EVZ-Gegner Mark Streit: "Wir haben absolut nichts zu verlieren"


Roman Spirig
Sport / 14.04.21 17:11

Der SC Bern hat sich gefangen und forderte im ersten Spiel dem Topfavoriten EV Zug alles ab. Dass dem so ist, liegt auch am früheren NHL-Star Mark Streit, der seit Anfang Dezember eine unterstützende Funktion in der ersten Mannschaft einnimmt.

EVZ-Gegner Mark Streit: Wir haben absolut nichts zu verlieren (Foto: KEYSTONE / MARCEL BIERI)
EVZ-Gegner Mark Streit: Wir haben absolut nichts zu verlieren (Foto: KEYSTONE / MARCEL BIERI)

Mark Streit sitzt auf der Pressetribüne und macht sich bereit für das erste Viertelfinalspiel gegen Zug. Er schaut sich während der Partie Szenen auf Video an, gibt Inputs an Alex Chatelain, einem der beiden Assistenten von Headcoach Mario Kogler. Manchmal kommt es vor, dass Streit in der Pause in der Garderobe das Wort ergreift, falls ihm beispielsweise etwas Spezielles im Powerplay aufgefallen ist.

"Ich bin permanent bei der Mannschaft, bin bei allen Meetings dabei und bringe mich ein", schildert Streit seine Rolle. "Wir haben eine offene Diskussionskultur, letztendlich trifft jedoch die Trainercrew die Entscheide." Das Wort des 43-Jährigen hat aber mit Sicherheit Gewicht, schliesslich verfügt er über eine immense Erfahrung und ist eine grosse Persönlichkeit. Er bestritt 820 Partien in der NHL, gewann mit den Pittsburgh Penguins den Stanley Cup, war Captain der New York Islanders und des Schweizer Nationalteams, mit dem er an vier Olympischen Spielen und 13 Weltmeisterschaften teilnahm.

Insbesondere die Verteidiger können enorm von Streit profitieren, er spielte selber auf dieser Position. Jedoch: "Diese Saison, mit einem Spiel nach dem anderen, ist dermassen hektisch, dass ein individuelles Coaching schwierig ist." Selber an die Bande zu stehen, "war nie ein Thema und wollte ich selber auch nicht. Ich bin mit meiner aktuellen Funktion glücklich, es ist für mich eine super Erfahrung."

Als Streit im vergangenen Mai Einsitz im Verwaltungsrat des SC Bern nahm, war der ursprüngliche Plan, dass er daneben bei den Sitzungen der Sportkommission und der Geschäftsleitung dabei ist, um den Klub kennenzulernen, und zwar nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch was die Gastronomie betrifft. Ausserdem sollte er sein Wissen im Nachwuchs einbringen, daher stand er bis Dezember im Fördertraining der U17 und U20 auf dem Eis und arbeitete mit den Verteidigern. Mit dem Abgang des vorhergehenden Trainers Don Nachbaur erhöhte sich dann allerdings sein Pensum durch die Involvierung in die erste Mannschaft. "Es ist eine Notsituation, da müssen alle 'a d Seck'", so Streit. Nächste Saison werde es wieder anders ein.

Als die neue Crew übernahm, war der SCB Zweitletzter. Ende Dezember fiel er gar auf den letzten Platz zurück, den er auch wegen einer Quarantäne bis am 17. Februar innehatte. Der Titelverteidiger kriegte aber noch die Kurve und überstand nun gar den Playoff-Achtelfinal gegen Davos. "Eigentlich sind wir gut in die Saison gestartet, mit guten Leistungen, wir holten aber nicht die nötigen Punkte. Irgendwann war das Selbstvertrauen weg", führt Streit aus.

Erschwerend kamen die total fünf Quarantänen hinzu. "Wir konnten nie richtig trainieren und etwas aufbauen. Für den einen oder anderen Routinier war es einfacher, damit umzugehen, aber für die Jungen war es schon schwierig. Wir hatten praktisch keine Zeit, auf dem Eis das Powerplay, das Forechecking, das Spiel in der neutralen Zone anzuschauen, arbeiteten stattdessen viel mit Videos und Meetings. Nichtsdestotrotz ist ein Aufwärtstrend vorhanden, wir agieren als Team besser, sind organisierter, und auch die einzelnen Spieler kommen immer besser in Form."

Das führte dazu, dass die Berner im Viertelfinal stehen. Ohnehin befindet sich der SCB im Umbruch, nachdem er drei der letzten vier Meistertitel gewonnen hat. "Den richtigen Zeitpunkt für den Umbruch zu finden, ist enorm schwierig", sagt Streit. Dass ein solcher nicht von heute auf morgen vonstatten gehe, sei klar, das dauere meistens ein paar Jahre. "Spieler werden älter, die Jungen, die nachrücken, brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Nichtsdestotrotz wollen wir den Zuschauern etwas bieten, ist ein gewisser Druck da. Wir können nicht sagen, in fünf Jahren sind wir dann wieder gut."

In der Serie gegen den Qualifikationssieger Zug liegen die Berner zwar 0:1 zurück, sie hielten beim 2:4 aber gut mit. "Wir haben sehr viel Erfahrung im Team, der Mix und die Stimmung sind gut, und die Jungs haben bewiesen, dass sie bereit sind, wenn es um etwas geht." Damit spricht Streit unter anderem den Triumph im Cup an. "Zug ist eine grosse Herausforderung, wir haben jedoch absolut nichts zu verlieren." All dies macht die Berner gefährlich.

(sda / Redaktion)


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