Forscher testen in Zürich ein neues System für leisere Anflüge


Roman Spirig
Regional / 10.09.19 12:13

Landen soll weniger Lärm machen: Um Anflüge leiser und umweltschonender zu machen, testen Forscher am Flughafen Zürich derzeit ein neues System. Es soll Piloten sagen, bei welchem Punkt sie welchen Schritt ausführen sollen.

Symbolbild - Swissflugzeug Zürich
Symbolbild - Swissflugzeug Zürich

Über dem Flughafen Zürich kreist in dieser Woche ein umgebauter A320, ein Testflugzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dieser A320 zieht unübliche Bahnen: Er fliegt jeweils auf den Flughafen Zürich an, bricht den Anflug in einer Höhe von 300 Metern aber ab, steigt wieder an und dreht eine Schlaufe - worauf er ein weiteres Mal zum Anflug ansetzt.

Nach neun oder zehn solcher Runden landet die Maschine schliesslich auf dem Militärflugplatz Dübendorf, dem Stützpunkt für diese Forschungsreihe. Hier testen Forscher der Stiftung Skylab, des DLR und der Empa ein neues Assistenzsystem für leisere und treibstoffärmere Anflüge, wie sie an einer Medienkonferenz vom Dienstag bekanntgaben^.

Denn leiser und treibstoffärmer anfliegen ist möglich. Eine Evaluation von 12'794 Anflügen auf den Flughafen Zürich zeigte, dass die Anflüge sehr unterschiedlich sind. Als störend werden vor allem die "Ausreisser" empfunden, also jene Anflüge, bei denen die Fahrwerke zu früh ausgefahren werden oder die stark bremsen müssen.

Um diese "Ausreisser" zu vermeiden und die Anflüge generell zu verbessern, ist in der Testmaschine das Assistenzsystem LNAS installiert, was Low Noise Augmentation System bedeutet.

Diese Software soll den Piloten sagen, zu welchem Zeitpunkt sie welchen Schritt ausführen sollen, also wann sie sinken und wann sie das Fahrwerk ausfahren sollen. Bei einem "akustisch optimalen" Anflug nähert sich das Flugzeug wie auf einer Rutschbahn.

Die Forscher rechnen damit, dass sie den Lärm dank optimierten Anflügen um 4 Dezibel reduzieren könnten, das entspricht etwa einem Viertel des Lärms. Diese Lärmreduktion gilt jedoch nur für Anwohner, die in einem Umkreis von bis zu sechs Kilometern leben - dort, wo die Maschine noch auf der Höhe von 300 Metern über Boden ist.

Gemeinden, die näher als sechs Kilometer beim Flughafen liegen, werden von den optimierten Anflügen kaum profitieren, weil diese nur über einer Höhe von 300 Metern zu weniger Lärm führen.

Bis Ende dieser Woche sind insgesamt 70 Anflüge auf den Flughafen Zürich geplant. Drei Viertel der Anflüge finden mit dem neuen Assistenzsystem statt, ein Viertel ohne, um die Resultate vergleichen zu können. Der Lärm wird an zwei Stationen in Deutschland und an fünf Stationen in der Schweiz gemessen.

Parallel zur Forschungsreihe in Zürich testet auch die Lufthansa das neue System. Diese Studie wird im kommenden Sommer abgeschlossen. Ziel der Forscher ist es, das LNAS dereinst im Cockpit vorne in den Hauptdisplays unterzubringen. Heute ist das System erst auf seitlichen Displays installiert. Die Piloten müssen also immer den Kopf drehen, wenn sie die Angaben darauf sehen wollen.

In einigen Jahren soll das LNAS aber ohnehin zum Autopiloten dazugehören und den "akustisch optimalen" Anflug selber ausführen.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Lady Gaga kündigt neue Single
International

Lady Gaga kündigt neue Single "Stupid Love" an

In ihren sozialen Medien postete US-Popstar Lady Gaga am Dienstag (Ortszeit) ein Foto von einem Plakat mit rosa Kussmund und der Aufschrift Love. Dazu der Hinweis, dass ihre neue Single "Stupid Love" um Mitternacht am Freitag (US-Ostküstenzeit) erscheinen würde.

Der Februar hat dieses Jahr 29 Tage
Schweiz

Der Februar hat dieses Jahr 29 Tage

Alle vier Jahre wird dem Februar ein 29. Tag hinzugefügt, um die Differenz zwischen Kalenderjahr und astronomischem Sonnenjahr auszugleichen. Am kommenden Samstag ist es wieder soweit.

Grenzen zwischen Italien und den Nachbarländern bleiben offen
International

Grenzen zwischen Italien und den Nachbarländern bleiben offen

Ungeachtet der starken Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Italien sollen die Grenzen zu den Nachbarländern vorerst offen bleiben. Dies teilte der italienische Innenminister Roberto Speranza am Dienstag nach einem Krisentreffen in Rom mit.

Coronavirus schickt Börsen erneut auf Talfahrt
Wirtschaft

Coronavirus schickt Börsen erneut auf Talfahrt

Das Coronavirus ist nicht nur in der Schweiz angekommen - es hat sich auch an der hiesigen Börse festgesetzt. Nach einem grossen Ausverkauf zum Wochenauftakt kannten die Aktienmärkte auch am Dienstag nur eine Richtung: nach unten.