Ein logischer Meistertitel


News Redaktion
Sport / 07.05.21 22:57

Der EV Zug beendet eine grossartige Saison mit dem zweiten Meistertitel nach 1998. Es ist ein logischer Erfolg.

EV Zug jubelt endlich meisterlich (FOTO: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)
EV Zug jubelt endlich meisterlich (FOTO: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

Der Sport ist per se nicht planbar. Es können jedoch Rahmenbedingungen geschaffen werden, die einen Meistertitel möglich machen. Das haben wir hier gemacht. Insofern bin ich ziemlich zuversichtlich, dass wir in absehbarer Zeit Meister werden, hatte der Zuger Präsident Hans-Peter Strebel vor dem Saisonstart der Nachrichtenagentur Keystone-SDA gesagt. Von daher entbehrt der Erfolg nicht einer gewissen Logik.

Dass die Rahmenbedingungen besser nicht sein könnten, liegt an Strebel. Dieser ermöglichte mit seinem Geld den Bau des Spitzensportzentrums On Your Mark (OYM) in Cham, das neue Massstäbe setzt und in dem nichts dem Zufall überlassen wird, angefangen bei der Ernährung bis hin zu wissenschaftlich fundierter individueller Betreuung. Insofern konnte gleich reagiert werden, wenn beispielsweise ein Spieler Anzeichen von Müdigkeit zeigte oder es ihm an der Spritzigkeit fehlte.

Allerdings nutzen die besten Voraussetzungen nichts, wenn die Mannschaft nicht über genügend Qualität für den Meistertitel verfügt. Was das betrifft, wurde nach der Finalniederlage gegen Bern vor zwei Jahren (1:4 Siege) mit den Verpflichtungen von Goalie Leonardo Genoni sowie den Top-Stürmern Gregory Hofmann und Jan Kovar einiges investiert. Die drei hoben nicht nur das Niveau an, sie wussten auch schon, wie man Meister wird - ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Genoni bewies in der Serie gegen Genève-Servette einmal mehr, dass er ein Mann für grosse Partien ist. Zudem wirkt sich seine Ruhe auf die Vorderleute aus. Hofmann zeichnete in der Finalserie für drei der acht Zuger Tore verantwortlich, und Kovar bringt alles mit, was es im modernen Eishockey braucht, der Tscheche war in dieser Saison der beste Spieler auf Schweizer Eis.

Verteidiger Livio Stadler hob bei Hofmann und Kovar eine weitere wichtige Eigenschaft hervor: eine extreme Winnermentalität. Eine solche legte auch das Team an den Tag, selbst nach Siegen waren immer wieder kritische Worte zu hören - dieses nie zufrieden sein, zahlte sich letztendlich aus. Dementsprechend hoch war in den Trainings jeweils die Intensität. Dort fängt es an. Wir pushten uns stets gegenseitig, und dann bist du in den Spielen bereit, schildert Captain Raphael Diaz das Erfolgsrezept.

Tatsächlich legten die Zuger unter der Führung des smarten Trainers Dan Tangnes eine Saison der Superlative hin. In der Qualifikation gewannen sie 40 von 52 Partien und stellten einen Punktrekord (119) auf. Sie verloren nie mehr als zwei Spiele in Folge, wobei es nur zweimal zwei Niederlagen in Serie absetzte. Eine solche Konstanz in einer dermassen ausgeglichenen Liga hinzubekommen, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Im Viertelfinal gegen den SC Bern (4:2), dem sie nicht nur 2019, sondern auch 2017 im Final unterlegen waren, bezwangen die Zuger die eigenen Dämonen (Tangnes), danach waren sie nicht mehr zu stoppen. Selbstredend verdient es jede Mannschaft, die den Titel holt, für den EVZ gilt dies nach den gezeigten Leistungen umso mehr.

Nach dem zuvor einzigen Meistertitel 1998 gab es für die Zentralschweizer eine lange Durststrecke, eine solche ist diesmal nicht zu erwarten, auch wenn es gewichtige Abgänge zu verzeichnen gibt, allen voran Raphael Diaz. Der 35-jährige Captain, der in der Schweiz noch nie für einen anderen Verein gespielt hat, wollte zwar bei den Zugern bleiben, erhielt aber nicht den gewünschten Vertrag und unterschrieb deshalb für vier Jahre bei Fribourg-Gottéron. Santeri Alatalo dürfte zu Lugano wechseln, und Tobias Geisser wird wohl einen neuen Anlauf in Nordamerika nehmen - er steht noch bis 2022 bei den Washington Capitals unter Vertrag. Sportchef Reto Kläy ist also insbesondere in der Verteidigung gefordert, in dieser steht bislang der Zuzug von Samuel Kreis (Biel) fest.

Im Sturm zeichnet sich der Abgang von Hofmann ab, der sich den Columbus Blue Jackets anschliessen dürfte. Mit den Rückkehrern Reto Suri (Lugano) und Fabrice Herzog (Davos) wurde für die Offensive allerdings schon einiges an Qualität geholt. Das ist aber Zukunftsmusik, zunächst einmal wird gefeiert - wenn auch wegen Corona etwas anders.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Opernhaus sucht neuen Intendanten und findet neue Balletdirektorin
Schweiz

Opernhaus sucht neuen Intendanten und findet neue Balletdirektorin

Am Opernhaus Zürich will eine Findungskommission bis Ende des Jahres eine Nachfolge für Intendant Andreas Homoki präsentieren. Zudem ist eine neue Balletdirektorin gefunden worden, als Nachfolgerin für Christian Spuck, der nach Berlin wechselt.

Kanton Zug plant keine weiteren finanziellen Corona-Hilfen
Regional

Kanton Zug plant keine weiteren finanziellen Corona-Hilfen

Der Kanton Zug hat in der Coronakrise insgesamt 582 Unternehmen mit über 104 Millionen Franken unterstützt. Nun aber sieht die Zuger Regierung Licht am Horizont: Sie hat am Montag verkündet, dass Zug aktuell keine weiteren finanziellen Hilfeleistungen plane.

Nato-Generalsekretär warnt kurz vor Gipfelbeginn vor China
International

Nato-Generalsekretär warnt kurz vor Gipfelbeginn vor China

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat kurz vor Beginn des Gipfels in Brüssel deutlich vor den von China ausgehenden Bedrohungen gewarnt.

Ostschweizer Kantone wollen einfachere Regeln für Öffnungsschritte
Schweiz

Ostschweizer Kantone wollen einfachere Regeln für Öffnungsschritte

Für die Ostschweizer Kantone sind die vom Bundesrat vorgeschlagenen Regeln für die geplanten Öffnungsschritte zu detailliert und sie gehen zu wenig weit. Die allgemeine Stossrichtung wird hingegen begrüsst.