kostet die Olympia-Verschiebung? (Foto: KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT)
Die Milliarden-Frage des IOC: Was kostet die Olympia-Verschiebung? (Foto: KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

Die wichtigsten Fragen und Antworten aus wirtschaftlicher Sicht zur Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in Tokio.

Was hätten die Olympische Spiele 2020 im Normalfall gekostet?

Offiziell hat das Organisationskomitee Kosten von gut 12 Milliarden Franken ausgewiesen. Das National Audit Board Japans hatte diese Summe aber unlängst mehr als doppelt so hoch eingeschätzt. Das gehört in der Welt der Sport-Grossereignisse inzwischen zum guten Ton: Zwischen zuvor errechneten und dann tatsächlichen Ausgaben liegen oft Milliarden. Während sich die reinen Organisationskosten noch einigermassen gut beziffern lassen, lässt sich vor allem bei den Investitionen der Regierung, zum Beispiel in die allgemeine Infrastruktur und den Tourismus, selten eine klare Grenze ziehen.

Mit welchen Einnahmen rechneten die Organisatoren und das IOC?

Das IOC hat im Verlauf der letzten Olympiade rund 5,6 Milliarden Franken verdient, im aktuellen Zyklus dürfte mit einer Steigerung zu rechnen sein. Den grössten Anteil zahlten die Medienpartner, davon wiederum den grössten Teil der US-Sender NBC. Dazu kommen die Premium-Sponsoren, die sich ihre Werbung während der Spiele meist mehrere Hundert Millionen Franken kosten lassen. Japan ging in diesem Jahr zudem von weiteren Milliarden-Einnahmen aus, zum einen direkt durch die Olympia-Touristen und zum anderen indirekt durch sich auszahlende Investitionen.

Welche Einbussen muss Japan nun fürchten?

Das IOC hat sich gegen eine Absage der Spiele versichert, für wie viel Geld und inwieweit die Versicherung bei der Verschiebung greift, ist offen. Für die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro, in deren Vorfeld über das Zikavirus debattiert worden war, kostete die Insurance premium for Games cancellation rund 14 Millionen Franken. Die finanziellen Folgen für die japanischen Organisatoren erscheinen dramatischer: Einheimische Experten rechneten alleine im Fall der Verschiebung mit Kosten von umgerechnet 5,7 bis 6 Milliarden Franken.

Welche weiteren Probleme ergeben sich?

Mehrere hunderttausend Olympia-Touristen dürfen die Ausrichter des Weltereignisses erwarten. Entsprechend sind die Vorbereitungen. Hunderte Hotels werden gebaut, die Infrastruktur modernisiert, dazu die Investitionen in die Sportstätten. Im besten Fall greift nach den Spielen ein Konzept für die weitere, kostendeckende Nutzung - in der olympischen Sprache Legacy genannt. Als Beispiel das olympische Dorf: Die temporären Unterkünfte für über 10000 Sportlerinnen und Sportler sollten unmittelbar nach den Spielen in diesem Sommer entweder zerlegt oder weiter vermietet werden, grösstenteils sind die Verträge dafür bereits unterschrieben.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Mehrere Gummiboote verunfallen auf Aare bei Bern - drei Verletzte
Schweiz

Mehrere Gummiboote verunfallen auf Aare bei Bern - drei Verletzte

Auf der Aare zwischen Thun und Bern ist es am Wochenende gleich zu mehreren Gummibootunfällen gekommen. Drei Personen wurden verletzt, darunter eine Frau, welche Verunglückten half.

Bell investiert weiter in Hersteller von Kunstfleisch
Wirtschaft

Bell investiert weiter in Hersteller von Kunstfleisch

Die Fleischverarbeiterin Bell beteiligt sich mit weiteren 5 Millionen Euro an der niederländischen Mosa Meat. Bell hatte sich bereits 2018 mit 2 Millionen Euro am Hersteller von Kunstfleisch respektive kultiviertem Rindfleisch beteiligt.

Kanton Luzern erteilt Ebikon Bewilligung für Bau von Busknoten
Regional

Kanton Luzern erteilt Ebikon Bewilligung für Bau von Busknoten

Der Luzerner Regierungsrat hat den Bau eines Bushubs in Ebikon genehmigt. Die verbleibenden Beschwerden gegen den neuen Umsteigeknoten wies er ab und erteilte der Gemeinde das Recht zur Enteignung, wie die Staatskanzlei am Mittwoch mitteilte.

Elgg ZH: 15-Jähriger mit Traktor schwer verunfallt
Schweiz

Elgg ZH: 15-Jähriger mit Traktor schwer verunfallt

Ein 15-Jähriger ist am Montagmorgen in Elgg mit einem Traktor verunfallt und hat sich dabei schwer verletzt. Der Traktor war in abschüssigem Gelände umgekippt.