Fragen zu Arbeitsvergabe nach Mehrkosten bei Sarneraa-Projekt


Roman Spirig
Regional / 22.10.20 18:00

144,1 Millionen Franken soll das Jahrhundertprojekt zum Hochwasserschutz an der Sarneraa kosten. Der Obwaldner Kantonsrat hat am Donnerstag Mehrkosten von 30 Millionen Franken zur Kenntnis genommen, allerdings teilweise mit Unbehagen, etwa wegen der Vergabepraxis.

Fragen zu Arbeitsvergabe nach Mehrkosten bei Sarneraa-Projekt (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Fragen zu Arbeitsvergabe nach Mehrkosten bei Sarneraa-Projekt (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Das Parlament winkte den Bericht über den Stand der Wasserbauprojekte am Ende mit 48 zu 1 Stimmen bei 1 Enthaltungen durch. Ursprünglich war 2014 ein Gesamtkredit von 115 Millionen Franken genehmigt worden, zwei Jahre später waren die Kosten bereits um fast zehn Millionen Franken angestiegen.

Die aktuelle Prognose der Obwaldner Baudirektion liegt bei 144,1 Millionen Franken. Fertiggestellt werden soll der Bau mit dem 6,6 Kilometer langen Entlastungsstollen als Herzstück, im Jahr 2026. Unter anderem wegen geologischer Schwierigkeiten verzögert sich das Projekt voraussichtlich um insgesamt ein Jahr und wird entsprechend teurer.

Die Kostenentwicklung habe zu heftigen Diskussion in seiner Fraktion geführt, sagte Kantonsrat Marcel Durrer (SVP). Aber die Geologie sei ein Buch mit sieben Siegeln, das wisse man in Obwalden aus Erfahrung. Auch Reto Wallimann (FDP) sagte, ein solch umfangreiches Bauvorhaben berge immer Risiken von Mehrkosten.

Ambros Albert (SP) betonte, eine Diskussion im Parlament sei jetzt angebracht. Seine Partei forderte mit einer Anmerkung, die Regierung müsse die Fraktionen halbjährlich über den Kostenstand informieren. Baudirektor Josef Hess (parteilos) bot an, die Fraktionsvertreter zweimal jährlich zu den Bausitzungen einzuladen, was die SP im Sinne von mehr Transparenz akzeptierte.

Adrian Haueter (CVP) sprach von Unbehagen seiner Fraktion aufgrund der Mehrkosten, insbesondere weil die Arbeiten für das Einlaufbauwerk rund eine Million Franken über dem Kostenvoranschlag vergeben worden seien. Die CVP forderte, die Regierung müsse aufzeigen, wie es dazu kam und was sie, auch mit Blick auf mögliche Submissionsabreden, künftig dagegen unternehme.

Baudirektor Josef Hess (parteilos) führte aus, dass eine Ingenieurgemeinschaft aufgrund von Erfahrungszahlen vor sechs Jahren die besagten Kosten auf 6,75 Millionen Franken veranschlagt hatte. Darauf seien sechs Angebote eingegangen, die zwischen 7,8 Millionen und 13,6 Millionen Franken lagen.

Schon alleine diese Preisspanne spreche gegen Wettbewerbsabsprachen. Überhaupt seien solche selten, er habe in seiner gut 30-jährigen Karriere einen einzigen Fall erlebt, sagte Hess. Gründe für die Mehrkosten seien Schwankungen in der Marktlage aber auch eine zu optimistische Annahmen, so habe man etwa bei Schutzmassnahmen zu wenig eingesetzt.

Peter Abächerli (SVP) bemängelte die zusätzlichen ökologischen Massnahmen und forderte für kommende Projektteile eine minimale Umsetzung der Aufwertungen nach Bundesrecht. Baudirektor Hess erwiderte, es sei in zuerst darum gegangen, das Projekt subventionswürdig zu machen. Danach habe man auf Forderungen der Umweltverbände reagiert, um ohne Verzögerung weitermachen zu können.

(sda)


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