Ein Jahr Corona-Pandemie kratzt am Ruf des Gesundheitswesens


Roman Spirig
Schweiz / 10.06.21 15:41

Ein Jahr Corona-Pandemie hat am Ruf des Gesundheitswesens gekratzt und den Wunsch nach gesetzlichen Höchstpreisen für Medikamente verstärkt. Mehr Menschen in der Schweiz sind nun ausserdem für eine einheitliche Spitalfinanzierung und mehr Leistungen der Krankenkassen.

Das Vertrauen ins Schweizer Gesundheitssystem ist noch da, aber ein Jahr Corona-Pandemie haben auch Mängel gezeigt. Im Bild Covid-19-Patient im Stadtspital Triemli in Zürich (Dezember 2020). (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)
Das Vertrauen ins Schweizer Gesundheitssystem ist noch da, aber ein Jahr Corona-Pandemie haben auch Mängel gezeigt. Im Bild Covid-19-Patient im Stadtspital Triemli in Zürich (Dezember 2020). (FOTO: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Das Schweizer Gesundheitssystem sei unter der Covid-19-Krise nicht zusammengebrochen, es habe sich aber nicht vollständig bewährt, fasst der Gesundheitsmonitor von Interpharma zusammen, die jährliche Umfrage des Branchenverbandes, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Interpharma ist die 1933 in Basel gegründete Interessenvertretung der forschenden Pharmaunternehmen der Schweiz.

Es zeigen sich demnach deutliche sprachregionale Unterschiede zur Einschätzung des Gesundheitswesens: In der französischsprachigen und der italienischsprachigen Schweiz überwiegen mit 71 Prozent beziehungsweise 60 Prozent die positiven Stimmen. Das gesamtschweizerisch negative Resultat kommt durch die Deutschschweiz zustande, wo sich in der Umfrage 67 Prozent negativ geäussert haben.

Eine deutliche Mehrheit findet die Medikamentenpreise zu hoch und fordert eine Preisbeschränkung. Mit knapp 43 Prozent wollen zudem immer mehr einen Ausbau des Leistungskatalogs in der Krankenkassen-Grundversorgung. Dafür verantwortlich sieht der Gesundheitsmonitor die individuelle Kostenübernahme gewisser Covid-19-Tests.

Eine Mehrheit der Befragten wünscht aber weiterhin die freie Arztwahl und gewichtet den freien Zugang zu Medikamenten, die Qualität und auch die Quantität höher als Kostenüberlegungen.

Fazit des Gesundheitsmonitors ist dennoch: Rund um die Covid-19-Krise hat sich der noch 2020 festgestellte Wunsch nach mehr Eigenverantwortung in Gesundheitsfragen abgeschwächt. 2021 überwiegt nun wieder ein verstärkter Wunsch nach Gemeinschaftsverantwortung und mehr Staat.

Die Stimmberechtigten sind laut Umfrage noch deutlicher als vor der Corona-Pandemie der Meinung, dass heute zu viele stationäre Spitalbehandlungen stattfinden und dass eine einheitliche Spitalfinanzierung zu mehr ambulanten Behandlungen führt. 2020 erachtete es erstmals eine Mehrheit als wahrscheinlich, dass durch die einheitlich Spitalfinanzierung auch das Prämienwachstum gebremst werden könnte.

Der Gesundheitsmonitor stellt zwei gegensätzliche Entwicklungen fest: Zu Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr verstärkte sich der Trend, dass immer mehr Stimmberechtigte eine grössere Entscheidungsmacht beim Bund wünschten. Jetzt aber habe sich diese Tendenz deutlich gedreht. Eine knappe Mehrheit von 53 Prozent wünsche sich wieder mehr Entscheidungsmacht bei den Kantonen.

Die Ergebnisse der Umfrage im Gesundheitsmonitor 2021 basieren auf einer repräsentativen Befragung von 1200 Stimmberechtigten aus der ganzen Schweiz, die das private Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag von Interpharma durchgeführt hat. Die Befragung fand zwischen 29. Januar und 5. März 2021 in persönlichen Interviews statt.

(sda)


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