Die Schweizer Medaillenhoffnungen ruhen auf Marc Hirschi


News Redaktion
Sport / 27.09.20 07:42

Wenn am Sonntag in Imola der Weltmeister im Strassenrennen ermittelt wird, zählt mit Marc Hirschi für einmal auch wieder ein Schweizer zu den Favoriten. Der junge Berner will den nächsten Coup landen.

An der Tour de France überzeugte Marc Hirschi auf unterschiedlichem Terrain. Als Lohn gab es für den jungen Berner einen Etappensieg und die Auszeichnung zum aktivsten Fahrer (FOTO: KEYSTONE/AP/Thibault Camus)
An der Tour de France überzeugte Marc Hirschi auf unterschiedlichem Terrain. Als Lohn gab es für den jungen Berner einen Etappensieg und die Auszeichnung zum aktivsten Fahrer (FOTO: KEYSTONE/AP/Thibault Camus)

Seit der Jahrtausendwende haben die Schweizer Radrennfahrer in den WM-Strassenrennen nur selten brilliert. Der Bronze-Coup von Stefan Küng im letzten Jahr - der erste Medaillengewinn eines Schweizers seit Markus Zberg 1999 in Verona - war dabei eine Ausnahme. Anders als beispielsweise Fabian Cancellara, der nie über einen 4. Rang (2011 in Kopenhagen) hinauskam, zählte Küng in Yorkshire allerdings nicht zu den Favoriten.

In diesem Jahr präsentiert sich die Ausgangslage anders: Mit Marc Hirschi hat die Schweiz im Kampf um das begehrte Regenbogentrikot einen Trumpf in der Hand. Der 22-Jährige, der wie Cancellara aus Ittigen stammt und nun von diesem als Manager betreut wird, hat zuletzt bei seiner Premiere an der Tour de France bewiesen, dass er trotz seines jungen Alters das Zeug dazu hat, auch am Sonntag ganz vorne mitzumischen. Seine offensive Fahrweise während den drei Wochen in Frankreich trug ihm nebst viel Anerkennung auch einen Etappensieg und die Auszeichnung zum kämpferischsten Fahrer der Tour ein.

Zwei Jahre nach seinem WM-Titel in der U23-Kategorie führt Hirschi in seinem zweiten WM-Rennen bei der Elite das sechsköpfige Schweizer Team bereits als Leader an. Aufgrund der Favoritenrolle sind der junge Berner und seine routinierten Nationalmannschaftskollegen Michael Albasini (39), Enrico Gasparotto (38), Michael Schär (33), Silvan Dillier (30) und Simon Pellaud (27) angehalten, das Rennen aktiv mitzugestalten.

Unterschätzen wird Hirschi ohnehin niemand mehr. Auch deshalb nicht, weil die WM-Strecke in Imola auf seine Qualitäten zugeschnitten sind. Der Kurs über 9 Runden à gut 29 km (total 258,2 km und 5000 Höhenmeter) gleicht einem Ardennen-Klassiker und ist wohl zu leicht für reine Bergfahrer und zu schwierig für explizite Sprinter.

In jeder Runde müssen zwei kurze, aber knackige Anstiege (Mazzolano und Cima Gallisterna) bewältigt werden - wie gemacht für einen Puncher wie Hirschi, der auch stark am Berg ist. Allerdings ist der Schweizer noch nicht oft Rennen über solch grosse Distanzen gefahren. Der prognostizierte Regen dürfte das Rennen zusätzlich hart machen.

Hirschi gehört zu einer grossen Liste von Favoriten, die vom Belgier Wout van Aert angeführt wird. Der dreifache Quer-Weltmeister hinterliess seit dem Neustart der World Tour am 1. August einen unwiderstehlichen Eindruck. Er gewann unter anderem den Halbklassiker Strade Bianche, das Radsport-Monument Mailand - Sanremo und zuletzt auch zwei Etappen bei der Tour de France. Auch ihm sagt der hügelige WM-Rundkurs zu.

Allerdings zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass sich bei WM-Rennen nur sehr selten der Topfavorit durchgesetzt hat. Im Schatten von Van Aert darf sich auch dessen Landsmann und Olympiasieger Greg van Avermaet Siegchancen ausrechnen.

Zum Favoritenkreis gehören auch der Däne Jakob Fuglsang, der in diesem Jahr die Lombardei-Rundfahrt und 2019 Lüttich-Bastogne-Lüttich gewonnen hat, sowie der Franzose Julian Alaphilippe und der Pole Michal Kwiatkowski, beides Etappensieger an der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt. Mit dem slowenischen Gesamtsieger Tadej Pogacar sowie dessen Landsmann Primoz Roglic und dem Australier Richie Porte steht auch das gesamte Tour-Podium am Start.

Sie alle wollen den Dänen Mads Pedersen beerben, der aufgrund des anspruchsvollen Parcours freiwillig auf eine Titelverteidigung verzichtet. Auch Peter Sagan, der Weltmeister der Jahre 2015 bis 2017, fehlt in Italien, ebenso wie der hochgelobte Belgier Mathieu van der Poel.

(sda)


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