FC Basel entlässt Trainer Ciriaco Sforza


Roman Spirig
Sport / 06.04.21 18:00

Der FC Basel hat sich per sofort von seinem erfolglosen Trainer Ciriaco Sforza getrennt. Die Entlassung folgt einen Tag nach der 1:2-Heimniederlage gegen Aufsteiger Vaduz.

FC Basel entlässt Trainer Ciriaco Sforza (Foto: KEYSTONE / PATRICK STRAUB)
FC Basel entlässt Trainer Ciriaco Sforza (Foto: KEYSTONE / PATRICK STRAUB)

Bis zum Saisonende wird der FCB interimistisch vom bisherigen Assistenten Patrick Rahmen betreut.

Der FC Basel macht auch am Tag nach dem verlängerten Osterwochenende Schlagzeilen: Diesmal sind sie wieder einmal im sportlichen Bereich entstanden. Keine 24 Stunden nach der blamablen Heimpleite gegen den vormaligen Tabellenletzten Vaduz war der Trainer Ciriaco Sforza nicht mehr zu halten.

Ich möchte mich bei Ciriaco Sforza herzlich für seinen unermüdlichen Einsatz bedanken. Wir bedauern es sehr, dass sein Engagement und seine Leidenschaft zuletzt nicht mit sportlichem Erfolg belohnt wurden und dieser Schritt nun unumgänglich war, wird Präsident Bernhard Burgener in der Mitteilung zitiert.

Burgener selbst hatte vor dem Spiel gegen Vaduz fast ultimativ eine Reaktion der Mannschaft verlangt, nachdem es zuvor in neuen Pflichtspielen bloss einen Sieg gegeben hatte. Doch die Leistung der Mannschaft gegen Vaduz lieferte abermals keine Argumente, um den Trainer im Amt zu halten. Nach der sechsten Niederlage im 13. Meisterschaftsspiel seit der Winterpause war das Schicksal von Sforza besiegelt.

Sforza, der früher in der Super League auch Luzern, die Grasshoppers und Thun trainierte, verlässt den FCB mit einer miserablen Bilanz. 1,33 Punkte pro Spiel holte er mit den Baslern. So schlecht war seit 24 Jahren und Karl Engel kein Trainer mehr beim FCB.

Vielleicht bringt die Trennung von Trainer Ciriaco Sforza zumindest da ein wenig Ruhe in den FC Basel, wo es um das Wesentliche geht: um den Fussball. Der 51-jährige Sforza schien nämlich nicht in der Lage, das Schiff inmitten der Stürme rund um den Verkauf der Aktienmehrheit des Klubs sportlich zumindest einigermassen auf Kurs zu halten.

Interimstrainer Patrick Rahmen dürfte im und um den unruhigen Verein mit der grossen überregionalen Ausstrahlung mehr Rückhalt haben als Sforza - nicht zuletzt auch in den Medien. Denn nun ist derjenige als Trainer die Nummer 1, den nicht wenige bereits bei seiner Verpflichtung als Assistent gerne als Chef gesehen hätten.

Das hat seinen Ursprung in der jüngeren Vergangenheit. Im Sommer 2019 wollte der damalige Sportchef Marco Streller den 52-Jährigen vom FC Aarau als Nachfolger von Marcel Koller nach Basel holen. Präsident Bernhard Burgener vereitelte diesen Schritt im letzten Moment und verlängerte die Zusammenarbeit mit Koller. Nun hat Burgener der Beförderung von Rahmen zugestimmt.

Der Basler Rahmen könnte also rund um den St. Jakob-Park die Akzeptanz vorfinden, die dem weitgereisten Aargauer Sforza nie zuteil wurde. Spätestens im Februar nach der (verordneten?) Suspendierung von Valentin Stocker bröckelte der Rückhalt im Team. Dies wurde von den Protagonisten zwar stets verneint, doch die Leistungen auf dem Platz zeigten ein anderes Bild: Eine Mannschaft nämlich, die ihren Trainer nicht verstand oder nicht verstehen wollte.

