Flash-Back in der Sportpause: EV Zug Ausgabe 1998: Der kanadischste Schweizer Meister


Roman Spirig
Sport / 31.03.20 04:03

In den ersten zwölf Playoff-Jahren teilen sich Lugano, Bern und Kloten die Titel auf. 1998 bricht der EV Zug in diese Phalanx ein und holt seinen bis heute einzigen Meistertitel.

Flash-Back in der Sportpause: EV Zug Ausgabe 1998: Der kanadischste Schweizer Meister (Foto: KEYSTONE / MICHELE LIMINA)
Flash-Back in der Sportpause: EV Zug Ausgabe 1998: Der kanadischste Schweizer Meister (Foto: KEYSTONE / MICHELE LIMINA)

Die Playoffs von 1998 verliefen aus vielerlei Gründen bemerkenswert. Der erste Versuch mit dem Modus best of 7 war in der NLA 1993 gescheitert. Damals wollte niemand wochenlang die gleichen (unausgeglichenen) Paarungen sehen. Der zweite Versuch fünf Jahre später sorgte für Begeisterung: Alle Viertelfinalserien (Zug - Rapperswil 4:3; Fribourg - Kloten 4:3; Davos - Lugano 4:3; Ambri - Bern 4:3) und ein Halbfinal (Zug - Ambri 4:3) wurden erst im siebenten Spiel entschieden.

Zum spannenden Verlauf der Playoffs passte das kitschige Ende. Der EVZ nützte nach zwei verlorenen Finals (1995 und 1997) seine letzte Chance. Nach dem Titelgewinn verliessen mehrere Leistungsträger den Klub. Und Zug dürfte auf ewig der einzige Schweizer Meister bleiben, der in den Playoffs in Unterzahl (9 Shorthander) besser war als im Powerplay.

Nicht nur deshalb war Zugs Krönung eine der ungewöhnlichen Storys im Schweizer Hockey. Davos, Bern und Kloten waren schon Meister, bevor die Geschichte des EV Zug 1967 überhaupt begann. Innert 30 Jahren nach der Gründung gelang in der Nachkriegszeit nur Villars und Langnau ebenfalls der Titelgewinn.

Zug spielte kanadisch. Die Ausländer (Wes Walz, Bill McDougall, Chris Lindberg, John Miner) und die Trainer (Sean Simpson, Bob Leslie) waren Kanadier, Misko Antisin und Colin Muller ausserdem Doppelbürger.

Präsident und Mäzen Fredy Egli baute das Meisterteam auf - und schenkte, als Novum, jedem Meister nach NHL-Manier einen vom Zuger Künstler Urs Bischof geschaffenen Meisterring. Egli hielt niemanden contre-coeur in Zug. Trainer Jim Koleff und der jetzige Nationalcoach Patrick Fischer zogen vor Zugs Meistersaison nach Lugano. Dafür startete Koleffs Assistent Sean Simpson in der Innerschweiz seine grosse Trainerkarriere, und Marco Fischer, der weniger bekannte Bruder von Patrick, erzielte im entscheidenden Playoff-Final gegen Davos das 1:0.

Zugs Titelgewinn war eine Zangengeburt: In der Viertelfinalserie drohte dem Qualifikationssieger gegen Rapperswil-Jona das Aus. Die Zuger unterschätzten den Gegner und kamen erst in der Overtime von Spiel 7 weiter, auch weil Rapperswil in der Belle Stamm-Goalie Claudio Bayer (gesperrt) durch den völlig unerfahrenen Remo Wehrli hatte ersetzen müssen. In der Halbfinalserie gegen Ambri-Piotta lag Zug nach einer 1:7-Heimniederlage in Spiel 5 ebenfalls mit 2:3 zurück.

Sean Simpsons Meisterstück war, dass er nach dem 1:7 gegen Ambri an Goalie Ronnie Rüeger festhielt. Rüeger startete als Nummer 2 in die Saison, verdrängte Patrick Schöpf aber zusehends. Rüeger spielte in den Playoffs zwar selten herausragend, doch das Finalduell gegen Nando Wieser entschied er klar für sich.

Die Hauptrolle spielten aber die Kanadier, angeführt von Topskorer Walz und McDougall, der im Final nicht mehr zu halten war. Es war kein Zufall, dass Problemkinder wie Misko Antisin und McDougall ihre besten Jahre in Zug erlebten. McDougall erzielte in den 20 Playoff-Partien 16 Goals und 11 Assists. Im ersten Final gegen Davos gelang ihm ein Hattrick. Auf den Tag genau ein Jahr vorher hatte sich McDougall während der Halbfinalserie gegen Davos eine wilde Nacht geleistet, die ihm eine Anzeige wegen Trunkenheit am Steuer und im Boulevard den Übernahmen Whisky-Bill eintrug.

(sda)

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