Donald Trump und die Iraner treffen am WEF nicht aufeinander


Roman Spirig
Schweiz / 14.01.20 14:40

Die politische Krise zwischen dem Iran und den USA dürfte am 50. Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) nach der Absage der Iraner nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dafür möchte WEF-Gründer Klaus Schwab den Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz legen.

Donald Trump und die Iraner treffen am WEF nicht aufeinander (Foto: KEYSTONE / AP / Evan Vucci)
Donald Trump und die Iraner treffen am WEF nicht aufeinander (Foto: KEYSTONE / AP / Evan Vucci)

Lange war darüber spekuliert worden, ob es am diesjährigen WEF in Davos zu einem Aufeinandertreffen des iranischen Aussenministers Mohammad Javad Zarif und US-Präsident Donald Trump können konnte. Dies wird jedoch nicht der Fall zu sein, wie ein Blick auf die offizielle Teilnehmerliste des diesjährigen Treffens zeigt.

Auf dem am Dienstag veröffentlichten Papier fehlen die Repräsentanten des Staates aus dem Nahen Osten. Zarif hatte seine Teilnahme am WEF ursprünglich vor der Exekution von General Ghassem Soleimani durch die USA angekündigt.

Im Gegensatz dazu steht der US-Präsident wie vor wenigen Tagen angekündigt erwartungsgemäss auf der Teilnehmerliste. Nebst dem Präsidenten werden vier amerikanische Minister nach Davos kommen: Handelsminister Wilbur Ross, Finanzminister Steven Mnuchin, Transportministerin Elaine Chao und Arbeitsminister Eugene Scalia. Und auch der Handelsbeauftragte Robert Lightizer ist dieses Jahr mit von der Partie.

Im Fokus der Medien dürfte ausserdem Trumps Tochter Ivanka stehen, die ihren Vater einmal mehr auf einer wichtigen Reise begleitet. Zur Seite stehen wird ihr auch ihr Ehemann Jared Kushner.

Für politische Brisanz sorgen könnte nach der Absage der Iraner dafür ein anderer Namen auf der Gästeliste: derjenige des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj. Er steht im Mittelpunkt des laufenden Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump durch den US-Kongress.

Es handelt sich um den zweiten Besuch des US-Präsidenten in Davos. Erstmals war er 2018 an das Forum gereist und hatte seine "America first"-Doktrin einem globalen Publikum präsentiert. 2019 musste er hingegen eine geplante Reise wegen eines mehrwöchigen Shutdowns der US-Bundesverwaltung absagen.

Ein anderes US-Politschwergewicht, das dem WEF dieses Jahr erneut seine Aufwartung machen wird, ist der frühere US-Vizepräsident Al Gore. Er engagiert sich schon seit längerem für den Umweltschutz und wird voraussichtlich an einer Podiumsdiskussion zur Zukunft des Amazonas-Regenwaldes teilnehmen.

Was das Thema Umweltschutz anbelangt dürfte allerdings der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg eine deutlich grössere Aufmerksamkeit zuteil werden als dem Ex-Vizepräsidenten. Bereits am Dienstag, dem ersten Tag des WEF, soll die junge Schwedin an mehreren Veranstaltungen auftreten.

Das Thema Umwelt steht auch für den Forumsgründer Klaus Schwab dieses Jahr ganz oben auf der Agenda. In diesem Jahr steht das Treffen, das am 20. Januar eröffnet wird und dann offiziell vom 21. bis 24. Januar in Davos stattfindet, unter dem Motto "Stakeholder für eine solidarische und nachhaltige Welt" (Englisch: "Stakeholders for a Cohesive and Sustainable World").

Mit dem Motto signalisiere die Organisation, wie wichtig ihr die Umwelt ist. Auch das Davoser Manifest, ursprünglich 1973 veröffentlicht und von Schwab zum Jubiläum der Moderne angepasst, fordert Unternehmen auf, Nachhaltigkeit und Umweltschutz eine zentrale Rolle einzuräumen, führte der WEF-Gründer vor den Medien aus.

"Die Menschen in fünfzig Jahren sollen sagen können: Danke, wir konnten uns auf euch verlassen", sagte Schwab. Denn die Welt befinde sich im Bezug auf die Umwelt in einem Alarmzustand. "Unser Fenster zum Handeln ist klein."

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

In Russland vermisster Nawalny-Arzt wieder aufgetaucht
International

In Russland vermisster Nawalny-Arzt wieder aufgetaucht

Ein zwischenzeitlich vermisster russischer Arzt, in dessen Krankenhaus der Kremlgegner Alexej Nawalny direkt nach einem Giftanschlag im vergangenen Jahr behandelt wurde, ist wieder aufgetaucht.

Putin: Russland schützt eigene Interessen und internationales Recht
International

Putin: Russland schützt eigene Interessen und internationales Recht

Russlands Präsident Wladimir Putin hat zum 76. Jahrestag des sowjetischen Sieges über Hitler-Deutschland den Schutz nationaler Interessen betont.

Wahl in Schottland: Diskussion um Unabhängigkeitsreferendum
International

Wahl in Schottland: Diskussion um Unabhängigkeitsreferendum

Noch vor Verkündung des Ergebnisses bei der Parlamentswahl in Schottland nimmt die Diskussion um ein neues Unabhängigkeitsreferendum Fahrt auf. Regierungschefin Nicola Sturgeon kündigte an, eine Volksabstimmung voranzutreiben, falls es im Parlament eine Mehrheit für die Unabhängigkeit gibt und "wenn die Zeit reif ist". Der britische Premierminister Boris Johnson lehnte ein Referendum in der Zeitung "Daily Telegraph" (Samstag) hingegen als "unverantwortlich und rücksichtlos" ab.

Corona-Drama in Indien: Wieder mehr als 4000 Tote an einem Tag
International

Corona-Drama in Indien: Wieder mehr als 4000 Tote an einem Tag

Die Corona-Lage in Indien spitzt sich trotz internationaler Hilfe weiter zu. Wie das Gesundheitsministerium am Sonntag in Neu Delhi mitteilte, wurden zum zweiten Mal hintereinander mehr als 4000 Tote binnen 24 Stunden gezählt. Zudem gab es wieder mehr als 400 000 Neuinfektionen. Die Gesamtzahl der Toten nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 stieg auf rund 242 300. Inzwischen haben sich bereits mehr als 22 Millionen Inder mit dem Corona-Virus angesteckt. Vermutet wird, dass die Zahlen noch viel höher liegen.