Die Nati-Analyse: Petkovics Versuch mit dem erweiterten Spektrum


Roman Spirig
Sport / 12.09.18 15:19

Nationalcoach Vladimir Petkovic kann mit den ersten Spielen nach der WM zufrieden sein. Er konnte gegen Island und England umsetzen, was er sich vorgenommen hatte. Die nächsten Partien werden dann aber eher Antworten liefern, in welche Richtung es mit dem Team geht.

Die Nati-Analyse: Petkovics Versuch mit dem erweiterten Spektrum  (Foto: KEYSTONE / AP / Rui Vieira)
Die Nati-Analyse: Petkovics Versuch mit dem erweiterten Spektrum (Foto: KEYSTONE / AP / Rui Vieira)

Es war ein gute Woche für die Schweizer Nationalmannschaft und ihren Coach Vladimir Petkovic. Beim 6:0 am Samstag gegen Island begeisterte das Team das Publikum in St. Gallen. Beim 0:1 am Dienstag im Test in England hat es zumindest nicht enttäuscht. Und der Trainer hat neue Ideen nicht nur angekündigt, sondern auch umgesetzt. Gegen Island gab Kevin Mbabu ein vielversprechendes Debüt und schoss Albian Ajeti, ein anderer Neuling, ein Tor. Xherdan Shaqiri hatte in beiden Spielen auf seiner neuen zentralen Position spürbar mehr Einfluss. Und in England war die Schweiz lange Zeit das bessere Team, obwohl sie in einem bislang kaum erprobten System spielte.

Vor allem mit der neuen Disposition der Dreierabwehr bekräftigte Petkovic den Willen, das Spektrum seiner Mannschaft zu erweitern - nicht nur personell, sondern auch taktisch. "Es kann eine gute Variante B sein, irgendwann vielleicht sogar eine Variante A", sagte Petkovic. Es spricht für ihn, dass das Team auch nach einer solchen Umstellung nicht die Ordnung verlor beziehungsweise nach einer kurzen Phase der Selbstfindung sehr stil- und systemsicher auftrat. So könnte diese Variante B durchaus auch in einem Pflichtspiel zur Variante A werden, liess Petkovic durchblicken.


Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass Petkovic in den nächsten Länderspielen im Oktober auswärts gegen Belgien und Island nochmals so aufstellen wird wie in Leicester. Dannzumal geht es um Punkte in der Nations League. Am 12. Oktober in Brüssel gegen den WM-Dritten Belgien könnte bereits eine Vorentscheidung fallen um den Gruppensieg. Die Schweizer hatten nämlich bereits im März in einem Testspiel in Griechenland taktische Experimente getätigt (und für gelungen befunden), welche im späteren Verlauf des Frühjahrs und insbesondere an der WM in Russland nicht wieder Beachtung fanden.

Ohnehin sind in den kommenden knapp vier Wochen bis zum Zusammenzug am 8. Oktober andere Werte wichtiger als die Analyse der Leistung im 3-5-1-1-System. Von Bedeutung ist für Petkovic etwa, dass Captain Stephan Lichtsteiner bei Arsenal zu einigen Einsatzminuten kommt. Oder dass Fabian Schär bei Newcastle United wieder in die Nähe eines Stammplatzes rückt. Oder dass Shaqiri bei Liverpool einmal von Beginn weg eingesetzt wird. Es geht um die Frage, ob Haris Seferovic bei Benfica Lissabon weiterhin berücksichtigt wird oder ob er wieder ins zweite Glied treten muss. Und wie Manuel Akanji, Steven Zuber und Breel Embolo, aber auch Mbabu mit der Doppelbelastung Meisterschaft - Champions League zurecht kommen.

Bei den Klubs geht die Saison in die erste ernsthafte Phase. Die meisten Schweizer Internationalen sind mit ihren Vereinen in Meisterschaft und Europacup ab dem kommenden Wochenende im Drei-Tages-Rhythmus beschäftigt. Nach diesen 21 Tagen werden erste Tendenzen ersichtlich sein, wer im weiteren Verlaufe der Saison in seinem Klub wo steht. Anfang September ist der fehlende Rhythmus noch kein Problem, ab Oktober aber wird es heikel für Spieler, die im Klub nicht zum Zuge kommen. Dies alles wird beeinflussen, ob und in welchem Ausmass Petkovic das personelle und taktische Spektrum tatsächlich erweitern kann.

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(sda)


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