Die schwachen Resultate waren die Konsequenz davon. Und die Zahlen lesen sich schrecklich - eigentlich von Beginn weg: Angefangen hatte Sforza in der Super League mit einem Remis gegen Vaduz, und noch vor der Länderspielpause im Oktober folgte der erste richtige Tiefpunkt. Als klarer Favorit scheiterte der FCB in den Europa-League-Playoffs an CSKA Sofia. Wenige Wochen nach der Qualifikation für die Viertelfinals erreichte Basel nicht einmal mehr die Gruppenphase.

Zuletzt gewann der FCB nur noch eines von zehn Pflichtspielen. Im Cup schied man mit einem pitoyablen 2:6 gegen den zweitklassigen FC Winterthur aus. In der Super League war kein Team seit der Winterpause schlechter als der FC Basel. Und weil die Resultate eben schon vor Weihnachten nicht gut waren, tritt Sforza nun mit einem Schnitt von 1,33 Punkten pro Spiel ab. So schlecht war seit 24 Jahren und Karl Engel kein Trainer mehr beim FCB.

Der Meistertitel war im Spätsommer als Ziel ausgerufen worden, neun Runden vor dem Saisonende ist Basel auf Platz 5 klassiert - 24 Punkte hinter Leader Young Boys, aber nur noch sieben Punkte vor dem Barrage-Platz. Das 1:2 vom Ostermontag gegen den Aufsteiger und vormaligen Tabellenletzten Vaduz war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Das sah nun offenbar auch Burgener ein, der zuvor an Sforza festgehalten hatte, selbst als die Resultate und die Leistungen längst nichts Gutes mehr für die Zukunft erahnen liessen.

Je länger, desto mehr offenbarte das Spiel des FCB nämlich, dass auch die weichen Faktoren nicht für Sforza sprachen. Klar, er setzte häufiger als seine Vorgänger auf junge und einheimische Spieler. Doch konnte er in diesen Basler Monaten nicht beweisen, dass er nach guter Arbeit in der Challenge League in Wohlen und Wil auch in der Super League Spieler mit Perspektiven weiterbringen kann. Eray Cömert, Jasper van der Werff oder Raoul Petretta etwa machten nicht den erhofften Schritt nach vorne.

(sda)


Die Trainer des FC Basel seit 1965

(Trainer / Nationalität / Dauer)

Ciriaco Sforza SUI September 2020 bis April 2021
Marcel Koller SUI August 2018 - August 2020
Raphael Wicky SUI Juli 2017 - Juli 2018
Urs Fischer SUI Juli 2015 - Juni 2017
Paulo Sousa POR Juli 2014 - Juni 2015
Murat Yakin SUI Oktober 2012 - Juni 2014
Heiko Vogel GER Oktober 2011 - Oktober 2012
Thorsten Fink GER Juli 2009 - Oktober 2011
Christian Gross SUI Juli 1999 - Juni 2009
Guy Mathez SUI Dezember 1997 - Mai 1999
Jörg Berger † GER Juli 1997 - Oktober 1997
Heinz Hermann/Salve Andracchio SUI/ITA März 1997 - Juni 1997
Karl Engel SUI November 1995 - März 1997
Claude Andrey SUI Juli 1993 - Oktober 1995
Friedel Rausch † GER Juli 1992 - Juni 1993
Ernst August Künnecke † GER November 1989 - Juni 1992
Urs Siegenthaler SUI Juli 1987 - November 1989
Helmut Benthaus GER Juli 1985 - Juni 1987
Emil Müller SUI Dezember 1984 - Juni 1985
Ernst August Künnecke † GER Juli 1983 - November 1984
Rainer "Oki" Ohlhauser GER Juli 1982 - Juni 1983
Helmut Benthaus GER Juli 1965 - Juni 1982

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