EDA kümmert sich um Schweizer Verhafteten in Minsk


News Redaktion
Schweiz / 12.08.20 13:38

In der weissrussischen Hauptstadt Minsk ist ein 21-jähriger Walliser im Umfeld der Proteste gegen Wahlfälschung bei der Präsidentschaftswahl verhaftet worden. Das Aussendepartement (EDA) in Bern verfolgt den Fall nach eigenen Angaben "mit hoher Dringlichkeit".

Kurzer Prozess in Minsk: Wer nicht einsehen will, dass Lukaschenko Präsident von Weissrussland bleibt, so lange er das selbst will, bekommt die Staatsmacht zu spüren. (FOTO: KEYSTONE/AP/Sergei Grits)
Kurzer Prozess in Minsk: Wer nicht einsehen will, dass Lukaschenko Präsident von Weissrussland bleibt, so lange er das selbst will, bekommt die Staatsmacht zu spüren. (FOTO: KEYSTONE/AP/Sergei Grits)

Die Botschaft in Minsk habe den Schweizer Staatsangehörigen noch nicht besuchen können, heisst es in einer Stellungnahme des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) vom Mittwoch. Es reagierte damit auf einen Bericht des Schweizer Fernsehens SRF vom Vorabend über die Verhaftung in Weissrussland (Belarus).

Gemäss der Sendung Forum des Westschweizer Radiosenders RTS handelt es sich um einen 21-jährigen Schwinger aus dem Wallis. Der Vater des jungen Mannes sagte in der Sendung, dass die Familie ein Video eines russischen Journalisten erhalten habe, der im Innern des Gefängnisses habe filmen können. Da hätten sie ihren Sohn erkannt. Die Familie wolle nun, dass der junge Mann so schnell wie möglich ausgeliefert werde.

Das EDA stehe mit den weissrussischen Behörden wie auch mit den Angehörigen des Verhafteten in Kontakt, hiess es weiter. Man trete zudem über verschiedene Kanäle für diesen ein. Staatssekretärin Krystyna Marty Lang habe den Fall am Dienstag mit dem weissrussischen Vize-Aussenminister Oleg Krawtschenko thematisiert. Auf die Umstände der Verhaftung und die Haftbedingungen ging das EDA nicht ein.

Am dritten Abend in Folge hatte es auch am Dienstag in Weissrussland wieder viele Festnahmen gegeben. Im Internet gab es Berichte, wonach Sicherheitskräfte erneut brutal gegen friedliche Demonstranten vorgingen. Im Nachrichtenkanal Telegram wurden Videos veröffentlicht, die zeigen, wie Uniformierte Zivilisten verprügeln und treten.

Wie viele Menschen in Polizeigewahrsam kamen, war unklar. Insgesamt war die Lage nach Meinung von Beobachtern aber zunächst ruhiger als in den Nächten zuvor.

Hunderte Menschen beteiligten sich in mehreren Städten an den Protesten. In Minsk zogen grössere und kleinere Gruppen durch die Strassen. Die Polizei versuchte, die Menge zu zerstreuen. Dabei kam es erneut zu Zusammenstössen. Es sollen auch Gummigeschosse abgefeuert worden sein. Zu sehen war, wie Blendgranaten abgefeuert wurden. In Minsk errichteten Demonstranten Barrikaden.

Nach der Präsidentschaftswahl am Sonntag waren landesweit Proteste ausgebrochen. Die Wut vieler Menschen richtet sich gegen Staatschef Alexander Lukaschenko, der sich nach 26 Jahren im Amt an seine Macht klammert. Er drohte mehrfach mit dem Einsatz von Militär. Insgesamt wurden mehr als 5000 Menschen festgenommen.

Die Lukaschenko-Gegnerin in der Präsidentschaftswahl, Swetlana Tichanowskaja, ist unterdessen nach Litauen ausgereist - oder wurde von den Behörden dazu gezwungen. Tichanowskajas Mitstreiterin Veronika Zepkalo forderte den Westen auf, die 37-Jährige als Präsidentin anzuerkennen. Wahlen in Weissrussland waren bislang in der Regel entweder ohne Gegenkandidaten oder manipuliert.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Alle bisherigen Bundesrichter wiedergewählt
Schweiz

Alle bisherigen Bundesrichter wiedergewählt

Die Vereinigte Bundesversammlung hat am Mittwoch alle wieder angetretenen Bundesrichterinnen und Bundesrichter wiedergewählt - auch den von der SVP zur Abwahl empfohlene Yves Donzallaz.

Stefan Küng will die Chance packen
Sport

Stefan Küng will die Chance packen

Stefan Küng setzt an der Rad-WM in Imola alles auf eine Karte. Der Thurgauer verzichtet auf das Strassenrennen und strebt stattdessen im Zeitfahren als einer der Mitfavoriten eine Medaille an.

Fast 100 Wale nach Massenstrandung in Australien gerettet
International

Fast 100 Wale nach Massenstrandung in Australien gerettet

Nach dem Stranden von fast 500 Grindwalen an der australischen Insel Tasmanien haben Retter weitere Tiere befreien können. Damit seien bisher 94 der insgesamt etwa 470 Meeressäuger gerettet und in tiefere Gewässer gebracht worden, teilte die zuständige Behörde mit. Die Zahl der verendeten Grindwale wird nun mit 350 angegeben, zunächst war von geschätzten 380 die Rede gewesen.

St. Galler Grundwasser fast Chlorothalonil-frei
Schweiz

St. Galler Grundwasser fast Chlorothalonil-frei

Die St. Galler Behörden geben Entwarnung: Im Grundwasser finden sich wenige bis gar keine Abbauprodukte des Pestizids Chlorothalonil. Dies zeigt eine Untersuchung des Kantons an 62 Messstellen in den Jahren 2018 bis 2020. Seit Beginn des Jahres darf das Pestizid nicht mehr verwendet werden.