Flugzeughersteller Pilatus kann während Prüfverfahren im Nahen Osten weitergeschäften


Roman Spirig
Regional / 14.03.19 12:37

Trotz eines Prüfverfahrens wegen unterlassener Meldung der Unterstützung der saudischen Streitkräfte kann der Flugzeughersteller Pilatus im Nahen Osten weitergeschäften. Pilatus ist im Besitz einer Ausnahmebewilligung für sämtliche Tätigkeiten in Saudi-Arabien und weiteren Staaten.

Flugzeughersteller Pilatus kann während Prüfverfahren im Nahen Osten weitergeschäften  (Foto: KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI)
Flugzeughersteller Pilatus kann während Prüfverfahren im Nahen Osten weitergeschäften (Foto: KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI)

Die Bewilligung erteilt hatte das Aussendepartement (EDA), wie ein Sprecher auf Anfrage einen Bericht von Radio SRF vom Donnerstag bestätigte. Die Behörde könne in einzelnen Ausnahmefällen die weitere Ausübung der Tätigkeit für die Dauer eines Verfahrens zulassen, wenn die Tätigkeit zum Zeitpunkt der Meldung bereits ausgeübt werde. Dies tat das EDA demnach bereits im vergangenen Herbst.

Dazu zählten beispielsweise Fälle, in denen die sofortige Unterlassung der Tätigkeit dem Unternehmen einen erheblichen, nicht wiedergutzumachenden wirtschaftlichen Schaden zufügen würde. Laut dem Sprecher erteilte das EDA auch schon in anderen Fällen eine solche Ausnahmezulassung. Pilatus wollte sich gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA nicht zur Sache äussern.

Der Flugzeughersteller hatte 2017 einen Supportvertrag für die PC-21-Flotte der saudischen Luftstreitkräfte abgeschlossen. Der Auftrag sieht während fünf Jahren den Support von 55 Flugzeugen vor, die in der Hauptstadt Riad stationiert sind, wie aus dem Geschäftsbericht 2017 von Pilatus hervorging.

Brisant ist der Auftrag, weil Saudi-Arabien in den Bürgerkrieg in Jemen involviert ist. In dem Land kämpft seit 2015 die international anerkannte Regierung gegen die Huthi-Rebellen. Saudi-Arabien führt ein Militärbündnis an, das Stellungen der Huthis aus der Luft angreift. Bislang sind in dem Konflikt mehr als 28'000 Menschen umgekommen. Die Uno spricht von der weltweit grössten humanitären Katastrophe.

Weil der Flugzeughersteller dem EDA nicht mitgeteilt hatte, dass er die saudischen Streitkräfte logistisch unterstützt, leitete das EDA im vergangenen Herbst eine Prüfung des umstrittenen Auftrags von Pilatus in Saudi-Arabien ein. Das EDA betonte am Donnerstag, dass das Prüfverfahren noch nicht abgeschlossen sei und es sich deshalb zum heutigen Zeitpunkt dazu nicht äussern könne.

(sda)


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