Gantz deutet mögliche Aufschiebung von Israels Annexionsplänen an


News Redaktion
International / 29.06.20 16:21

Kurz vor einem Stichtag hat Israels Verteidigungsminister Benny Gantz angedeutet, dass erste Schritte zu möglichen Annexionen im besetzten Westjordanland aufgeschoben werden könnten. Alles, was nichts mit dem Kampf gegen Corona zu tun habe, müsse bis nach dem Virus warten, sagte Gantz am Montag vor einer Sitzung seiner Fraktion im israelischen Parlament.

Benjamin Netanjahu (r), Premierminister von Israel, und Benny Gantz, Vorsitzender der Mitte-Bündnisses Blau-Weiß, während der wöchentlichen Kabinettssitzung. Foto: Menahem Kahana/Pool AFP/AP/dpa (FOTO: Keystone/Pool AFP/AP/Menahem Kahana)
Benjamin Netanjahu (r), Premierminister von Israel, und Benny Gantz, Vorsitzender der Mitte-Bündnisses Blau-Weiß, während der wöchentlichen Kabinettssitzung. Foto: Menahem Kahana/Pool AFP/AP/dpa (FOTO: Keystone/Pool AFP/AP/Menahem Kahana)

Nach israelischen Medienberichten sagte der rechtskonservative Regierungschef Benjamin Netanjahu jedoch bei einer Sitzung seiner Likud-Partei, sein Koalitionspartner Gantz habe in dieser Frage nichts zu sagen. Man sei in diskreten Gesprächen mit den Amerikanern.

Die israelische Regierung will auf Grundlage eines US-Plans bis zu 30 Prozent des Westjordanlands annektieren. Laut Koalitionsvertrag zwischen Gantz und Netanjahu könnten erste Schritte an diesem Mittwoch beginnen. Die Palästinenser lehnen den Plan ab und werfen der US-Regierung vor, einseitig zugunsten Israel Partei zu ergreifen.

Gantz hatte sich zuvor am Montag mit dem US-Sondergesandten Avi Berkowitz sowie US-Botschafter David Friedman getroffen. Aus Kreisen seiner Partei Blau-Weiss verlautete, Gantz habe dabei gesagt, der 1. Juli sei kein heiliges Datum. Israel müsse sich angesichts eines Neuanstiegs von Infektionen und wirtschaftlicher Probleme zuerst um die Corona-Krise kümmern. Gantz soll im Herbst kommenden Jahres das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen.

Die israelische Zeitung Haaretz berichtete, Gantz habe Trumps Plan als historisch eingestuft. Er sei der beste Rahmen für Fortschritte im Nahost-Friedensprozess. Das Vorhaben müsse aber in Absprache mit den strategischen Partnern in der Region und den Palästinensern umgesetzt werden. Netanjahu trat bisher in der Annexionsfrage für ein entschiedeneres Vorgehen ein als Gantz.

Die EU stuft eine Annexion als Verstoss gegen internationales Recht ein. Die Palästinenser beanspruchen das 1967 im Sechstagekrieg von Israel eroberte Westjordanland für ihren künftigen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

(sda)


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