Federer und Djokovic spielen für die Geschichte


Roman Spirig
Sport / 08.11.18 13:12

Novak Djokovic gegen Roger Federer - es wäre der von allen erwartete Final an den ATP Finals in London. Wie fast immer geht es für die beiden ab Sonntag auch darum, Geschichte zu schreiben.

Federer und Djokovic spielen für die Geschichte  (Foto: KEYSTONE / AP / THIBAULT CAMUS)
Federer und Djokovic spielen für die Geschichte (Foto: KEYSTONE / AP / THIBAULT CAMUS)

In der beeindruckenden Londoner O2 Arena kommt es einmal mehr zu einem Treffen der Giganten, bei dem neue Meilensteine fast sicher sind. Djokovic, der seit Wimbledon nur zwei Partien verloren hat und wieder die Nummer 1 ist, würde mit seinem sechsten Masters-Triumph zu Rekordhalter Federer aufschliessen. Umgekehrt könnte der 37-jährige Basler den Rekord zementieren und gleichzeitig als zweiter Spieler der Geschichte seinen 100. Titel feiern; Schwerarbeiter Jimmy Connors hat 109. Doch aufgepasst: Im letzten Jahr straften Grigor Dimitrov und David Goffin alle Prognosen Lügen.

Vor zwölf Monaten schien alles aufgelegt für Federers siebten Sieg am Turnier der besten acht des Jahres. Nach Rafael Nadals Forfait nach der Niederlage gegen Goffin war der Baselbieter als einziger der Grossen übrig geblieben, verlor aber im Halbfinal völlig überraschend ebenfalls gegen den flinken Belgier. Das soll sich nun nicht wiederholen.

Djokovic ist der dominierende Spieler der zweiten Jahreshälfte, und Federer zeigte zuletzt eine deutlich ansteigende Formkurve. An den Swiss Indoors in Basel wurde er kontinuierlich besser und feierte am Ende souverän seinen ersten Turniersieg seit dem in Stuttgart im Juni. Vor allem auch im Halbfinal in Paris-Bercy gegen Djokovic war er trotz der knappen Niederlage in über drei Stunden auf Augenhöhe mit dem sechs Jahre jüngeren Serben und zeigte sein bestes Spiel seit Monaten. Selten dürfte eine Niederlage für so viel Zuversicht gesorgt haben.

Allerdings wartet Federer mittlerweile seit drei Jahren (in den Gruppenspielen der ATP Finals, den Final verlor er dann) und vier Spielen auf einen Sieg gegen Djokovic. Auch sein letzter Masters-Erfolg liegt bereits sieben Jahre zurück. Seither triumphierte der Serbe viermal und machte sich zum eigentlichen König von London. Auch deshalb ist er der klare Favorit.

Bevor es zu einem Duell der Giganten kommen kann, stehen die Gruppenspiele an. Federer ist zum 16. Mal dabei (auch das ein Rekord), nur einmal (2008) verpasste er die Halbfinals. Er wird es mit drei sehr unterschiedlichen Spielertypen zu tun bekommen. Den Auftakt macht Federer am Sonntagabend (21.00 Uhr) gegen Kei Nishikori. Der 28-jährige Japaner meldete sich eindrücklich zurück, nachdem er wegen einer Handgelenkverletzung ein halbes Jahr hatte pausieren müssen. Der nur 1,78 m grosse Asiate hat allerdings seit viereinhalb Jahren gegen den Schweizer nicht mehr gewonnen und verlor auch in den letzten vier Wochen zweimal ohne einen Satzgewinn gegen Federer.

Gegen Dominic Thiem weist der 20-fache Grand-Slam-Champion zwar eine negative Bilanz auf (1:2), der hart arbeitende Österreicher ist aber auf Sand wesentlich stärker einzuschätzen als in der Halle. Bei Federer ist es genau umgekehrt. Schliesslich dürfte sich der Schweizer freuen, dass er zu einer Revanche gegen Kevin Anderson kommt. Der südafrikanische Riese und Masters-Debütant fügte ihm auf dem Weg in den Wimbledon-Final in fünf Sätzen die wohl bitterste Niederlage des Jahres zu.

Federer tut gut daran, seine Gruppe zu gewinnen, um nicht schon im Halbfinal auf Djokovic zu treffen. Der Serbe ist in seiner Poule gegen Alexander Zverev, Marin Cilic und den zweiten Debütanten John Isner noch klarer favorisiert. Zverev und Cilic weisen zusammen eine Finals-Bilanz von 2:10 Siegen auf. Isner profitierte wie Nishikori von den verletzungsbedingten Absagen von Nadal und Juan Martin Del Potro.

Auffallend ist: Auch 2018 fand die lange erwartete Wachablösung an der Spitze nicht statt. Fünf der acht Teilnehmer sind über 30, und Nishikori feiert kurz nach Weihnachten seinen 29. Geburtstag. Einzig Zverev (21) und Thiem (25) können zur viel gepriesenen "Next Generation" gezählt werden.

(sda)


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