Familien vergraben Unterhosen für die Forschung


Roman Spirig
Regional / 19.06.19 17:58

Kinder und ihre Familien haben bei der Forschungsanstalt Agroscope Unterhosen vergraben. Das Mitmach-Experiment soll sonst unsichtbare Bodenprozesse sichtbar machen.

Familien vergraben Unterhosen für die Forschung (Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
Familien vergraben Unterhosen für die Forschung (Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
(Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
(Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
(Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
(Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)

In gesundem Boden wimmelt es von Asseln, Springschwänzen und Pilzen, die Pflanzenreste zersetzen und die darin enthaltenen Nährstoffe wieder verfügbar machen. So auch Baumwoll-Unterhosen, wie ein Agroscope-Experiment zum "Tag des unterirdische Lebens" am Mittwoch zeigt.

Eine alte Unterhose, ein Spaten und ein Fähnchen zum Markieren - mehr braucht es nicht für das Experiment, das die Forschungsanstalt Agroscope am Mittwoch gemeinsam mit Kindern und Familien auf ihrem Gelände bei Zürich startete.

Die Unterhose wird vergraben und in zwei Monaten wieder herausgeholt. Ihr Zustand macht das Leben im Boden sichtbar: je verrotteter der Stoff, desto gesünder der Boden. Strotzt er vor Regenwürmern, Asseln, Bakterien, Pilze, Milben und anderen Kleinstlebewesen, dürfte die Unterhose nach dieser Zeit stark zerfressen zutage kommen.

Sollte der Sommer allerdings sehr trocken ausfallen, tue sich weniger, erklärte Marcel van der Heijden von Agroscope an einem Medienanlass am Mittwoch. Das Experiment lehnt sich an die internationale Kampagne #SoilYourUndies an, die das Bewusstsein für die Artenvielfalt im Boden und ihren Nutzen schärfen soll.

Ähnliche Experimente führen die Forschenden von Agroscope in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern um Nina Buchmann von der ETH Zürich ganz in der Nähe durch. Auf Versuchsparzellen haben sie allerdings keine Unterhosen, sondern Teebeutel in Nylonnetzen vergraben. "Teebeutel sind standardisiert und so sind Ergebnisse auch international vergleichbar", sagte van der Heijden.

Wie bei den Unterhosen steht der Grad der Verrottung im Fokus, hier jedoch auch der Vergleich zwischen verschiedenen landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsformen - konventionell, Bio, mit mehr oder weniger Bodenbearbeitung. Vorher und nachher werden die Teebeutel gewogen, um zu sehen, wie stark die Bodenorganismen das Material zersetzt haben.

Parallel untersuchen die Agroscope-Forschenden die unterirdische Artenvielfalt und die Nahrungsnetze im Boden, um sie mit dem Grad der Verrottung und anderen Bodenprozessen in Zusammenhang zu stellen.

Das übergeordnete Ziel sei herauszufinden, welche Bewirtschaftungsform die besten Erträge im Rahmen einer nachhaltigen Landwirtschaft erbringen. Dabei spielen Bodenlebewesen eine zentrale Rolle.

Das Unterhosen-Experiment, das Agroscope dieses Jahr das erste Mal durchführt, könnte künftig in ähnlicher Form auch zu dieser Forschung beitragen: Man überlege, nächstes Jahr ein Citizen Science Projekt zu starten, sagte van der Heijden.

(sda)


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