Fall George Floyd: Chauvins Anwalt will Neuauflage des Verfahrens


News Redaktion
International / 05.05.21 11:49

Zwei Wochen nach dem Schuldspruch gegen den weissen Ex-Polizisten Derek Chauvin wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd hat die Verteidigung eine Neuauflage des Verfahrens beantragt.

ARCHIV - Der Angeklagte Derek Chauvin (r) und sein Verteidiger Eric Nelson (l) im Gerichtssaal in Minneapolis. Foto: Uncredited/Pool Court TV/AP/dpa (FOTO: Keystone/Pool Court TV/AP/Uncredited)
ARCHIV - Der Angeklagte Derek Chauvin (r) und sein Verteidiger Eric Nelson (l) im Gerichtssaal in Minneapolis. Foto: Uncredited/Pool Court TV/AP/dpa (FOTO: Keystone/Pool Court TV/AP/Uncredited)

Als Begründung führte Anwalt Eric Nelson rechtliche Fehler und Fehlverhalten von Gericht, Staatsanwaltschaft und Geschworenen an. Wegen der Summe der Fehler sei der Prozess gegen Chauvin (45) im US-Bundesstaat Minnesota nicht fair gewesen und habe ihn damit seiner von der Verfassung garantierten Rechte beraubt, schrieb Nelson in dem auf Dienstag datierten Antrag.

Die Verteidigung war während des Prozesses in Minneapolis beim zuständigen Richter Peter Cahill mehrfach mit Anträgen auf ein sofortiges Ende des Verfahrens aufgrund angeblicher rechtlicher Fehler gescheitert. Als Begründung für den jüngsten Antrag führte Chauvins Anwalt unter anderem an, dass der Richter eine Verlegung des Prozesses an einen anderen Ort blockiert habe. Zudem habe Cahill es versäumt, eine komplette Abschottung der Geschworenen von der Aussenwelt für die ganze Dauer des Verfahrens anzuordnen, hiess es weiter. Nelson warf zudem auch der Staatsanwaltschaft Verfahrensfehler vor.

Die intensive Medienberichterstattung habe die Fairness des Verfahrens untergraben, zudem seien Sachverständige der Verteidigung eingeschüchtert worden. Die öffentliche Aufmerksamkeit vor und während dieses Prozesses war so allgegenwärtig und voreingenommen, dass sie einen strukturellen Defekt des Verfahrens darstellte, argumentierte Nelson. Das Büro des Generalstaatsanwaltes von Minnesota wies dies zurück. Das Gericht hat bereits viele dieser Argumente abgelehnt, und der Staat wird ihnen energisch entgegentreten, hiess es in einem Statement für den Sender CNN.

Die Geschworenen hatten Chauvin am 20. April unter anderem des Mordes zweiten Grades schuldig gesprochen. Darauf stehen im US-Bundesstaat Minnesota bis zu 40 Jahre Haft. Bislang ist die Verkündung des Strafmasses am Gericht in Minneapolis für den 16. Juni geplant. Chauvin hatte auf nicht schuldig plädiert. Da er nicht vorbestraft ist, rechnen Experten damit, dass ein deutlich geringeres Strafmass verhängt wird, als maximal zulässig wäre.

Der Tod des 46-jährigen Floyd am 25. Mai 2020 bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis hatte in den USA Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Videos dokumentieren, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb. Die Beamten hatten ihn wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

Chauvins Verteidiger hatte argumentiert, dass die Gewaltanwendung des Polizisten gerechtfertigt gewesen sei, weil sich Floyd der Festnahme widersetzt habe. Zudem vertrat er die Meinung, dass Floyds Tod nicht primär auf Gewalteinwirkung zurückging, sondern vor allem auf bestehende Herzprobleme und Rückstände von Drogen in seinem Blut. Experten der Staatsanwaltschaft hatten diese Argumentation klar zurückgewiesen.

Neben Chauvin sind drei weitere am Einsatz gegen Floyd beteiligte Ex-Polizisten angeklagt. Sie werden in einem Verfahren ab August vor Gericht stehen. Ihnen wird Beihilfe zur Last gelegt. Auch ihnen könnten langjährige Haftstrafen drohen.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Alles offen zwischen den Hawks und den 76ers
Sport

Alles offen zwischen den Hawks und den 76ers

Die Atlanta Hawks gleichen in der NBA-Playoff-Viertelfinalserie gegen die Philadelphia 76ers aus. Nach zuletzt zwei Niederlagen gewinnt das Team von Clint Capela in Spiel 4 zuhause 103:100.

Trump-Anhängerin Greene entschuldigt sich für Holocaust-Vergleich
International

Trump-Anhängerin Greene entschuldigt sich für Holocaust-Vergleich

Die republikanische US-Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Green hat sich für Vergleiche zwischen Schutzmassnahmen in der Corona-Pandemie und der Judenverfolgung durch die Nazis entschuldigt.

Nets brauchen nach Aufholjagd noch einen Sieg
Sport

Nets brauchen nach Aufholjagd noch einen Sieg

Die Brooklyn Nets brauchen noch einen Sieg für den Einzug in die NBA-Halbfinals. Die Nets gewinnen das fünfte Viertelfinal-Spiel dank erfolgreicher Aufholjagd gegen die Milwaukee Bucks 114:108.

Gelungener Halbfinal-Auftakt für die Golden Knights
Sport

Gelungener Halbfinal-Auftakt für die Golden Knights

Die Vegas Golden Knights starten in den NHL-Playoffs-Halbfinals mit einem 4:1-Heimsieg in die Best-of-7-Serie gegen die Montreal Canadiens.