Ericsson-Studie: Langsamer Start für 5G in Westeuropa


News Redaktion
Wirtschaft / 16.06.21 10:01

Beim Ausbau der fünften Mobilfunkgeneration (5G) liefern sich Nordamerika, Nordostasien und die Golf-Staaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen, während Westeuropa mit Ausnahme der Schweiz einen langsamen Start hinlegt.

China und weitere asiatische Staaten sind in der Umstellung auf 5G deutlich weiter als Westeuropa. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/NG HAN GUAN)
China und weitere asiatische Staaten sind in der Umstellung auf 5G deutlich weiter als Westeuropa. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/NG HAN GUAN)

Das ist ein Ergebnis des aktuellen Ericsson Mobility Report, der am Mittwoch in Stockholm veröffentlicht wurde. In Nordostasien (inklusive China und Südkorea) seien Ende 2020 bereits neun Prozent aller Mobilfunkverträge auf 5G umgestellt worden. In Westeuropa liege dieser Wert bei einem Prozent.

Die Schweiz hat hierbei die Nase weit vorne. Laut dem Telekomverband Asut haben Ende April 2021 über 1,1 Millionen Nutzer 5G-fähige Endgeräte wie Smartphones oder Tablets benutzt. Auch die Anzahl an Wohnungen oder Büros, deren Internetanschluss über einen 5G-Router erfolgt, nimmt laufend zu (im Fachjargon Fixed-Wireless-Access FWA genannt). Damit nutzen bereits über 12 Prozent der Schweizer Bevölkerung ein 5G-Gerät.

Noch verbreiteter sind 5G-fähige Abos. Über 4 Millionen Kunden hätten bereits solche Mobilfunk-Abonnements, stellte die Asut fest. Deshalb erwartet der Telekomverband weiterhin eine rasche Zunahme der 5G-Nutzung in der Schweiz.

Die Schweiz hat als eines der ersten Länder der Welt die neue Mobilfunkgeneration im Frühjahr 2019 in Betrieb genommen. Nach dem Blitzstart wurde der 5G-Ausbau aber durch den Widerstand von Teilen der Bevölkerung und der Behörden arg gebremst. Gewisse Kantone und Gemeinden erliessen 5G-Moratorien. Auch der Bund liess sich mit den Vollzugshilfen zur Messung der Strahlung der neuen adaptiven Handyantennen monatelang Zeit.

Die Chefs der Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt warnen immer wieder vor einem Datenstau, wenn der Ausbau nicht vorankomme. Die bestehenden 4G-Netze kämen zunehmend an ihre Leistungsgrenzen, erklärte der Telekomverband Asut: Sie wurden vor knapp einem Jahrzehnt eingeführt, als der Datenverkehr noch 200 Mal kleiner war als heute und dreimal weniger Endgeräte genutzt wurden.

5G löst den Mobilfunk der dritten Generation (UMTS) ab und wird zunächst in der Regel parallel zum Mobilfunk der vierten Generation (LTE) betrieben. Mit 5G ist die Übertragung von mobilen Daten quasi in Echtzeit möglich, denn 5G ist bis zu 100 Mal schneller als LTE.

Theoretisch sind mit 5G Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde Gbit/s möglich. In der Praxis werden derzeit Maximalwerte um 1 Gbit/s erreicht. Auch sind die Reaktionszeiten (Latenz) im Vergleich zu UMTS und LTE viel kürzer, was für die Steuerung von Maschinen, die Telemedizin - aber auch für das Gaming - von Bedeutung ist. Ausserdem können in einer 5G-Antenne viel mehr Geräte online sein.

Bis zum Jahr 2026 sagt die Studie vor allem ein dynamisches 5G-Wachstum in Nordamerika voraus. Dort werde der 5G-Anteil von 4 Prozent (2020) auf 84 Prozent steigen. In Nordostasien würden dagegen bis 2026 nur zwei Drittel (65 Prozent) aller Mobilfunkverträge 5G nutzen. In absoluten Zahlen liegen die Asiaten mit 1,4 Milliarden 5G-Verträgen allerdings weit vorn. Für Nordamerika erwartet die Studie 340 Millionen 5G-Verträge.

In Westeuropa dominiert derzeit 4G (LTE) und macht 78 Prozent aller Verträge aus. Der 4G-Anteil werde bis zum Jahr 2026 auf 27 Prozent wegen des Umstiegs auf 5G zurückgehen. Die Verschiebung von einigen Frequenzversteigerungen habe dabei Auswirkungen auf den Einsatz und die Abdeckung von 5G in der Region. Die 5G-Durchdringung werde aber trotz des Startrückstandes bis Ende 2026 rund 69 Prozent erreichen.

Die kabellosen Festnetzverbindungen (FWA) über 4G oder 5G konkurrieren mit klassischen Breitbandverbindungen auf dem Festnetz. Sie sind günstiger, weil man dafür keine Leitungen vom Verteilerkasten in die Wohnungen oder Büros legen muss. Allerdings hängen sie von der Leistungsfähigkeit der Handyantenne ab.

Die neuen technischen Möglichkeiten von 5G werden auch dafür sorgen, dass der gesamte globale mobile Datenverkehr (ohne FWA) weiter rasant ansteigen wird. Ende 2020 lag der Wert der Studie zufolge 49 Exabyte pro Monat. Auf einem so grossen Speicher könnte man über 500 Millionen HD-Filme ablegen. In den kommenden fünf Jahren soll sich dieser Wert auf 237 Exabyte fast verfünffachen.

Die durchschnittliche monatliche Nutzung pro Smartphone liegt der Studie zufolge derzeit bei über 10 Gigabyte und wird bis Ende 2026 voraussichtlich 35 Gigabyte erreichen. Der Videodatenverkehr mache derzeit 66 Prozent des gesamten mobilen Daten Datenverkehrs aus. Dieser Anteil werde bis zum Jahr 2026 auf 77 Prozent steigen.

(sda)


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