GC-Präsi Rietiker: "Wir müssen umdenken"


Roman Spirig
Sport / 13.05.19 12:23

Die Grasshoppers wollen sich teilweise neu erfinden. Eine fundamentale Restrukturierung kündigte Präsident Stephan Rietiker an. Sportlich ist das Ziel der sofortige Wiederaufstieg.

GC-Präsi Rietiker: Wir müssen umdenken (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)
GC-Präsi Rietiker: Wir müssen umdenken (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)

Gut 16 Stunden nach dem peinlichen Auftritt in Luzern und dem dadurch besiegelten Abstieg in die Challenge League stellten sich Rietiker und Trainer Uli Forte in einem Zürcher Hotel in der Nähe des früheren Hardturm-Stadions den Fragen der Medien. Wie gross die Bedeutung der Grasshoppers noch immer ist, zeigte sich an den vielen Kameras und Mikrofonen. Das journalistische Aufgebot wäre einer Medienkonferenz vor einem Match in der Champions League gerecht geworden.

Das Thema war die Challenge League, der erste Abstieg der Grasshoppers seit 70 Jahren und vor allem die von Rietiker geplanten Reformen in der Vereinsstruktur. Jetzt sei allen klar, dass sich etwas ändern müsse, sagte Rietiker. Er sprach davon, alte Zöpfe abzuschneiden: "Es bleibt kein Stein auf dem anderen." Der vor anderthalb Monaten zum Präsidenten ernannte Arzt und Unternehmer will infrage stellen, was bislang tabu war. Im Kern sagte er aber, was seine Vorgänger schon sagten: Der Ertrag muss gesteigert werden, die Fixkosten gesenkt.

In den kommenden Tagen soll über vieles entschieden werden, über das Budget für die nächste Saison, über die Ernennung eines neuen Sportchefs und eines Managers, der für Finanzen, Administration und Marketing zuständig ist. Gleichzeitig wird festgelegt, wie die Mannschaft in der Challenge League aussehen wird. Es herrscht Aufbruchstimmung im Grasshopper Club, vermittelte Rietiker wortreich. "Wir müssen umdenken, sonst zieht die Karawane ohne uns weiter."

Bernard Heusler, Georg Heitz und Mathieu Jaus, die beim FC Basel ihre Kompetenzen jahrelang unter Beweis gestellt haben, sollen als externe und damit unabhängige Berater den richtigen Weg im administrativen, sportlichen und finanziellen Bereich weisen. Die Kosten für den Campus in Niederhasli (rund 1,6 Mio. Franken) wurden von den Beratern schon thematisiert. Vorsichtig deutete Rietiker an, dass im Bereich der Ausbildung gespart werden könnte. Für mehr Einnahmen hofft er auf Sponsoren und zusätzliche Investoren.

Rietiker machte keine Angaben zu den Mitteln, die GC in der nächsten Saison zur Verfügung stehen. Das Budget muss vom Verwaltungsrat abgesegnet werden. In der letzten Spielzeit betrug es 20 Millionen Franken bei einem strukturellen Defizit von acht Millionen. Die Zielsetzung für das nächste Fussballjahr ist derweil unmissverständlich: der sofortige Wiederaufstieg. In einem Jahr wolle man wieder dort sein, "wo wir hingehören", sagte Forte. Der 45-jährige Zürcher Unterländer wird die Mannschaft auch in der Challenge League führen.

Forte, der mit St. Gallen und dem FC Zürich den direkten Wiederaufstieg schon geschafft hat, ortete als einen der Gründe für die Probleme die Transferpolitik mit den zahlreichen Mutationen (39 Transfer in dieser Saison). Zwar sei die individuelle Qualität im Kader vorhanden, doch im Kollektiv hätte sie nicht gereicht für den Klassenerhalt. Zusammen mit Heitz wird Forte an der Zusammenstellung des Teams für die nächste Saison arbeiten. Routinierte Spieler sollen zur Mannschaft stossen. Die aktuellen Spieler haben noch drei Partien, um sich zu empfehlen.

Diese drei Partien drohen für GC zum Spiessrutenlauf zu werden, nicht umsonst sagte Forte: "Leider ist die Saison noch nicht vorbei." Zweimal haben Anhänger der Grasshoppers in diesem Jahr für einen Spielabbruch gesorgt. Am Sonntag verlangten rund zwei Dutzend Chaoten, dass die Spieler ihre komplette GC-Ausrüstung abgeben. Rietiker ging im Gespräch mit den Randalierern einen Kompromiss ein: Die Spieler gaben ihre Trikots ab. "Man kann mich als Weichei bezeichnen", sagte Präsident zu seinem Entscheid. "Aber ich musste abwägen, auch wenn es Erpressung war. Es war kein Kniefall, sondern es ging um Deeskalation."

Rechtliche Schritte sind mangels Erfolgschancen eher unwahrscheinlich. Rietiker nahm nach dem Vorfall aber andere Akteure in die Pflicht. "Es ist auch ein politisches und gesellschaftliches Problem." Autosünder würden zum Teil härter bestraft als Kriminelle, so der 62-Jährige. "In Deutschland, beim American Football in den USA oder in England würden diese Leute im Kastenwagen abgeführt." Der GC-Präsident forderte die Politik, die Liga und die Klubs auf zu handeln. Er plädiert für einen vernünftigen Mix zwischen Dialog und Repression.

(sda)


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