Fünf Tote nach Attacken mit Pfeil und Bogen in Norwegen


News Redaktion
International / 13.10.21 23:47

Bei einer Gewalttat im südnorwegischen Kongsberg sind fünf Menschen getötet und zwei weitere verletzt worden. Das teilte die norwegische Polizei am Mittwochabend mit.

Polizisten ermitteln im Zentrum von Kongsberg nach einer Gewalttat mit f ?nf Toten. Foto: HÂkon Mosvold Larsen/NTB/dpa (FOTO: Keystone/NTB/HÂkon Mosvold Larsen)
Polizisten ermitteln im Zentrum von Kongsberg nach einer Gewalttat mit f ?nf Toten. Foto: HÂkon Mosvold Larsen/NTB/dpa (FOTO: Keystone/NTB/HÂkon Mosvold Larsen)

Der mutmassliche Einzeltäter sei gefasst worden. Die Tat ereignete sich demnach gegen 18.15 Uhr im Zentrum der Stadt Kongsberg, die rund 80 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Oslo liegt. Der Täter sei mit Pfeil und Bogen bewaffnet gewesen - ob er auch andere Waffen bei sich trug, blieb bis zur Nacht offen. Man gehe von einem Einzeltäter aus. Nach weiteren Tätern werde nicht gesucht. Die Lage sei unter Kontrolle.

Die Verletzten seien ins Krankenhaus gebracht worden, sagte der zuständige Polizeichef Øyvind Aas. Sie lägen auf der Intensivstation. Aas sagte, er habe jedoch keine Anzeichen, dass sie in Lebensgefahr schwebten. Einer der beiden sei ein Polizeibeamter, der nicht im Dienst gewesen sei.

Die Angriffe ereigneten sich nach Angaben der Polizei an mehreren Orten in der Stadt. Das Zentrum wurde weiträumig abgeriegelt. Der Polizei sei um 18.13 Uhr von mehreren Personen gemeldet worden, dass sich ein Bewaffneter durch die Stadt bewege und mit Pfeil und Bogen auf Menschen schiesse, sagte Aas. Mehrere Medien berichteten von einem Supermarkt als einem Ort des Geschehens.

Die Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar. Es sei noch zu früh, um zu sagen, ob es einen terroristischen Hintergrund geben könnte. Viele Fragen könne er noch nicht beantworten, betonte Aas.

Eine Einwohnerin von Kongsberg sagte der Nachrichtenagentur NTB, sie habe gehört, wie der Alarm in einem Supermarkt losgegangen sei. Dabei habe sie sich nicht viel gedacht. Dann jedoch habe sie auch Polizeiautos und Rettungswagen gehört. Die Polizei habe am Abend mit Taschenlampen Garagen und Hinterhöfe im Stadtzentrum abgesucht.

Norwegens scheidende Ministerpräsidentin Erna Solberg zeigte sich erschüttert von der Tat. Unsere Gedanken gehen zuallererst an die Betroffenen und ihre Angehörigen, sagte Solberg am späten Mittwochabend auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Oslo. Sie wird am Donnerstag nach ihrer Wahlniederlage vor einem Monat von dem Sozialdemokraten Jonas Gahr Støre an der Regierungsspitze abgelöst. Auswirkungen auf den Regierungswechsel habe die Tat nicht, sagte Solberg.

Die Meldungen, die heute Abend aus Kongsberg kommen, sind grauenvoll, sagte Solberg. Der Täter hat furchtbare Handlungen gegen mehrere Menschen begangen. Das ist eine sehr dramatische Situation, die die Gemeinschaft in Kongsberg hart trifft. Es sei wichtig, zu unterstreichen, dass man noch nichts Genaueres zu dem Vorfall wisse.

Auch Kongsbergs Bürgermeisterin Kari Anne Sand hatte sich fassungslos gezeigt. Das ist eine Tragödie für alle Betroffenen. Mir fehlen die Worte, sagte sie der norwegischen Zeitung Verdens Gang.

Der Regierungschef im benachbarten Schweden, Stefan Löfven, schrieb auf Twitter, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. Es handele sich um einen furchtbaren Angriff.

Wegen des Vorfalls wurde die Polizei vorübergehend bewaffnet, wie das Polizeidirektorat am späten Abend mitteilte. Es handele sich um eine Bereitschaftsmassnahme - vorläufig gebe es keine Hinweise für eine Änderung der Bedrohungslage im Land. Auch der norwegische Geheimdienst PST wurde über den Vorfall in Kenntnis gesetzt.

Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen: Vor zehn Jahren erlebte Norwegen den schwersten Terroranschlag seiner modernen Geschichte. Am 22. Juli 2011 zündete der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik zunächst im Osloer Regierungsviertel eine in einem weissen Transporter versteckte Bombe und tötete dabei acht Menschen.

Danach fuhr er zur etwa 30 Kilometer entfernten Insel Utøya, wo er sich als Polizist ausgab und das Feuer auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jährlichen Sommerlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnete.

69 Menschen, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, kamen auf Utøya ums Leben. Breivik nannte rechtsextreme und islamfeindliche Motive für seine Taten. Er wurde im August 2012 zu der damaligen Höchststrafe von 21 Jahren mit einer Mindesthaftzeit von zehn Jahren verurteilt.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Cumic fehlt Luzern mehrere Wochen
Regional

Cumic fehlt Luzern mehrere Wochen

Der FC Luzern muss mehrere Wochen auf Nikola Cumic verzichten. Der serbische Flügel, der im Sommer leihweise von Olympiakos Piräus zu der Mannschaft von Fabio Celestini gestossen ist und bisher zu sechs Einsätzen für den FCL kam, zog sich im Training eine Zerrung der Adduktoren zu.

Beim Klimaschutz drängt die Zeit: Neue Höchstwerte bei Treibhausgas
Schweiz

Beim Klimaschutz drängt die Zeit: Neue Höchstwerte bei Treibhausgas

Das Wirtschaftsleben stand im ersten Corona-Jahr zwar vielerorts wochenlang still, aber den Trend immer dramatischerer Klimaveränderungen hat das nicht aufgehalten.

Weltmeister Quartararo in den Fussstapfen von Valentino Rossi
Sport

Weltmeister Quartararo in den Fussstapfen von Valentino Rossi

Während sich Valentino Rossi in Misano von den Fans verabschiedet, fährt sein 20 Jahre jüngerer Yamaha-Nachfolger Fabio Quartararo am Sonntag zum WM-Titel. Als Eintagsfliege oder zukünftige Legende?

Tramezzanis erster Sieg im zweiten Anlauf
Sport

Tramezzanis erster Sieg im zweiten Anlauf

Im zweiten Spiel seiner dritten Anstellung als Trainer des FC Sion kann sich Paolo Tramezzani über den ersten Sieg freuen. Sion gewinnt das Rhone-Derby in Genf gegen Servette 2:1.