Ein Roboter soll Kinder hüten und Eltern entlasten


Roman Spirig
International / 09.08.18 12:51

Er spricht englisch und chinesisch, gibt Mathematikunterricht und erzählt Witze: Chinas "iPal" ist der Babysitter, von dem alle Eltern träumen. Der Roboter gehört zu den Innovationen, die bei der diesjährigen Technologiemesse CES in Schanghai vorgestellt wurden.

Ein Roboter soll Kinder hüten und Eltern entlasten  (Foto: KEYSTONE /  / )
Ein Roboter soll Kinder hüten und Eltern entlasten (Foto: KEYSTONE / / )

iPal leistet einsamen Kindern Gesellschaft, agiert als Babysitter und kommuniziert durch den Tablet-Schirm in seiner Brust. Eltern dürfte vor allem seine Überwachungsfunktion überzeugen.

Der Roboter in hellblauem oder pinkem Design ist so gross wie ein Fünfjähriger, bewegt sich auf Rädern und verfolgt seine Schützlinge durch in die Augen integrierte Gesichtserkennungstechnologie. Durch eine Smartphone-App können die Eltern aus der Ferne alles hören und sehen und mit ihren Kindern kommunizieren.

"Dieser Roboter soll ein Kamerad für Kinder sein", sagt Tingyu Huang vom Start-Up AvatarMind Robot Technology, das er vor vier Jahren im ostchinesischen Nankin mitgründete. "Wenn ein Kind ihn sieht, wird es ihn als Freund sehen, als weiteres Kind in der Familie."

Die Technologie hat ihren Preis: Umgerechnet 1200 Euro kostet ein "iPal", die Luxusvariante mit einem grösseren Bildschirm und langlebigeren Akku liegt bei 1720 Euro.

Bei einer Tanzshow der Roboter auf der Messe in Schanghai waren die Kunden begeistert: "Sie sind ziemlich niedlich", sagte Mike Stone aus Australien. "Ich dachte, meine zweijährige Tochter würde gerne einen haben."

Chinas junge, berufstätige Eltern stehen als Folge der jahrzehntelangen Ein-Kind-Politik oft alleine da bei der Betreuung und Pflege ihrer kleinen Kinder oder gebrechlichen Eltern - Grossfamilien gibt es immer weniger. Erst seit 2016 dürfen chinesische Eltern wieder zwei Kinder haben.

Gleichzeitig bedient die chinesische Roboterbranche die Bedürfnisse der wachsenden Zahl von Senioren, deren Kinder aus dem Haus sind, die aber dennoch lieber zuhause alt werden als in einem Pflegeheim. Auch kann die Zahl der Heime mit dem Tempo der Überalterung in China nicht Schritt halten. AvatarMind will daher bald einen weiteren Roboter auf den Markt bringen, der sich mit einsamen Senioren unterhält, sie an die Einnahme ihrer Medikamente erinnert und ärztliche Hilfe holt, wenn sie stürzen.

Peking hat die künstliche Intelligenz zu einer Priorität seines Technologie- Entwicklungsplans "Made in China 2025" erkoren. Der erste humanoide Roboter Chinas, der ein einfaches Gespräch führen kann, wurde 2017 auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas vorgestellt. Der "iPal" ist der neueste Humanoid, der für den Familiengebrauch vermarktet werden soll und in die Fussstapfen des winzigen, witzelnden "Pepper"-Roboters tritt, der 2015 vom japanischen Telekommunikationskonzern Softbank präsentiert wurde.

"Chinesen sind sehr empfänglich für neue Technologien", kommentiert Hattie He, Experte beim Beratungsunternehmen Canalys. "Unternehmen fördern (in China) gerne Sprachassistenten, und die Verbraucher sind mit dem Konzept bereits vertraut."

Was seinen "iPal" angeht, so ist AvatarMind-Gründer Huang vorsichtig optimistisch: "Ich denke nicht, dass die Roboter Eltern oder Lehrer ersetzen können. Doch iPal kann ein ergänzendes Werkzeug sein, um sie ein bisschen zu entlasten."

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Mehrere Ausflügler sterben in Schlucht in Süditalien
International

Mehrere Ausflügler sterben in Schlucht in Süditalien

Mehrere Menschen sind bei einem Ausflug in einer Schlucht in Süditalien ums Leben gekommen. Unter Berufung auf den Zivilschutz berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Montag von fünf Toten.

Aston Martin baut James Bonds Auto aus
International

Aston Martin baut James Bonds Auto aus "Goldfinger" nach

Durch die Strassen kurven wie James Bond: Diesen Traum werden sich betuchte Fans erfüllen können. Der Hersteller Aston Martin kündigte heute an, insgesamt 28 Fahrzeuge des Typs DB5 wieder zu bauen - mit Bond-Sonderausstattung.

Roger Federer verlor schwachen Final gegen Novak Djokovic
Sport

Roger Federer verlor schwachen Final gegen Novak Djokovic

Für Roger Federer endete am Masters-1000-Turnier von Cincinnati eine schöne Serie. In seinem achten Final kassierte er beim 4:6, 4:6 gegen Novak Djokovic seine erste Niederlage. Der Serbe erreichte mit seinem ersten Titel in Cincinnati einen weiteren Meilenstein.

Die 1/16-Finals - FCL bei Servette, FCZ bei Breitenrein, GC bei Nyonnais, Cham bei Red Star, Xamax bei Aarau und St. Gallen bei Muri zu Gast
Regional

Die 1/16-Finals - FCL bei Servette, FCZ bei Breitenrein, GC bei Nyonnais, Cham bei Red Star, Xamax bei Aarau und St. Gallen bei Muri zu Gast

Das Derby zwischen dem FC Sion und dem Challenge-League-Spitzenklub Lausanne-Sport ist das Top-Spiel der 1/16-Finals im Schweizer Cup.