Forscher der Uni Zürich entdecken gigantisches Schildkröten-Fossil


News Redaktion
Schweiz / 12.02.20 20:03

Tonnenschwer und gehörnt: Paläobiologen der Uni Zürich haben in Südamerika spezielle Überreste der grössten bisher bekannten Schildkröte entdeckt. Der Panzer von Stupendemys geographicus war bis zu drei Meter lang. Nun muss der Schildkröten-Stammbaum revidiert werden.

Skelettrekonstruktion von Stupendemys geographicus am American Museum of Natural History. Das Exemplar ist ungehörnt. Die Variante mit Horn, welche Forscher der Uni Zürich im nördlichen Südamerika entdeckt haben, erlaubt ganz neue evolutionäre Rückschlüsse (Bild Wikimedia, rechtefrei) (FOTO: Wikimedia, Ryan Somma)
Skelettrekonstruktion von Stupendemys geographicus am American Museum of Natural History. Das Exemplar ist ungehörnt. Die Variante mit Horn, welche Forscher der Uni Zürich im nördlichen Südamerika entdeckt haben, erlaubt ganz neue evolutionäre Rückschlüsse (Bild Wikimedia, rechtefrei) (FOTO: Wikimedia, Ryan Somma)

Die Panzerschale der Männchen trägt Hörner - eine Seltenheit bei Schildkröten, teilte das Paläontologische Institut und Museum der Universität Zürich (UZH) am Mittwoch mit.

Die Existenz der aussergewöhnlichen Schildkröte war seit längerem bekannt. Mit bis zu 3 Metern Panzerlänge ist sie eine der grössten, wenn nicht sogar die grösste Schildkröte, die es je gab, sagt Marcelo Sánchez, Direktor des Paläontologischen Instituts und Museums der UZH. Sie war 100 Mal schwerer als ihre nächste Verwandte, die im Amazonas lebende Grosskopf-Schienenschildkröte.

Die Stupendemys geographicus war in einem Gebiet heimisch, das seiner guten Bedingungen wegen so manchen tierischen Giganten gedeihen liess: Der tropische Norden Südamerikas - heute Kolumbien, Venezuela und Brasilien - war vor fünf bis zehn Millionen Jahren ein reichhaltiges sumpfiges Biotop, bevölkert unter anderem von Riesennagetieren und Panzerechsen (Krokodile, Alligatoren, Kaimane und Gaviale). Zu den damaligen Bewohnern gehörte eben auch die Stupendemys geographicus, die erstmals Mitte der 70er-Jahre beschrieben wurde.

An neuen Fundorten in Venezuela und Kolumbien haben Forschende der UZH nun aussergewöhnliche Fossilienfunde gemacht. Die beiden Panzertypen zeigen, dass es bei Stupendemys zwei Geschlechter gab: Männchen mit gehörnten und Weibchen mit hornlosen Panzern, sagt Sánchez.

Es handelt sich um das erste Beispiel bei den sogenannten Halswender-Schildkröten, bei dem sich männliche und weibliche Individuen anhand der Hörner am Panzer unterscheiden. Halswender-Schildkröten sind eine der beiden grossen Gruppen von Schildkröten. Sie ziehen ihren Kopf nicht in den Panzer zurück, sondern legen ihn seitlich darunter.

Nun muss die Geschichte der Schildkröten neu geschrieben werden. Nach der Analyse der Proben mussten wir die evolutionären Beziehungen dieser Art innerhalb des Schildkröten-Stammbaums grundlegend revidieren. Wir wissen nun, dass einige lebende Schildkrötenarten im Amazonasgebiet die nächsten lebenden Verwandten von Stupendemys sind, so Sánchez.

Zudem zeigen die Fossilien aus Brasilien, Kolumbien und Venezuela, dass die geografische Verbreitung der Riesenschildkröte viel breiter war als bisher angenommen: Sie lebte im gesamten nördlichen Teil des südamerikanischen Kontinents.

(sda)


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